1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare

Radikale dominieren

Erstellt:

Von: Maria Sterkl

Kommentare

Designierter Regierungschef Netanjahu: Ärzt:innen, Notar:innen, Vermieter:innen dürfen bald ungebremst diskriminieren.
Designierter Regierungschef Netanjahu: Ärzt:innen, Notar:innen, Vermieter:innen dürfen bald ungebremst diskriminieren. © Ilia Yefimovich/dpa

Jene Kräfte, die Israel nun politisch gestalten, vertreten die Interessen einer radikalisierten Minderheit. Es ist die Mehrheit, die darunter leidet. Der Kommentar.

Wer in Israel nicht fromm, männlich, heterosexuell und jüdisch ist, hat einige Gründe, sich künftig weniger sicher zu fühlen als zuvor. Die, die sie bedrohen, sitzen bald in Israels Regierung. Diese Regierung hat sich all jenen Ärzt:innen, Notar:innen, Vermieter:innen und generell Geschäftsleuten verschrieben, die ihre Kundschaft gerne ungebremst diskriminieren möchten.

Bisher waren Israelis vor einer Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit geschützt. Die künftig mitregierenden religiösen Zionisten halten das für eine unzumutbare Einschränkung der Religionsfreiheit. Sie wollen Ärzt:innen die Wahl überlassen, wen sie nicht behandeln, weil es ihrer religiösen Auffassung widerspricht: Die unverheiratete Frau, die schwanger werden möchte, die Verheiratete, die nach dem dritten Kind dem Gebären ein Ende setzen möchte, der schwule Mann mit dem Bandscheibenvorfall, die lesbische Frau mit Bänderriss – sie müssen sich von einer Regierungspartei sagen lassen, dass ihre bloße Identität angeblich die „religiösen Gefühle“ mancher Ärzt:innen zu verletzen droht. Jene Kräfte, die Israel nun politisch gestalten, vertreten die Interessen einer radikalisierten Minderheit. Es ist die Mehrheit, die darunter leidet.

Auch interessant

Kommentare