Windhuk: Ein Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Völkermord.
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Windhuk: Ein Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Völkermord.

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Kolonialmus – für Menschen in Afrika mehr als nur ein historisches Phänomen

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Während man sich in Europa von der Schuld der kolonialen Geschichte weitgehend befreit sieht, leben die Menschen in Afrika bis heute mit den Folgen der Barbarei.

Nirgends unterscheiden sich die Auffassungen von Afrikanern und Europäern stärker als in der Einschätzung des Kolonialismus. Während eine Mehrheit der Europäer die Unterjochung des benachbarten Erdteils lediglich als historisches Phänomen sieht, das mit der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Staaten in den 1960er Jahren beendet wurde, ist der Kolonialismus für Afrikaner noch immer allgegenwärtig.

Er schlägt sich in der anhaltenden Armut ihrer Heimat nieder, deren Bevölkerung zur Hälfte als Sklaven entführt oder getötet wurde, deren Gesellschaftsordnungen die Kolonialisten ausradierten und deren Bodenschätze noch heute größtenteils in andere Regionen der Welt verfrachtet werden. Afrikas Staaten machen noch heute die Auswirkungen der von den Kolonialisten willkürlich gezogenen Grenzen zu schaffen: Die dadurch entstanden ethnische Spannungen führen immer wieder zu Bürgerkriegen. Afrika hat in der globalen Ordnungs- und Handelsstruktur so gut wie nichts zu sagen.

Der Tod von George Floyd zeigt, dass die Auswirkungen des Kolonialismus noch bestehen

Am verheerendsten wirkte sich die Herrschaft der Bleichgesichter auf das Bewusstsein der Afrikaner aus. Die Europäer wussten ihren temporären technologischen Vorteil als ontologische Überlegenheit zu deuten: Dass dieser Wahn heute noch fortlebt, sehen Afrikaner täglich und nicht nur in George Floyds Erstickungstod bestätigt.

Um den Kolonialismus und dessen Auswirkungen zukünftig wieder vermehrt in das Bewusstsein treten, fordert eine Online-Petition Kolonialismus vermehrt in den Geschichtsunterricht zu integrieren. Lehrer sehen die Petition kritisch. (Von Johannes Dietrich)

Die Initiative Frankfurt postkolonial klärt auf, welche Namen von Straßen, Plätzen und Apotheken in Frankfurt in der Kritik stehen und warum.

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