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Wie geht es beim DFB weiter?
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Wie geht es beim DFB weiter? (Archivfoto)

Leitartikel

Der DFB und das Foul der Funktionäre – Fremdschämen für Fortgeschrittene

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der Deutsche Fußball-Bund zankt sich zu dreieinhalb Rücktritten. Und wie geht’s weiter?

Frankfurt – Wenn der Deutsche Fußball-Bund ein Auto wäre, gehörte es auf den Schrottplatz. Aber so ein größter Einzelsportverband der Welt lässt sich natürlich nicht einfach zusammenpressen und entsorgen. An seiner Spitze arbeiten Menschen mit fast 500 Angestellten. Sie sollen im nächsten Jahr gemeinsam in das neue Domizil auf der alten Frankfurter Galopprennbahn umziehen.

Es ist gar nicht lange her, da platzten die Leute in der Führung fast vor Stolz, dass sie so einen 150-Millionen-Euro-Bau in bester Lage gemeinsam gewuppt kriegen. Das Prestigeprojekt nimmt dank fleißiger Bauarbeiter immer hübschere Formen an, derweil sich der DFB in einem maximal hässlichen Zustand befindet. Was einer irritierten Öffentlichkeit gerade im Foulspiel der Funktionäre geboten wird, eignet sich trefflich für einen Fortbildungskurs: Fremdschämen für Fortgeschrittene.

DFB-Sportgericht urteilt über Aussagen von Präsident Fritz Keller

Vier Rücktritte ohne Reue sind inzwischen angekündigt, einer plant, durchs Hintertürchen wieder Einlass zu finden. Am heutigen Freitag wird erst einmal der noch amtierende Präsident Fritz Keller, 64, im Frankfurter Stadtwald erwartet. Die Ethikkammer des DFB-Sportgerichts kommt zusammen, um darüber zu urteilen, wie schlimm es ist, wenn ein Verbandschef seinen Vizepräsidenten mit dem furchtbaren Nazi-Richter Roland Freisler vergleicht. Darf das einem Choleriker auch dann nicht rausrutschen, wenn dieser ansonsten glaubhaft gegen Antisemitismus und Rassismus unterwegs ist? Oder ist eine solche Wutkaskade ein entschuldbarer Aussetzer?

Dem erfahrenen Sportrichter Hans E. Lorenz könnte es am Ende erspart bleiben, über Keller zu richten. Denn dieser hat inzwischen seinen Rückzug aus dem Amt angekündigt. Den Bußgang vors hohe Gericht möchte er sich aber nicht ersparen. Die Sitzung ist nicht-öffentlich. Keller, der 2019 als unbescholtener Mann zum DFB kam, soll damit auch geschützt werden. Er hat auch ohne Schauprozess genug ausgekeilt und genug abgekriegt.

DFB: Mediales Furor konzentriert sich auf Vizepräsident Rainer Koch

Die Männer in der Verbandsspitze haben ihre Lebensqualität seit Monaten leiden lassen. Fast freudvoll wurden immer wieder kompromittierende Bösartigkeiten über die Gegenseite an Medien durchgesteckt. In dem einen Blatt sah dann Präsident Keller aus wie ein Schurke, im anderen der Generalsekretär Friedrich Curtius wie ein Gauner.

Zuletzt konzentrierte sich der mediale Furor auf einen unscheinbar daherkommenden, aber überaus gewieften Mann aus München: Rainer Koch, Multifunktionär, Mitglied im höchsten Rat des Europäischen Verbandes Uefa, Präsident des Bayerischen und Süddeutschen Fußballverbandes, erster Vizepräsident des DFB, Vielflieger mit Senatorkarte, immer unterwegs, immer umtriebig und zielstrebig, extrem fleißig, sehr kommunikativ, seit gefühlten Ewigkeiten Strippen- und Kulissenschieber.

DFL hätte gerne, dass DFB-Vizepräsident Koch das Weite sucht

Die für den Bundesligafußball zuständige Deutsche Fußball-Liga hätte es gern, wenn der lästige Amateurmann Koch schon längst das Weite gesucht hätte. Aber der 62-Jährige ist keiner, der sich so schnell aus dem Sattel heben lässt. Die Präsidenten – Zwanziger, Niersbach, Grindel, Keller – kommen und gehen. Koch bleibt. Als Koch, nicht als Kellner, ganz egal, wer unter ihm als Präsident firmiert. Seine Gegner fürchten, der kompakte Kerl habe sieben Leben. Wenn Keller am Montag wie angekündigt geht, wird Koch zum dritten Mal binnen sechs Jahren Interimsboss. Kellers Vorgänger Grindel glaubt, Koch habe ihn mit listiger Unterstützung eines teuer bezahlten Medienberaters vor zwei Jahren aus dem Amt geschubst. Koch dementiert eifrig. Der DFB-Prüfungausschuss recherchiert.

Aber erst einmal ist Rainer Koch schon wieder derjenige, der den übel beleumundeten Verband in die Zukunft führen soll. Wie ein unbelasteter Neuanfang hört sich das nicht an. Seine Feinde wetzen weiter die Messer, sie fürchten, dass Koch ein Intrigantenstadl orchestriert, das den Verband in Ohnmacht belässt. Seine Fürsprecher sorgen sich, dass der gefräßige Profifußball ohne dessen Widersacher Koch den DFB verschlingt wie einst der Wolf die sieben Geißlein.

Stimmung beim DFB ist mies

Unten an der Basis, wo die Nerven wegen der Pandemie blank liegen, hält sich das Verständnis für die zankenden Granden in engen Strafraumgrenzen. Wenn früher Funktionäre aus der Provinz mit stolzgeschwellter Brust den Ruf aus Frankfurt erhörten und sich in Gremien des Dachverbandes wählen ließen, lehnen viele längst dankend ab. Negativen Imagetransfer benötigt gerade niemand.

Es braucht schon eine Neigung zur Selbstkasteiung, sich ein Leben als neuer DFB-Präsident vorstellen zu können oder gar als Präsidentin des Männerzirkels. Die ersten Amateurvereine rufen zur Urwahl der Basis auf, obwohl das in den Statuten so nicht vorgesehen ist. Ausgang: ungewiss. Stimmung: mies. (Jan Christian Müller)

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