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Traute Zweisamkeit: Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und Karl-Heinz Rummenigge am Spielfeldrand in der Sinsheimer Arena.

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Rummenigge, Hopp und die „Geste des Jahres“ - Ein Schlag ins Gesicht der Fans

  • Melanie Gottschalk
    vonMelanie Gottschalk
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Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp erhalten von der „SportBild“ eine Auszeichnung für die „Geste des Jahres“. Ein Schlag ins Gesicht für die Fans. Ein Kommentar.

  • Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp erhalten von der SportBild die Auszeichnung „Geste des Jahres“
  • Dabei ist die Auszeichnung ein Schlag ins Gesicht für die Fans
  • Viele andere Aktionen hätten die Auszeichnung eher verdient - ein Kommentar

Frankfurt - Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsboss des FC Bayern München, polarisiert mit seinen Aussagen und Gesten wie wohl kaum ein anderer im deutschen Fußball. Kritikerinnen gibt es viele, deren Stimmen immer lauter werden. Mit Meinungen wie „Der Fußball gehört den Fans nicht“ oder „Der FC Bayern hat noch nie einen Spieler mit dem Ziel verpflichtet, einen seiner Konkurrenten zu schwächen“, die Rummenigge erst in dieser Woche getätigt hat, macht er sich nicht unbedingt beliebter.

Große Sportgesten: Sportler setzen Zeichen gegen Rassismus

Für den nächsten Akt kann Rummenigge nur bedingt etwas, was man ihm zugestehen muss. Das Springer-Blatt „SportBild“ hat die „Geste des Jahres“ ausgezeichnet. Auf der Seite des Axel-Springer-Verlags steht übrigens als Begründung zur Preisverleihung aus dem Jahr 2011 geschrieben, dass mit dem Award „herausragende Leistungen und besondere Ideen im Bereich des Sports“ bedacht werden.

Soweit so gut. Große Sportgesten gab es in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 ja schon einige. Da kommen einem direkt die Bilder von dunkelhäutigen Sportlern und Sportlerinnen in den Sinn, die auf Rassismus aufmerksam machen, oder Fußball-Vereine, die in der Corona-Krise mit anpacken und bedürftigen Menschen helfen ... oder, oder, oder.

Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp erhalten Auszeichnung für „Geste des Jahres“

An eine besondere Geste werden viele aber wohl nicht denken, als Karl-Heinz Rummenigge und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp im Spiel des FC Bayern München gegen die TSG Hoffenheim Seite an Seite am Spielfeldrand in der Sinsheimer Arena standen. Es war eine Demonstration einer eher seltsam anmutenden Einigkeit, nachdem Fans des FC Bayern lautstark gegen Hopp gewettert hatten.

Doch ausgerechnet diese Geste von Rummenigge und Hopp wurde jetzt von der „SportBild“ als „Geste des Jahres" ausgewählt. Da dürften sich einige verwundert die Augen reiben. Nein, das ist kein Aprilscherz, das meinen die Verantwortlichen des Springer-Blattes wirklich Ernst.

Auszeichnung für Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp eine Farce

In Zeiten, in denen Sportler und Sportlerinnen auf der ganzen Welt Geldstrafen und Sperren in Kauf nehmen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, kann diese Auszeichnung nur als Farce angesehen werden. Denn die Einigkeit zweier deutscher - millionenschwerer - Fußball-Funktionäre könnte aktuell nicht unwichtiger sein.

Als „Tag der Schande für den deutschen Fußball" bezeichnet die SportBild in ihrem Bericht einleitend die Szenen, die sich am 29.02.2020 in Sinsheim abspielten. Nur wenige Wochen zuvor war Hertha-Profi Jordan Torunarigha im Spiel gegen den FC Schalke 04 Opfer von Rassismus geworden. Ein mutmaßlicher Schalke-Anhänger imitierte im Verlauf der zweiten Halbzeit Affenlaute. Das sind Szenen, die als Schande für den deutschen Fußball bezeichnet werden müssten.

Rummenigge und Hopp erhalten Auszeichnung: Schlag ins Gesicht für alle Fans

Die Proteste gegen Dietmar Hopp waren teilweise drüber, keine Frage, und Rummenigge ließ sich zu Aussagen wie der Fußball habe „seine hässliche Fratze“ gezeigt, hinreißen. Die Fans wurden schon damals in ein schlechtes Licht gerückt - mit der Auszeichnung für Rummenigge und Hopp wird dieses Bild noch verstärkt.

Es ist ein Schlag ins Gesicht für alle Anhänger und Anhängerinnen des deutschen Fußballs, die mit ihrem Protest deutlich machen wollten, dass ihnen der Fußball etwas bedeutet und dass er für sie noch kein seelenloses Geschäft ist. Diese Fans gehen in der Sache als Verlierer vom Platz, während die Fußball-Funktionäre Rummenigge und Hopp offenbar die strahlenden Sieger sind.

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