Atommüll ist so gefährlich, dass er am bundesweit sichersten Standort untergebracht werden muss. Gorleben war und ist das nicht.
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Atommüll ist so gefährlich, dass er am bundesweit sichersten Standort untergebracht werden muss. Gorleben war und ist das nicht.

Kernenergie

Gorleben ist als Endlager raus - Doch wohin soll der Atommüll stattdessen?

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Die Endlagersuche für Atommüll ist in vollem Gange. Mögliche Orte und Optionen gibt es viele.

  • Gorleben soll nicht mehr als Endlager in Frage kommen.
  • Die Suche nach einer Alternative für den Atommüll gestaltet sich schwierig.
  • Mit Protest gegen das Endlager ist weiter zu rechnen.

Gorleben - Gorleben ist draußen. Endlich ist die größte Fehlentscheidung in der deutschen Atommüll-Politik korrigiert worden. Volle 43 Jahre hat es gedauert. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat den Standort im Wendland von der Karte möglicher Regionen genommen, in denen 1900 Castoren mit hoch strahlendem Müll untergebracht werden sollen. Damit haben sich über vier Jahrzehnte unermüdlicher Protest und Kampf der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg und anderer Atomgegnerinnen und -gegner ausgezahlt. Ihnen gebührt Dank – und eigentlich auch eine Wiedergutmachung. Sie haben der politischen Kultur der Bundesrepublik einen Dienst erwiesen.

Der heiße Atommüll, abgebrannte Brennelemente aus den AKW und Abfälle aus der Wiederaufarbeitung, sind so gefährlich, dass sie am bundesweit sichersten Standort untergebracht werden müssen. Gorleben war und ist das nicht. Niedersachsens damaliger CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht hatte 1977 das Dorf im Wendland für ein nationales „Nukleares Entsorgungszentrum“ bestimmt, gelegen im toten Winkel nahe der damaligen Zonengrenze.

Gorleben wird nicht das Endlager für Atommüll

Eine rein politische Entscheidung, andere Salzstöcke waren laut der geologischen Untersuchungen besser geeignet als der unter Gorleben. Doch Albrecht deutete den Ort aus. Er hoffte, in der dünn besiedelten Region werde es keinen nennenswerten Protest geben. Ein fataler Fehlschluss. Selten hat ein Politiker mit einer so wichtigen Entscheidung so weit danebengelegen.

Schon lange gilt Gorleben wegen dieser Vorgeschichte als „politisch verbrannt“. Immer wieder wurde der Ruf laut, den Standort auszuschließen und das dortige „Erkundungsbergwerk“ dichtzumachen, das satte zwei Milliarden Euro gekostet hat. Das wäre zu rechtfertigen gewesen – und hätte viel zur Befriedung der Atomdebatte beigetragen.

Gelegenheiten waren da, zuletzt bei der Verabschiedung des neuen Endlagersuchgesetzes 2013. Doch das wurde verpasst. Die Politik, von Union bis Grüne, traute sich nicht, der Druck der Stromkonzerne war zu groß. Die hatten den Großteil des Geldes bezahlt und wollten an der Chimäre Gorleben als „Entsorgungsnachweis“ festhalten.

Dass Gorleben erst jetzt herausgefallen ist, hat auch sein Gutes. Es geschah aufgrund wissenschaftlicher Kriterien im neu gestarteten Auswahlverfahren, nachvollziehbar, in einem offenen Prozess. Letzten Endes ist die fachliche Kritik der Atomgegnerinnen und -gegner an der Eignung des Salzstocks bestätigt worden. Niemand kann nun sagen, das Gorleben-Aus sei politisch verordnet.

Standort des Endlagers: Wohin mit dem Atommüll?

Doch nun folgt der zweite, viel schwierigere Teil der Operation Endlagersuche 2.0. Die alten Fehler sollen sich nicht wiederholen. Nur fachliche Erwägungen sollen unter breiter Bürgerbeteiligung zum Ziel führen - zu dem einen Standort, der den Atommüll für die unglaubliche Zeit von einer Million Jahre von der Biosphäre abschottet.

Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass neue Protestdörfer entstehen. Mit den definierten 90 Regionen fast quer durch die Republik, die für ein Endlager infrage kommen, ist keine Vorfestlegung verbunden. Über die Hälfte der Fläche Deutschlands gilt als potenzielles Endlagergebiet. Salzstöcke in Niedersachsen kommen infrage, Granitformationen in Bayern, Tonschichten in Baden-Württemberg - auch in den neuen Ländern.

Doch so wird es nicht bleiben. In den nächsten Jahren wird der Kreis der möglichen Standorte nach und nach verkleinert, indem weitere Kriterien berücksichtigt werden, etwa die Bevölkerungsdichte. Dann wird die Debatte in den jeweiligen Regionen heiß laufen. Damit kein neues Gorleben entsteht, müssen Politiker und Endlager-Fachleute alles tun, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Objektivität des Suchprozesses zu stärken.

Bayern erteilt keine grundsätzliche Absage zum Atommüll-Endlager

Ausgerechnet das Land Bayern, das republikweit für am meisten Atommüll verantwortlich ist, hat bis zuletzt quergeschossen. Es pochte darauf, dass der Untergrund im Freistaat nicht geeignet sei, und stellte damit das Prinzip der „weißen Landkarte“ infrage, auf der vorerst jeder Ort infrage kommt. Regierungschef Markus Söder hat dieses Nein nun abgemildert. Sonst wäre der Suchprozess belastet gewesen. Stimmt zudem das Argument, hat Bayern nichts zu befürchten. Dann fliegen bayerische Regionen wie jetzt Gorleben sowieso wieder hinaus.

Doch auch die geplante Beteiligung der Öffentlichkeit bei den nächsten Auswahlschritten muss verbessert werden. Die Anti-Atom-Bewegung fordert vom Bund, die nun anstehende öffentliche „Fachkonferenz Teilgebiete“ länger als nur bis zum Juni tagen zu lassen sowie finanzielle Mittel für unabhängige Expertisen bereitzustellen, um die offiziellen Daten überprüfen zu können. Beides wäre sinnvoll.

Auf ein Jahr kommt es angesichts der avisierten Inbetriebnahme des Endlagers um 2050 nicht an. Und auf ein paar Hunderttausend Euro angesichts der 170 Milliarden, auf die die Gesamtkosten des Projekts geschätzt werden, auch nicht. (Von Joachim Wille)

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