Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zehn Jahre danach

Fukushima: Atomkraftwerke helfen nicht beim Klimaschutz

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
    schließen

Zehn Jahre nach Fukushima hat die Welt keine Zeit mehr für eine Debatte über neue AKW. Der Leitartikel.

Die Fukushima-Katastrophe jährt sich zum zehnten Mal. Es war der zweite Super-GAU in einem Atomkraftwerk, fast genau ein Vierteljahrhundert nach der ersten Katastrophe dieser Art in Tschernobyl. Nicht nur Japan, die halbe Welt wurde in Angst und Schrecken versetzt. Die Tsunami-Folgen auf der Nuklearanlage lieferten dramatische Bilder, wie aus den Horror-Szenarien der AKW-Gegner:innen kopiert: eine Kernschmelze in gleich drei Reaktoren, Wasserstoff-Explosionen in den Anlagen, eine radioaktiv verseuchte Region, dazu völlig mit der Situation überforderte Atommanager:innen und Politiker:innen.

Damals dachten viele: Das ist das Ende der Atomkraft. Verantwortliche Politiker:innen würden sie abwickeln, weil sich ihre Versprechen endgültig als falsch herausgestellt haben: Das „Restrisiko“ kann ganze Landstriche unbewohnbar machen. Der „billige Atomstrom“ ist, siehe die schwierige Suche für Eine-Million-Jahre-Endlager, ein Billionengrab. Und die nukleare „Klimaretterin“ entpuppt sich als Schimäre, weil der Anteil des Atomstroms am weltweiten Elektrizitätsverbrauch kontinuierlich abnimmt.

Zehn Jahre ist der Super-GAU in dem Atomkraftwerk Fukushima her. Dennoch ist das Thema Atomkraft noch nicht vom Tisch.

Fukushima: Atomkraft soll Klima stabilisieren

Alles zutreffend, und doch war Fukushima, wie jeder weiß, nicht das Ende der umstrittenen Energieform. Mehrere europäische Länder beschlossen Ausstiegsfahrpläne, allen voran Deutschland. Die Physiker-Kanzlerin Angela Merkel, die gerade noch die AKW-Laufzeiten verlängert hatte, erkannte: „Das war’s“. Doch noch immer laufen wie damals weltweit rund 440 Reaktoren, vor allem Länder im Osten wie China, Russland und Indien bauen sogar neue Anlagen.

Neuerdings scheinen die Schrecken und die Argumente sogar so stark verblasst, dass die Atomkraft für viele auch in den westlichen Industrieländern wieder salonfähig wird – als Mittel zur Stabilisierung des Weltklimas. Jüngste Variante sind hier die „Small Modular Reactors“, für die unter anderem der Ex-Microsoft-Boss und Philanthrop Bill Gates powert. Obwohl die Mini-Reaktoren zur Serienproduktion bisher primär nur auf dem Papier funktionieren, haben US-Präsident Joe Biden und der britische Premier Boris Johnson sich für sie ausgesprochen.

Klimaschutz nach Fukushima: Atomkraft hilft nicht

Das Hauptproblem ist: Eine neue Debatte über das Für und Wider neuer Reaktoren kostet wertvolle Zeit, die die Welt nicht mehr hat. Der globale Klimaschutz kann nicht warten, bis entweder die klassischen Großreaktoren in der nötigen riesigen Anzahl gebaut wären oder aber die Gatesschen Wundermeiler vom Band laufen könnten – so ihr Konzept überhaupt aufgeht, was noch längst nicht ausgemacht ist. Der CO2-Ausstoß muss bereits in diesem Jahrzehnt drastisch abgesenkt werden. Der Weltklimarat hat ausgerechnet, um das 1,5 bis Zwei-Grad-Erwärmungslimit einzuhalten, um satte 25 bis 50 Prozent. Mit der Methode Atomkraft-Ausbau ist das nicht zu schaffen.

Kritisch bei den herkömmlichen Reaktoren sind neben dem bisher nirgends auf der Welt gelösten Endlager-Problem und der Gefahr nuklearer Proliferation vor allem die hohen Baukosten. Unter dem Strich geht es doch darum, wie viel Reduktion an Treibhausgasen wie schnell pro ausgegebenem Euro, Dollar oder Yen erreicht werden kann. Und beim Bau von Kraftwerken gilt: Hier schneidet die Nuklearenergie inzwischen von allen Alternativen am schlechtesten ab.

Fukushima: Atomkraftwerke ohne Super-GAU-Gefahr? Möglich, aber teuer

Fakt ist: Moderne Atomreaktoren (angeblich) ohne Super-GAU-Gefahr zu bauen, ist horrend teuer und dauert ein Jahrzehnt oder länger. Der neue französische Supermeiler des Typ EPR stellt ein finanzielles und technisches Debakel dar. Die Kosten der beiden ersten dieser AKW in Frankreich und Finnland haben sich auf je zwölf Milliarden Euro mehr als verdreifacht, die Bauzeiten sind bereits um zehn Jahre überschritten. Und ein weiterer EPR kann in Großbritannien nur gebaut werden, weil die Regierung dafür Subventionen in Form von Einspeisevergütungen garantiert, die weit über denen von Windkraft und Solarenergie liegen.

Frankreich und Großbritannien leisten sich diesen Luxus vor allem auch deswegen, weil sie militärische Atommächte mit Zugriff auf Nuklearmaterial bleiben wollen. Dafür setzten sie den Markt außer Kraft. Anderswo in der Welt werden AKW vor allem in autoritär regierten Staaten gebaut, wo Energiefragen erst in zweiter Linie nach Rentabilität entschieden werden.

Fukushima lehrt: Es geht auch ohne Atomkraft

Das eine wie das andere ist nicht zukunftsfähig. Und zum Glück geht es auch ganz anders, dank der erneuerbaren Energien. Sie sind seit 2000 so preiswert geworden, dass sie das Mittel der Wahl darstellen. Und sie können so schnell zugebaut werden, dass manche Expert:innen ein global CO2-freies Stromsystem bereits bis 2030 für möglich halten. Diese Entwicklung macht den großen Unterschied zu der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aus, als die Atomkraft-Euphorie entstand. Und auch zur Zeit nach Tschernobyl, als dringend Alternativen gesucht wurden, aber die Ökoenergien noch zu unausgereift und teuer waren.

Man muss es so knallhart sagen: Jeder in die Atomkraft investierte Euro verschlimmert die Klimakrise, da dieses Geld dann nicht mehr für effizientere Klimaschutz-Optionen zur Verfügung steht. Deswegen: Finger weg davon.

Rubriklistenbild: © HANDOUT

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare