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Grotesker Schauprozess

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Von: Peter Rutkowski

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Burmesische Demonstranten halten Porträts der festgesetzten myanmarischen Regierungschefin Suu Kyi und zeigen den symbolischen Drei-Finger-Gruß. Sie protestieren gegen das Militärregime in Myanmar. (Archivbild 2021)
Burmesische Demonstranten halten Porträts der festgesetzten myanmarischen Regierungschefin Suu Kyi und zeigen den symbolischen Drei-Finger-Gruß. Sie protestieren gegen das Militärregime in Myanmar. (Archivbild 2021) © Daniel Ceng Shou-Yi/dpa

Die Junta in Myanmar verurteilt die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi erneut. Sie will damit ein Symbol für Freiheit eliminieren. Der Kommentar.

Dies vorweg: Niemand, der in Myanmar politisch agiert, tut dies schuldlos. Auch ein Friedensnobelpreis schützt nicht vor blutigen Flecken auf einer propagierten weißen Weste – man erinnere sich des Genozids an den Rohingya. Das akute Problem von Aung San Suu Kyi aber ist, dass sie der Junta als Symbol dient.

Eine 77-Jährige, die schon für 20 Jahre im Gefängnis sitzen soll, bekommt in einem weiteren grotesken Schauprozess nochmal drei Jahre dazu. Das ist Justiz-Mathematik der übelsten Sorte: Sollte Suu Kyi ihre erste Haftstrafe überleben, wäre sie mit 97 wieder auf freiem Fuß. Nun also mit 100. So lange kann niemand in einem von einer mörderischen Junta kontrollierten Knast überleben.

Diese Junta will aber gar nicht Suu Kyi töten. Sie will das Symbol eliminieren. Myanmar vergeht längst in einem quälend langsamen Bürgerkrieg. Demokratie mit einer gewählten Premierministerin wird es nicht mehr geben – das sollen die nun verhängten drei Jahre festschreiben. Und so handelt das Militär für sich konsequent – und unmenschlich –, wenn es ein Symbol der Freiheit bis zu dessen Tod wegsperrt.

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