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Die Junge Union setzte am Mittwochabend ein fragwürdiges Facebook-Posting ab
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Die Junge Union setzte am Mittwochabend ein fragwürdiges Facebook-Posting ab.

Kommentar

Junge Union mit Holocaust-Relativierung: Genderstern als Judenstern

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Einfach widerlich oder einfach geschichtsvergessen? Die Junge Union betreibt auf Facebook Holocaust-Relativierung. Ein Kommentar.

Wer die Social-Media-Auftritte der Jungen Union (JU) kennt, weiß: Immer ein bisschen drüber ist das Motto. Klar, die jungen Konservativen können auch noch ein bisschen zugespitzter, frecher, wilder formulieren, als ihre zur absoluten Seriosität verpflichteten Parteikolleg:innen von der großen Schwester.

Die Junge Union ist mit ihrem Social Media-Auftritt aber schon mehrfach negativ aufgefallen. Erst vor drei Wochen nannte der Landesvorsitzende der Jungen Union Rheinland-Pfalz, Jens Münster, Karl Lauterbach auf Twitter einen „überbewerteten Dummschwätzer“. Sein Vergehen? Er hatte sich positiv zu Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ geäußert. Zwar entschuldigte sich Münster später, professionell ist diese Entgleisung aber dennoch nicht.

Junge Union mit Holocaust-Relativierung: Zwang zum Stern

Am Mittwochabend postete die Junge Union auf Facebook und Instagram nun ein Sharepic zum Thema Gendern, denn das mag man bei der Jungen Union gar nicht. Der Text auf dem Bild einer Frau im grauen Pulli lautet: „Die Freiheit des Denkens stirbt mit dem Zwang zum Stern.“

Besonders subtil ist es nicht: Hier wird der Genderstern von der Jungen Union wohl gedanklich in die Richtung des Judensterns gerückt, ein Symbol, das im Nationalsozialismus genutzt wurde, um Jüd:innen im öffentlichen Raum als minderwertig zu brandmarken. Die Message ist klar: Wir haben mit dem Genderstern in den Augen der Jungen Union einen Zwang zum Stern, wie damals die Jüd:innen im Nationalsozialismus.

Damit geschieht eine Abwertung und Verharmlosung des Leides der jüdischen Bevölkerung - es ist Holocaust-Relativierung der schlimmsten Sorte. Die JU vergleicht den Zwang, einen Judenstern zu tragen, der auf den Versuch der Vernichtung eines ganzen Volkes hinauslaufen sollte, mit einer sprachlichen Weiterentwicklung, die den jungen Konservativen nicht gefällt. Sie behaupten somit eine moralische Gleichwertigkeit mit der Vernichtung von Jüd:innen - und das ist mehr als nur daneben.

Junge Union löscht schließlich den Post

Um die Brisanz der Assoziation weiß man bei der Jungen Union mit Sicherheit. Denn genau darum geht es schließlich: den kleinen Denkschubser in Richtung extremer Freiheitsgefährdung. Daher lässt das Posting auch genau soviel Raum, dass man alles als Versehen abstreiten und sich dumm stellen kann. Frei nach dem Motto: War doch so gar nicht gemeint. Ist halt auch ein Stern. Die Junge Union verteidigt sich auf Twitter: „Zu dieser Grafik gehört ein (Posting)Text. Dieser hilft auch bei der Interpretation - so wie hier wird das Thema aus dem Kontext gerissen.“ Und: „Jeder, der jetzt der JU Antisemitismus kokettiert, hat kein Interesse an der sachlichen Auseinandersetzung.“

Die Kritik wurde der JU am Mittwochabend dann wohl doch zu heikel - sie löschte schließlich den ursprünglichen Beitrag auf Instagram und Facebook und ersetzte ihn durch eine andere Variante: „Die Freiheit des Denkens stirbt mit dem Zwang zum Genderstern.“ Wenn es um die Klarheit einer gegen Gendern gerichteten Message gegangen wäre, wäre die zweite Variante die offensichtlich bessere Wahl gewesen. Dies schürt weiter den Verdacht, dass die erste Variante bewusst provokativ mit Holocaust-Assoziation gewählt worden war.

Kein Zufall, dass die Junge Union das Thema Gendern auswählt

Übrigens: Selbst wenn man annimmt, dass das Posting keinen bewussten Holocaust-Bezug hat, steht die Junge Union als völlig geschichtsvergessen da. Und das ist nicht mehr nur peinlich - das ist für eine junge politische Organisation höchst bedenklich.

Es wird kein Zufall sein, dass die Junge Union das Thema Gendern ausgerechnet jetzt Mal wieder groß machen will: Während die große Schwester sich mit Maskenaffäre und Aserbaidschan-Connection rumschlägt, sind Corona- und Energiethemen zurzeit eher schwierig. Man dachte wohl, diese Ablenkung in Richtung Genderstern und Freiheit könnte genau das Richtige sein.

Mit dem Skandal wird die Junge Union CDU und CSU das Leben noch etwas schwerer machen. Ein solcher Vergleich, der den Holocaust relativiert, der das Leid von Jüd:innen verharmlost, erhärtet die These, dass der gesamten Union, jung und alt, grundsätzlich der moralische Kompass verlorengegangen ist.(Sonja Thomaser)

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