Emmanuel Macron
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Der französische Präsident Emmanuel Macron.

Kommentar

Frankreich braucht einen Marshallplan für die Banlieues

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Wie gefährlich die Vernachlässigung der Vorstädte von Frankreichs Metropolen ist, zeigen die Terroranschläge. Paris muss sich endlich um die jungen Muslime und Musliminnen kümmern. Ein Kommentar.

Durch Frankreich geht ein Ruck. Die Nation wird sich nach den Morden in Nizza und einem Pariser Vorort bewusst, wie gefährlich der „politische Islamismus“ ist. Schätzungen zufolge sind ein Viertel der französischen Muslime und Musliminnen empfänglich für islamistische Thesen. Das ist zu viel – auch wenn die breite Mehrheit gemäßigt lebt und denkt. Verantwortlich für die Radikalisierung ist die Wühl- und Zersetzungsarbeit salafistischer, fremdfinanzierter Organisationen. Sie springen in die Lücke, die der Staat in den Elendsquartieren der Banlieues hinterlassen hat.

Wenn Emmanuel Macron den politischen Islam wirklich bekämpfen will, muss er da ansetzen. Es ist vielleicht die größte Herausforderung der Nation. Notwendig ist ein Marshallplan, der Dutzende von Milliarden kosten wird. Vor allem aber muss Frankreich die jungen Maghrebiner, die für radikale Thesen anfälliger sind als ihre Väter, auf seine Seite ziehen. Um sie muss Frankreich sich kümmern – mit Prinzipien und notfalls der Polizei, aber auch mit Respekt und Verständnis. Bessere Integration, mehr Chancengleichheit bei der Arbeits- und Wohnungssuche: Das ist die Basis für den Sieg gegen islamistische Extremisten.

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