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Leitartikel

Armin Laschet als Kanzlerkandidat: Ein Mann im Vakuum

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
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Um Markus Söder zu verhindern, soll der CDU-Chef Kanzlerkandidat werden. Aber wofür steht er eigentlich? Der Leitartikel.

Berlin - „Es geht um die Fähigkeit, zu führen.“ Mit diesen Worten kündigte Generalsekretär Paul Ziemiak an, warum sich jetzt die Gremien der CDU hinter die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet stellen. Führung? Eben diese Fähigkeit darf als Schlüsselqualifikation Laschets ernsthaft bezweifelt werden.

Armin Laschet spielt gern Theater. Lange ist es her, seit er erstmals in der Laienspielgruppe St. Aposteln in Aachen als weißgeschminkter „Tod“ aufgetreten ist. Heute ist er wieder Hauptdarsteller, allerdings in einem nicht minder traurigen Stück: der Suche nach dem Spitzenkandidaten im Kampf um die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel.

Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, bewirbt sich um Kanzlerkandidatur der Union.

Armin Laschet trat 2018 gar nicht erst an

Es lohnt sich, das Vorspiel noch einmal zu betrachten. Im Oktober 2018 hatten Annegret-Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn die Kandidatur für den Vorsitz der CDU angekündigt, um den sich schließlich auch Friedrich Merz bewarb. Kramp-Karrenbauer siegte bekanntlich knapp, der ehrgeizige Spahn gewann Bekanntheit. Armin Laschet trat damals gar nicht erst an – der klaren Favoritin von Kanzlerin Angela Merkel hatte er nichts entgegenzusetzen.

Zu diesem Zeitpunkt verlor die Union schon massiv Zustimmung. Doch die moralische Haltlosigkeit und tiefe Zerstrittenheit der Partei offenbarte sich Anfang 2020, als die thüringische Landespartei den FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich mit den Stimmen der AfD zum Kurzzeit-Ministerpräsidenten wählte. In der Folge trat Kramp-Karrenbauer zurück. Ihr Abgang offenbarte das inhaltliche und personelle Vakuum der Union.

Armin Laschet: Kein Mann für Kontur und Kante

Vakuum – das ist der Lebensraum von Armin Laschet. Wenn es nicht um Kontur und Kante geht, sondern um nette Worte, knuddelige Versöhnung, ist er in seinem Element. Mit dieser Attitüde landete er am 25. Februar 2020 einen Coup, als er seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz bekanntgab – im Tandem mit Jens Spahn, der so zugleich eingebunden wie als Konkurrent ausgeschaltet war. Schon zwei Tage darauf änderte sich die Welt und damit auch die Anforderungen an Politik. Am 27. Februar wurde der erste Corona-Fall in Heinsberg bekannt. Laschets Bundesland wurde zum Epizentrum der Pandemie und ihrer Bekämpfung in Deutschland.

Statt Versöhnung war nun Krisenmanagement gefragt. Doch das Duo Spahn und Laschet gab ein katastrophales Bild ab und unterhöhlte den Glauben an die Führungsfähigkeit der Union weiter. Spahns fortlaufend bestätigtes Missmanagement und Laschets Unfähigkeit zur Kommunikation wurden sprichwörtlich. Dass Laschet trotz vieler Tollpatschigkeiten schließlich doch Vorsitzender der CDU wurde, hat weniger mit ihm zu tun als mit der erneuten Verhinderung von Friedrich Merz. Laschet wird gewählt, damit es niemand anderes wird.

Armin Laschet blockierte die überfällige Debatte um den Kanzlerkandidaten

Nur folgerichtig wäre gewesen, wenn der CDU-Vorsitzende rasch seine Kanzlerkandidatur bekanntgegeben hätte. Stattdessen zögerte Laschet monatelang und blockierte so die überfällige Debatte, wie Deutschland in Zukunft regiert werden soll. Es ist ein Irrglauben, dass Wahlkampf der Pandemiebekämpfung geschadet hätte. Im Gegenteil: Unklare Situationen brauchen Politiker, die kontrovers diskutieren und so die widerstreitenden Meinungen in der Bevölkerung repräsentieren.

Die SPD war jedenfalls längst bereit. Olaf Scholz war unerwartet aus der Kiste gesprungen. Unspektakulär und ohne großes Tamtam wurde der Bundesfinanzminister schon im August Kanzlerkandidat. Doch die CDU scheute die Auseinandersetzung.

Armin Laschet und die Union: Führung geht anders

Wie sehr die Union die Personalfrage verschlafen hatte, zeigte sich vollends, als die Grünen ankündigten, kommende Woche ihre Nummer eins zu nominieren. Jetzt war klar, wie sehr die CDU jedes Gespür für Timing verloren hat. Führung geht anders.

Nahezu panisch mutet es an, dass erst Volker Bouffier ein Machtwort sprechen musste. Es ist nett, wenn Hessens Ministerpräsident seinen CDU-Freund Laschet nun als „außergewöhnlich geeignet“ vorstellt. Die Wahrheit ist, dass es wieder einmal nicht wer anderes werden sollte. In diesem Fall Markus Thomas Theodor Söder, der zwar die besseren Umfragewerte vorweisen kann. Doch ob ein CSU-Kandidat wirklich Chancen hätte, ganz Deutschland zu gewinnen, ist mehr als offen.

Nun wird es also voraussichtlich Armin Laschet. Das ist nichts, worauf sich Deutschland freuen sollte. Scholz und Laschet im Wahlkampf? Zwei Vertreter des alten Establishments sollen glaubwürdig um die politische Zukunft und neue Ideen ringen? Es gibt nur eines, was daran positiv sein wird: Die lähmende Phase der Kandidatensuche der Union wäre endlich vorbei. (Thomas Kaspar)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler / dpa

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