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Gewalt ist nie privat

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Von: Tatjana Coerschulte

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Eine von vielen nötigen Maßnahmen: die Polizei schulen.
Eine von vielen nötigen Maßnahmen: die Polizei schulen. © Marijan Murat/dpa

Mit der Istanbul-Konvention sollte sich Deutschland also nicht nur schmücken, sondern sie endlich ernst nehmen.

Die Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen nur zu unterschreiben reicht nicht, man sollte sie auch umsetzen: Dieser Rüffel des Europarats für Deutschland ist unmissverständlich und peinlich.

Es fehlt in unserem Land an einem System, das Gewalt gegen Frauen früh zu erkennen hilft, und an Anlaufstellen für die Betroffenen. Das ist ein Versagen der Politik, aber auch Ergebnis einer Behördenmentalität, die Gewalt gegen Frauen noch immer als Privatproblem abtut. Der Begriff „häusliche Gewalt“ gehört ebenso wie „Beziehungstat“ in die Mottenkiste deutscher Ämter. Beide legen nahe, dass sich dieses Problem „nur“ in einem privaten Umfeld abspielt. Gewalt ist aber nie privat. Ihre Folgen werden von der Allgemeinheit getragen, auch finanziell.

Mit der Istanbul-Konvention sollte sich Deutschland also nicht nur schmücken, sondern sie endlich ernst nehmen. Bund und Länder müssen Geld bewilligen, Polizei, Jugendämter und Familiengerichte schulen, Schutzwohnungen schaffen und Vernetzungen von Behörden aufbauen - und am besten sofort damit anfangen.

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