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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) legt bei der Umbettungsstätte für die Opfer der deutschen Massaker Blumen nieder.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) legt bei der Umbettungsstätte für die Opfer der deutschen Massaker Blumen nieder.

Kommentar

Extrem schmaler Grat

  • Ulrich Krökel
    VonUlrich Krökel
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Eine Würdigung des ukrainischen Leids ändert nichts an der deutschen Schuld und an der Verantwortung gegenüber Russland. Ein Kommentar.

Der Bundespräsident hat verstanden. Frank-Walter Steinmeiers Reise zur Gedenkfeier für die NS-Opfer in der Ukraine war weit mehr als eine routinierte erinnerungspolitische Geste. Sie war zugleich das Eingeständnis, einer Fehldeutung der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts ungewollt Vorschub geleistet zu haben.

Noch immer wird hierzulande viel zu wenig beachtet, dass der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion keineswegs nur Russland traf. Vielmehr hatten, gemessen an der Bevölkerung, die Ukraine und Belarus die meisten Toten und die verheerendsten Zerstörungen zu beklagen.

Genau dies ignorierte Steinmeier Anfang des Jahres in einem Interview. Sicher nicht gezielt, aber der Bundespräsident war fahrlässig ungenau. Er mahnte damals, nicht die letzten Brücken zwischen Wladimir Putins Russland und Europa einzureißen, und verwies dabei auf die 20 Millionen Weltkriegstoten in der Sowjetunion. Die Ukraine dagegen, die von Putin seit Jahren mit Krieg überzogen wird, erwähnte er nicht. In Kiew war die Empörung zu Recht groß.

Steinmeier hat seinen Fehler zwar nicht offen benannt. Aber er ist seither in Wort und Tat spürbar bemüht, auf dem extrem schmalen erinnerungspolitischen Grat das Gleichgewicht zu halten. Denn selbstverständlich ändert eine Würdigung des ukrainischen Leids nichts an der deutschen Schuld und an der besonderen Verantwortung gegenüber Russland. So wie das Gedenken an das Massaker von Babyn Jar, dem 1941 Zehntausende Juden zum Opfer fielen, nicht irgendein anderes Leid mindert. Wenn aber Putin, wie kürzlich geschehen, die Menschen in der Ukraine und in Belarus zum „Teil einer großen russischen Nation“ erklärt, dann müssen Deutsche einer solchen Mythenbildung laut widersprechen. Auch das gehört zu unserer historischen Verantwortung.

Das gilt umso mehr, als es Putin bei seiner Umdeutung der Geschichte vor allem um die Geopolitik der Gegenwart geht. Russland hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts einem aggressiven Imperialismus verschrieben, dem Deutschland offen entgegentreten muss. Nicht trotz seiner finsteren Geschichte, sondern genau deswegen. Nicht mit Waffen, auch nicht mit Waffenlieferungen in die Ukraine. Aber der Standpunkt muss glasklar sein.

Ja, wir brauchen einen Dialog mit Russland. Wir müssen im Gespräch bleiben und tun dabei gut daran, auch unsere eigenen Standpunkte immer wieder zu hinterfragen. Das gilt insbesondere für die Rolle der Nato. Aber wir müssen diesen Dialog mit Russland von einem Wertefundament aus führen, das in grundsätzlichen Fragen keine Kompromisse erlaubt.

Die Menschenrechte sind und bleiben universal. Es ist deshalb auch kein Affront gegen Russland, wenn die deutsche Bundesregierung die mutigen Freiheitskämpferinnen in Belarus unterstützt oder sich aktiv für die Selbstbestimmung der Ukrainer einsetzt.

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