Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kein Bierzeltmodus für die CDU.
+
Kein Bierzeltmodus für die CDU.

Leitartikel

Kein Bierzeltmodus

  • Daniela Vates
    VonDaniela Vates
    schließen

Die CDU sucht nicht nur einen Vorsitzenden, sondern mit ihm auch ein Profil und Inhalte für die Zeit als Oppositionspartei. Sie sollte bei diesem schwierigen Prozess seriös bleiben. Der Leitartikel.

Eigentlich ist es eine Chance, wenn man neu anfangen kann: alles neu ordnen, Gewissheiten überprüfen, lüften, verstaubte Ecken auskehren, Überflüssiges aussortieren. Vor dieser Aufgabe steht gerade die CDU, die nicht nur Angela Merkel, sondern auch die so lange eingeübte Rolle als Regierungspartei im Bund verloren hat.

Es ist eine Chance, dennoch ist die CDU nicht zu beneiden. Die Niederlage bei der Bundestagswahl hat sie in eine Depression gestürzt. Der Umbruch, der nun begonnen hat, ist der dritte innerhalb weniger Jahre. Und wie sich mehrfach gezeigt hat, kann so etwas auch gehörig schief gehen: Psychokrieg statt Aufbruch – das haut die stärkste Volkspartei um, ganz offenkundig.

Noch steht nicht fest, wer genau das alles wieder gerade rücken soll. Kein Überraschungsstar ist bis zum Ende der Bewerbungsfrist aus der Kulisse getreten, eine Frau wurde am Bühnenzugang zurückgehalten. Wobei das Konzept des Wunderwuzis, wie sich in Österreich anhand des affärengetriebenen Ex-Kanzlers Sebastian Kurz gezeigt hat, zwar zunächst durchschlagend sein kann, aber nicht unbedingt nachhaltig trägt.

Drei Männer bewerben sich um die CDU-Renovierungs-Aufsicht, die schon seit Jahren bis Jahrzehnten durch die Partei tigern: Helge Braun, in diversen Funktionen Mitglied der Regierung von Angela Merkel. Norbert Röttgen, den Merkel mal als Minister rausgeschmissen hat und den die Nordrhein-Westfalen nicht als Ministerpräsidenten wollten. Friedrich Merz, der vor 20 Jahren schon mal Opposition geübt hat als damaliger Fraktionschef und mittlerweile ein Abo hat auf Vorsitzkandidaturen.

Das Besondere an dieser Runde ist nicht nur, dass die CDU nun plötzlich die Basisdemokratie entdeckt und die Mitglieder entscheiden lässt. Das Besondere ist, dass plötzlich alle den Team-Gedanken zumindest im Munde führen. Das hat zuweilen schräge Auswüchse, wie wenn Merz mal eben sämtliche möglichen Kandidaten für den Vize-Vorsitz für sich vereinnahmt, obwohl die im Zweifel unabhängig davon antreten, welcher Name an der Cheftür steht. Aber es scheint mittlerweile verstanden: Als Held nur eines Teils der Partei kommt nach der Siegerehrung ein Spießrutenlauf. Es hat also schon einen Grund, wenn Merz beteuert, es werde mit ihm keinen Rechtsruck der Partei geben: Er müsste ja auch die mitnehmen, die genau das befürchten.

Im Warten auf den neuen Chef macht die Union die ersten Schritte als Oppositionspartei. Von Eleganz oder konstruktiver Arbeit ist dabei bislang wenig zu merken. In ungelenker Brachialität wehrte man sich gegen Coronapläne der werdenden Ampel-Koalition. Diese umzutaufen in „Links-Gelb“, bewusst abfällig-polemisch gemeint, zeigt, was die größte Herausforderung sein wird für CDU wie CSU: deutlich werden ohne die Contenance zu verlieren und damit die Seriosität. Der Wunsch nach klarer Kante ist nach den kompromissträchtigen Regierungszeiten verständlich, er sollte aber inhaltliches Profil zur Folge haben, nicht einen 24/7-Bierzeltmodus.

Und da hat die CDU an vielen Punkten Klärungsbedarf: Sie hat kein Rentenkonzept und keines für die Pflege, das Klima-Programm ist übersichtlich, der Streit um die Migrationspolitik nur vordergründig gelöst, genauso wie der um die Frauenquote. Sie hat sich in vielen Feldern, Beispiel Mieten, Armut, Bundeswehr in Stanzen gerettet und im Wahlprogramm Schwierigkeiten ausgeklammert.

SPD, Grüne und FDP werden voraussichtlich kommende Woche ihren Koalitionsvertrag vorlegen. Anfang Dezember soll die Regierung vereidigt werden. Die CDU wird da immer noch auf ihren neuen Chef warten. Und ob dann wirklich gelüftet wird, ist offen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare