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Geld und Liebe

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Von: Daniel Kothenschulte

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Eingerahmt von Starauftritten wie dem von Tom Cruise (Bild) feiert Cannes das Kino, als hätte es nie eine Pandemie gegeben.
Eingerahmt von Starauftritten wie dem von Tom Cruise (Bild) feiert Cannes das Kino, als hätte es nie eine Pandemie gegeben. © Petros Giannakouris/dpa

Nicht klassische Kinofilme, sondern der Bedarf der Streamingdienste sorgen in der Filmbranche für Aufschwung, weshalb Frankreich Netflix & Co zu Recht auf eine Kinoquote verpflichtet hat. Der Kommentar.

Das Wasser an den aufgeschütteten Stränden ist lau wie immer, doch der Kinobranche steht es bis zum Hals. An so eine Stimmung kann sich in Cannes niemand erinnern. Während Verleiher und Kinobesitzer langsam an der Rückkehr ihres Publikums zweifeln, verdient die Produktionsbranche besser denn je. Doch es sind nicht klassische Kinofilme, die ihre Auftragsbücher füllen, sondern der Programmbedarf der Streamingdienste und Fernsehsender.

In Frankreich hat das Kulturministerium längst reagiert und Netflix & Co. auf eine Kinoquote verpflichtet. In Deutschland tut Claudia Roth das Gegenteil: Sie erhöht die Fördermöglichkeiten für Serienformate, ohne zugleich das Kino zu stärken.

Die Symbolkraft der 75. Cannes-Ausgabe könnte deshalb nicht größer sein: Eingerahmt von den Starauftritten von Tom Cruise und Tom Hanks aus Hollywood feiert es das Kino, als hätte es nie eine Pandemie gegeben. Der Wettbewerb leistete sich zwar einige Aussetzer, endet aber mit wahren Perlen.

Wenn es noch jemand aussprechen müsste, dann wäre sie hier zu finden, die Lehre aus der Kinokrise: Eine reine Wirtschaftsförderung wird uns niemals solche Filmkunst oder die Deutschen zurück auf den roten Teppich bringen. Natürlich braucht man Geld dafür; vor allem aber Liebe.

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