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Hausaufgabe für die Ferien: Schulen müssen digitaler werden

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Von: Sandra Busch

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Digitaler Unterricht in Schulen und zu Hause: Corona hat dem Datenschutz ein neues großes Problemfeld beschert.
Seit Beginn der Pandemie gibt es verstärkt den Ruf nach digital arbeitenden Schulen. © Marijan Murat/dpa

Schule ist auch nach drei Jahren Pandemie noch weit vom digitalen Lernen entfernt. Das muss sich ändern – in einem Prozess, der alle mitnimmt. Der Leitartikel.

Das Schuljahr ist zu Ende, in Hessen wie den meisten Bundesländern, Corona aber ist noch längst nicht vorbei. Es war das dritte Corona-Schuljahr, und seit Beginn der Pandemie gibt es verstärkt den Ruf nach digital arbeitenden Schulen.

Eine schnellere und durchdachte Digitalisierung wäre wünschenswert. Aber Eltern, Schülerinnen und Schüler werden Geduld haben müssen. Schulen sind Tanker. Die wendet man nicht so schnell.

Das macht sich an vielen Dingen bemerkbar, bei denen Entwicklung in der Gesellschaft nicht ernst genommen oder schlicht ignoriert wird. Es geht damit los, dass Schulen immer noch um acht Uhr beginnen, obwohl Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagen, das sei zu früh. Das geht damit weiter, dass es in ganz Hessen gerade einmal zwölf Schulen gibt, die das neue Schulfach zur digitalen Bildung „Digitale Welt“ ab nächstem Schuljahr erproben werden – im Unterricht soll es etwa darum gehen, wie digitale Technologien zur Lösung sozialer, ökonomischer und ökologischer Problemstellungen beitragen können. Insofern ist es unrealistisch, dass Schulen nach dem Sommer wirklich digital arbeiten. Es fehlen die Voraussetzungen.

In Frankfurt werden derzeit die Schulen mit WLAN ausgestattet. Bis Ende des Jahres sollen nahezu alle hessischen Schulen ans schnelle Netz angebunden sein, die Frankfurter Schulen mobiles Internet haben. Doch damit gibt es noch lange keinen digitalen Unterricht. Dafür müssen die Lehrkräfte für diese Art von Unterricht aus- und fortgebildet werden. Denn all die digitalen Medien müssen in einen pädagogischen Kontext gesetzt werden. Und viele Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich technisch überfordert mit dem Einsatz digitaler Medien im Unterricht.

Die Pandemie hat gelehrt, dass die Schulen noch lange nicht weit genug sind bei der Digitalisierung. Spät wurde das digitale Zeitalter begonnen – keineswegs nur in Hessen, sondern in der ganzen Republik. Doch die Digitalisierung kann auch nicht übers Knie gebrochen werden.

Digitales Lernen darf einer Schule nicht einfach übergestülpt werden. Das ist mit einem Prozess verbunden, den man diskutieren muss. Denn so ohne weiteres ist es nicht zu verstehen, dass Kinder, die daheim schon genug am Handy und Computer machen, auch vor dem Bildschirm lernen sollen. Sollen aus zwei, drei, vier Stunden Bildschirmzeit pro Tag dann zehn, elf, zwölf Stunden werden?

Handys und Tablets sind aus dem Alltag der allermeisten Schülerinnen und Schüler kaum mehr wegzudenken. Dadurch ist bei ihnen auch ein höheres Interesse vorhanden, sie im Unterricht zu nutzen. Zudem können Unterrichtsinhalte individuell angepasst werden und Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Lernständen abgeholt werden, damit sie dem Unterricht leichter folgen. Das ist gerade im Hinblick auf die anderen Herausforderungen, vor denen Schulen stehen, ein Vorteil. Etwa bei Inklusion und Integration.

Auch wenn in der Corona-Krise – gezwungenermaßen – Schritte zur Digitalisierung von Schulen gegangen wurden, so ist Schule immer noch weit vom digitalen Lernen entfernt. Das beinhaltet schließlich mehr als das Abhalten von Videokonferenzen und Hochladen von Arbeitsblättern. So war es jedoch in der Pandemie, und es ist zu befürchten, dass es wieder so kommt, sollte es erneut Einschränkungen wegen Corona geben. Dabei ist schon einiges an Lernstoff liegengeblieben. Das wird für das nächste Schuljahr bedeuten: aufholen, Lücken schließen. Das gilt nicht nur beim Lernstoff, sondern auch beim sozialen Miteinander. Es gibt Förderprogramme von Bund und Land, etwa für das Lernen in den Ferien. Doch sie erreichen längst nicht alle Schülerinnen und Schüler. Die Verbesserungen müssen in den Schulalltag integriert sein, verbunden mit mehr Personal, um in kleinen Gruppen zu lernen.

Bei der Digitalisierung muss ein Prozess angestoßen werden, an dem alle Beteiligten sich einbringen können und müssen. Worum es nun gehen muss, sind kreative Lösungen, damit wirklich alle Kinder am Unterricht teilnehmen können. Auch Kinder aus Schattenfamilien: Kinder aus Familien, in denen Eltern sich und ihre Kinder aufgrund von Vorerkrankungen schützen müssen und deshalb isolieren; Kinder, die seit zweieinhalb Jahren kein Klassenzimmer mehr gesehen haben. Es gilt, Lösungen zu finden, wie sie erreicht und gefördert werden können. Auch digitale Lösungen. Wenn das im neuen Schuljahr klappt, dann ist schon viel gewonnen.

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