Libysche Pathologen öffnen Massengräber im vormaligen Kampfgebiet bei Tripolis.
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Libysche Pathologen öffnen Massengräber im vormaligen Kampfgebiet bei Tripolis.

Geflüchtete

Ignorierter Skandal

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Deutschland und die anderen EU-Staaten kann und muss mehr tun, damit nicht so viele Menschen auf der Flucht durch afrikanische Staaten sterben. Der Kommentar.

Wer ein Problem nicht lösen kann oder will, gewöhnt sich manchmal daran – so machen es große Teile von Politik und Öffentlichkeit in Deutschland und Europa mit dem Flüchtlingssterben im Mittelmeer. Die zweite Möglichkeit: Augen zu. So geschieht es oft mit dem Flüchtlingssterben in der Sahara.

Es ist gut, dass das UN-Flüchtlingskommissariat den Blick auf die für Tausende tödlichen Flucht-routen in Afrika lenkt. Auch auf Libyen, wo viele derjenigen, die es durch die Sahara schaffen, dann mit deutscher Unterstützung von der Küstenwache abgefangen und in üble Lager gesperrt werden.

Wer mit den Betroffenen fühlt, sollte es nicht beim Mitleid belassen. Sie sind nicht nur Opfer der Verhältnisse in den Ländern, die sie verlassen. Sie sind auch Opfer einer europäischen Politik, die die Durchgangsländer gegen Entwicklungsgeld zu „Türstehern“ (Pro Asyl) macht, damit es möglichst wenige bis zu uns schaffen. Von einem Flüchtlingsbetreuer aus dem Niger ist der Satz überliefert: „Erst ohrfeigen sie sie und dann wollen sie sie trösten.“ Der Skandal ist uns näher, als wir manchmal denken.

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