Ein Schild mit der Aufschrift „Stopp! Ab hier ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht!“ steht in der Fußgängerzone der Insel Norderney.
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Der nachlässige Umgang mit den Corona-Hygieneregeln, wie das Nicht-Tragen von einer Mund-Nasen-Bedeckung, ist einer der Gründe für steigende Infektionszahlen.

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Uns gehen die Ausreden aus: Urlaubsrückkehrer sind nur ein Teil des Corona-Übels

  • Michael Bayer
    vonMichael Bayer
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Reiserückkehrer sind nur ein Problem der Corona-Krise, der teilweise nachlässige Umgang mit den Hygieneregeln hierzulande ein anderes.

Frankfurt - Dass sich in Deutschland früher oder später wieder mehr Menschen mit Corona anstecken, war zu erwarten. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen geht auf die 1000 zu. Das ist zwar nur ein Sechstel der Fälle, verglichen mit dem bisherigen Höhepunkt Anfang April. Aber auch schon dreimal mehr als zu den besten Zeiten Mitte Juni.

Beunruhigend ist vor allem der Zeitpunkt des neuerlichen Anstiegs. Seit wir wissen, dass sich das Virus gerne über kleine Tröpfchen in geschlossenen Räumen ausbreitet, erwarteten viele höhere Zahlen erst im Herbst. Dann werden sich Schulen und Büros füllen – und offene Fenster bei sinkenden Außentemperaturen deutlich weniger beliebt.

Corona-Tests für Reiserückkehrer: Neun von zehn Fällen haben ihren Ursprung in Deutschland

Die Politik reagiert – mit einer großangelegten Debatte über den Urlaub. Die Liste der Risikogebiete gerät in den Blick, Corona-Tests für rückkehrende Reisende sind das große Thema. Sicher: Es ist gut, dass wir diese Fragen klären. Sie werden umso wichtiger, je mehr Menschen im Ausland unterwegs sind. Und die Sehnsucht nach privaten Fernreisen wird genauso wachsen wie das Bedürfnis nach persönlichen Geschäftsverhandlungen.

Aber: Aktuell haben neun von zehn Fällen ihren Ursprung nicht im Ausland. Sondern mitten unter uns. Und: Nicht nur die lokalen Großlagen lassen die Kurven steigen; die Zahl der coronafreien Landkreise sinkt. Hier und da und dort gibt es plötzlich wieder Fälle, deren Ursprung offen bleibt. Eine gefährliche Tendenz.

Die zunehmenden Corona-Infektionen schaffen wir schon selbst

Immerhin gehen uns damit die Ausreden aus. Es genügt nicht mehr, auf angeblich verantwortungslose Urlauber zu zeigen, die ihren Corona-Test doch auch gerne selbst bezahlen können. Oder auf Erntehelferinnen und Schlachthofleute, die uns die Statistik verhageln. Die zunehmenden Infektionen schaffen wir schon selbst.

Etwa in Berlin, wo Restaurants eher selten Gästelisten führen und sich Menschentrauben vor Kneipen bilden. Oder in Zügen, wo Reisende nach Hinweisen auf die Maskenpflicht manchmal so unfreundlich reagieren, dass das Bahnpersonal einem Nervenzusammenbruch nahekommt.

Wollen wir einen zweiten Lockdown verhindern, müssen wir unser eigenes Verhalten daran ausrichten – und auch andere überzeugen. Alles andere wäre ein Pokerspiel mit dem Virus. (Michael Bayer)

In Deutschland geht die Sorge vor der zweiten Corona-Welle um. Doch ist sie schon da, oder nicht? Wissenschaftler, Verbände und Politiker sind sich uneins.

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