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Emmanuel Macron: Geschwächter Sieger

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Von: Stefan Brändle

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Mit 58,55 Prozent der Stimmen kann Emmanuel Macron die Stichwahl für sich entscheiden.
Mit 58,55 Prozent der Stimmen kann Emmanuel Macron die Stichwahl für sich entscheiden. © Christophe Ena/dpa

In Frankreich siegt die Vernunft. Macron bleibt Präsident - doch die Opposition gegen ihn geht gestärkt aus der Präsidentenwahl hervor. Der Kommentar.

Die Vernunft hat gesiegt. Weit über Frankreich hinaus herrscht Erleichterung, dass Amtsinhaber Emmanuel Macron in diesen unsicheren Zeiten wiedergewählt wurde. Oder genauer gesagt, dass die Nationalistin Marine Le Pen nicht gewählt wurde. Nicht auszudenken, was im Fall ihres Wahlsieges geschehen wäre.

Ein Triumph für den Sieger ist das Wahlresultat, so klar es scheint, aber keineswegs. Viele Französinnen und Franzosen gaben Macron ihre Stimme nur, um Le Pen zu verhindern. Macron geht geschwächt in sein zweites Mandat. Schon das erste war von Gelbwesten- und Rentenprotesten geprägt, von Covid und dem Ukraine-Krieg überschattet.

Paradoxerweise geht die Opposition gegen Macron gestärkt aus der Präsidentenwahl hervor: Die diversen Vertreter:innen der extremen Rechten und Linken kamen im – politisch aussagekräftigen – ersten Wahlgang auf über die Hälfte der Stimmen. Sie werden den unpopulären Staatschef nun in die Zange nehmen.

Fazit der Abstimmung: Ein moderater, proeuropäischer Präsident hat gesiegt; den Ton werden aber nationalistische und radikale Stimmen angeben. Keine guten Aussichten. Marine Le Pen und Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon werden alsbald zum sozialen Aufstand gegen Macron blasen. Es wird eine raue Partie.

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