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Markus Söders liebevolle Demontage von Armin Laschet

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Von: Stephan Hebel

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Markus Söder und Armin Laschet
Markus Söder und Armin Laschet. © Odd Andersen/AFP

Markus Söder ist zwar ein berechnender Populist, aber keineswegs dumm. Das zeigt sein Umgang mit dem Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet. Ein Kommentar.

Stellen wir uns mal vor, Markus Söder wäre ein seriöser, loyaler, für nichts als die Sache seiner Parteifamilie eintretender Politiker. Was würde er wohl sagen angesichts der katastrophalen Umfragewerte für die Union und ihren Kanzlerkandidaten? Wie würde er antworten auf den verbreiteten Wunsch, Armin Laschet durch ihn, Söder, abzulösen?

Der reale Markus Söder sagt durchaus einiges von dem, was aus Unionssicht in so einer Situation zu sagen ist: Dass die CSU für die Union und ihren Kandidaten kämpft. Dass es „um alles geht“ (Achtung, „Linksrutsch“!) und dass es nicht sinnvoll sei, jetzt den Kandidaten zu wechseln.

Markus Söder: Formschöne Begründung gegen einen Kandidatentausch

Aber der reale Söder wäre nicht er selbst, wenn er nicht noch mehr anzumerken hätte. Besonders formschön ist seine Begründung dafür, dass ein Kandidatentausch jetzt nicht sinnvoll wäre: „Die Wahlzettel sind gedruckt und die Wahlplakate geklebt.“ Um es nur leicht zu überspitzen: Wir unterstützen Laschet, um Papier und Klebstoff zu sparen.

Den falschen Mann plakatiert: Markus Söder lauscht den Worten Armin Laschets.
Den falschen Mann plakatiert: Markus Söder lauscht den Worten Armin Laschets. © Kay Nietfeld/dpa

Wer sich weder von Laschet noch von Söder besonders gut vertreten sieht, kann in solchen Äußerungen eine gute Nachricht erkennen: Söder, der zwar ein berechnender Populist, aber keineswegs dumm ist, hat den Glauben an einen Wahlsieg von CDU und CSU so gut wie verloren. Deshalb bereitet er schon die Geschichte vor, die er hinterher erzählen wird: Wir haben den falschen Mann plakatiert, mit mir als Kandidat wäre das nicht passiert.

Markus Söder hat recht: Ein „weiter so“ hat keine Chance

Oder beteiligt sich Söder so liebevoll an Laschets Demontage, weil er ihn doch noch mitten im Endspurt als Kanzlerkandidat ablösen will? Sehr wahrscheinlich ist das vier Wochen vor der Bundestagswahl 2021 nicht mehr, und deshalb übt der Bayer schon für einen traurigen 26. September: „Die Verantwortung für die Umfragen liegt nicht in Bayern“, sagt er. Er muss dann nur noch das Wort „Umfragen“ durch „Niederlage“ ersetzen.

Mit einem allerdings hat der CSU-Vorsitzende recht: Die Strategie, das Wahlvolk mit Großonkel-Geste und inhaltsleerer „Weiter so“-Rhetorik zu gewinnen, hat in diesen Zeiten offenbar keine Chance mehr. Da wirkt sogar Onkel Scholz mit seinem soften „Anpacken“ fast wie ein Aktivist. (Stephan Hebel)

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