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An Ostern sind nur kleine Familientreffen erlaubt. Und Hotels bleiben geschlossen.
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An Ostern sind nur kleine Familientreffen erlaubt. Und Hotels bleiben geschlossen.

Leitartikel

Lockdown an Ostern: Zusperren reicht nicht

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
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Das Problem sind nicht die Corona-Beschlüsse. Das Problem ist, dass es keine Alternative gab. Der Leitartikel.

Frankfurt am Main - Wie werden wir in ein paar Monaten auf den Lockdown gegen die dritte Corona-Welle blicken? Werden immer noch so viele so wütend sein über die verschärften und teils widersprüchlichen Einschränkungen an Ostern? Oder werden wir sagen, es blieb nichts anderes übrig, als die Notbremse zu ziehen, weil vorher so viel unterlassen blieb und so viele Fehler gemacht wurden?

Denn das Problem ist nicht, was Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten in der Nacht zum Dienstag entschieden hat. Das Problem ist, dass ihnen keine Alternative blieb.

Corona-Beschlüsse: Viele haben Hoffnung auf bessere Zeiten verloren

Mitverantwortlich dafür ist, dass die Politik nie aus dem Krisenmodus gekommen ist. Sie hat fast ausschließlich reagiert, hat die Impf- und Teststrategie zu spät entwickelt und dann teils so dilettantisch umgesetzt, dass viele die Hoffnung auf bessere Zeiten verloren haben.

Was wäre wohl gewesen, wenn der Sommer, als die Pandemie zu pausieren schien, dazu genutzt worden wäre, möglichst viele Bereiche auf die kommenden schwierigen Zeiten vorzubereiten? Vorschläge für eine andere Ausstattung von Schulen beispielsweise gab es, allerdings wurden sie zu wenig aufgegriffen und erst recht zu wenig umgesetzt. Und nun, einige Monate später, fühlen sich viele Eltern, Lehrende und Lernende an Schulen allein gelassen, weil die seit langem versprochenen Tests noch nicht eingetroffen sind oder nicht ausreichend geliefert wurden. Und viele wissen nicht, wo die Selbsttests stattfinden sollen – zu Hause, auf dem Schulhof oder im Klassenraum? Was passieren soll, wenn ein Kind positiv getestet wurde, wo es die Zeit verbringt bis zur Abholung. Es gibt so viele Fragen und keine Antworten.

Corona-Beschlüsse: Politik hat keine Strategie entwickelt

Zusätzlich gelang es der Politik im Laufe der Corona-Krise immer weniger, das Handeln zu koordinieren oder eine Strategie zu entwickeln. Und es hätte viel früher untersucht werden müssen, welche Einschränkungen tatsächlich dazu dienen, die Pandemie einzudämmen. Viele Einschränkungen der Freiheitsrechte wären vermeidbar gewesen,

Sicher, viele dieser Versäumnisse sind das Ergebnis einer Krise, für die Lösungen erst erarbeitet werden müssen, weil es keine Routinen gibt. Doch diese Erklärung galt für die ersten Monate nach Beginn der Corona-Krise vor etwa einem Jahr. Sie gilt jetzt nicht mehr. Doch die vielen Versäumnisse haben zu einer Stimmung geführt, die vor allem eben diese Fehler anprangern. Der Chor der Kritikerinnen und Kritiker schwoll schon kurz nach Bekanntgabe der Beschlüsse der MPK an.

Corona-Beschlüsse: Erfolge treten in den Hintergrund

All das lässt die durchaus vorhandenen Erfolge in den Hintergrund treten. Sie liegen bedauerlicherweise auch schon eine Weile zurück. Mit dem Kurzarbeitergeld konnten hierzulande viele ihren Arbeitsplatz behalten statt wie etwa in den USA denselben zu verlieren.

Die Politik kann diese Stimmung wieder herstellen. Sie muss dafür allerdings den Ausstieg aus der Krise gut vorbereiten. Sie muss endlich die Impfungen beschleunigen und die Teststrategie forcieren und besser vermitteln, damit wieder allen deutlich wird, dass auch die Politik weiß, dass zusperren alleine nicht reicht.

Corona-Beschlüsse: Politik muss Lehren für die Zukunft ziehen

Vor allem sollte sie weniger ängstlich reagieren und stattdessen agieren. Wenn es sinnvoll und zielführend ist, dass Unternehmen Beschäftigte testen, dann sollte sie die Firmen nicht nur bitten, dies zu tun, sondern deutlicher werden. Das hat jedenfalls bei Fluggesellschaften funktioniert, die nun Passagiere vor der Rückreise testen lassen wollen. Noch wichtiger wäre es, wenn die Politik künftig eine weitere Lehre aus der Corona-Krise ziehen würde: nicht warten, bis es zu spät ist, sondern vorsorgen. Die Personaldecke in Krankenhäusern und Pflegeheimen sollte beispielsweise nicht mehr auf Kante genäht sein. Vielmehr sollten die Stationen so ausgestattet werden, dass sie die Menschen angemessen versorgen können. Und wenn das Geld kostet, dann muss es halt aufgebracht werden.

Politikerinnen und Politiker verweisen bei diesen Themen gerne darauf, dass die Wählerinnen und Wähler vieles Sinnvolles nicht mitmachen wollen. Für die Pandemie stimmt das jedenfalls nicht. Trotz der Fehler und Versäumnisse sind nicht so viele auf die Straße gegangen, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Die überwältigende Mehrheit hat die verschiedenen Lockdowns trotz der unangenehmen und belastenden Einschränkungen unterstützt. Es scheint mehr möglich. (Andreas Schwarzkopf)

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