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Macron im Gegenwind

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Von: Stefan Brändle

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Statt den Franzosen plausibel zu erklären, dass die Finanzierung ihrer eigenen Renten bedroht ist, deklamiert Staatschef Macron, die Bürgerinnen und Bürger müssten „mehr arbeiten“.
Statt den Franzosen plausibel zu erklären, dass die Finanzierung ihrer eigenen Renten bedroht ist, deklamiert Staatschef Macron, die Bürgerinnen und Bürger müssten „mehr arbeiten“. © Ludovic Marin/dpa

Der französische Präsident hat bei der nötigen Rentenreform Fehler gemacht, die ihm zusätzlichen Widerstand eingebracht haben. Der Kommentar.

Rechthaben ist nicht alles: Diese Feststellung muss einem selbstgefälligen Charakter wie Emmanuel Macron besonders schwerfallen. Der französische Präsident hat die Argumente für seine Rentenreform auf seiner Seite: Seine Landsleute leben länger als im europäischen Schnitt, gehen aber bedeutend früher in Rente. Nirgends kostet die Altersvorsorge so viel Geld wie in Frankreich. Die Erhöhung des Rentenalters von 62 auf 64 Jahre ist deshalb nichts als vernünftig.

In der Bevölkerung kommt das Projekt anders an: Französinnen und Franzosen empfinden es als Starrsinn eines Staatschefs, der nur seinen persönlichen Erfolg im Auge hat und nicht auf die 68 Prozent seiner Bürgerinnen und Bürger hört, die gegen die Reform sind.

Statt ihnen plausibel zu erklären, dass die Finanzierung ihrer eigenen Renten bedroht ist, deklamiert er, die Bürgerinnen und Bürger müssten „mehr arbeiten“. Das läuft zwar auf dasselbe hinaus, kommt aber falsch an in einem Moment, da die Löhne im Land inflationsbedingt schrumpfen.

Die Linke und auch die Lepenisten sehen ihrerseits den Moment gekommen, dem im Volk unpopulären und im Parlament mehrheitslosen Präsidenten im Elysée eine erste richtige Niederlage beizubringen. Eine, von der er sich nicht mehr erholen würde.

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