Auf Lesbos schirmt die Polizei eine Ortschaft vor Flüchtlingen ab. Sie demonstrieren für eine menschenwürdige Unterbringung.
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Auf Lesbos schirmt die Polizei eine Ortschaft vor Flüchtlingen ab. Sie demonstrieren für eine menschenwürdige Unterbringung.

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Behandlung von Flüchtlingen auf Lesbos: Ignorant und unmenschlich

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
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Die EU will nur 400 von 13.000 Flüchtlingen von Lesbos bringen und setzt damit die kalkulierte Härte und die scheinheilige Flüchtlingspolitik fort.

Noch tiefer kann die Europäische Union nicht sinken, dachte man nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria und den erschütternden Bildern von erneut flüchtenden Flüchtlingen. Doch dann muss man bitter feststellen: Sie kann. Die Staatsoberhäupter wollen lediglich 400 unbegleitete Minderjährige von den knapp 13.000 Obdachlosen von Lesbos in den EU-Staaten verteilen – unter anderem, weil nur 17 von 27 EU-Staaten sie aufnehmen wollen. Die anderen bekommen Feldbetten und müssen sich teils gegen aufgebrachte griechische Inselbewohner erwehren.

Und das alles, obwohl hierzulande Städten und Gemeinden Hunderte der Hilfesuchenden aufnehmen würden. Und als ob das noch nicht unmenschlich und ignorant genug wäre, bleibt unklar, wann die neuen Unterkünfte für Asylsuchende auf Lesbos gebaut werden sollen.

All jene, die mit dieser Politik abschreckende Bilder produzieren wollten, damit weltweit Flüchtlinge nicht mehr nach Europa kommen, sei gesagt: Die Hilfesuchenden kommen trotzdem. Doch nicht nur die Betroffenen auf Lesbos leiden. Europa als ganzes wird unglaubwürdig. Warum soll noch irgendjemand auf Hinweise oder Forderungen der EU hören, doch bitte die Menschenrechte einzuhalten? (Andreas Schwarzkopf)

Die ehemaligen Bewohner des Lagers Moria protestieren gegen chaotische Zustände. Nun geht die Polizei mit Tränengas gegen sie vor.

Die Taktik von Innenminister Horst Seehofer bringt vielleicht Stimmen aus dem rechten Lager, löst aber nicht die Probleme der Flüchtlinge in Moria. Die Kolumne von Manfred Niekisch.

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