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Existenzielle Fragen

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Von: Friederike Meier

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Dürre im Sommer, Hochwasser im Winter. In vielen Teilen der Erde sorgt der Klimawandel dafür, dass die Ausnahme zur Regel wird.
Dürre im Sommer, Hochwasser im Winter. In vielen Teilen der Erde sorgt der Klimawandel dafür, dass die Ausnahme zur Regel wird. © Emilio Morenatti/dpa

Wir müssen über den Klimawandel reden. Und darüber, wie wir ihn stoppen können. Der Leitartikel.

In Deutschland geht es uns noch ziemlich gut. Doch die dramatischen Wetterereignisse werden häufiger und gravierender. Im vergangenen Jahr starben mehr als 180 Menschen nach Überflutungen im Ahrtal und anderswo. An einer Katastrophe, die durch Starkregen ausgelöst wurde, wie er bisher extrem selten vorkam. Durch die Klimakrise ist die Wahrscheinlichkeit allerdings bis zu neunmal wahrscheinlicher geworden.

In diesem Jahr dann ein neuer Rekordsommer, eine Rekordhitzewelle, eine Rekorddürre, eine Rekordkonzentration von CO2 in der Atmosphäre. Löschflugzeuge über der Sächsischen Schweiz, über dem Harz, beliebten Urlaubsgebieten. Zugstrecken mussten wegen Waldbränden gesperrt werden, die Schifffahrt leidet unter niedrigen Wasserständen, Teile von Alpengletschern rutschen ab.

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In den vergangenen Monaten haben die Menschen in Deutschland stärker als je zuvor die Folgen des Klimawandels gespürt. Dabei ist Deutschland wahrlich nicht das am stärksten betroffene Land, eher im Gegenteil. Andere Weltregionen leiden seit Jahren existenziell unter den Folgen des menschengemachten Klimawandels. Die schrecklichen Überflutungen in Pakistan sind nur ein Beispiel dafür, dass die Folgen unübersehbar sind.

Nur wenige Monate vorher hatten Pakistan, Indien und andere Regionen in Südasien unter extremer Hitze gelitten, die durch den Klimawandel 30-mal wahrscheinlicher wurde. Fast gleichzeitig, im Mai, verloren durch Starkregen in Brasilien mindestens 25 000 Menschen ihr Zuhause, mehr als 130 starben.

Trotz dieser offenkundigen Folgen der Klimakrise, die sich schon bei 1,2 Grad globaler Erwärmung im Durchschnitt zeigen, gibt es politische Kräfte, die sie übersehen wollen, die zum Augenverschließen geradezu aufrufen. Der Weltgemeinschaft bleiben nur noch wenige Jahre, um umzusteuern.

Dieser Dringlichkeit ist aktuell weder das Handeln der Politik noch der einzelnen Menschen angemessen. Doch das Handeln Einzelner wird die Klimakrise nicht lösen. Sich auf ihr Handeln zu fokussieren, kann sogar vom Wichtigen ablenken. Der persönliche CO2-Fußabdruck wurde vom Ölkonzern BP bekannt gemacht, wohl um von den horrenden Emissionen des Konzerns abzulenken.

Es geht nicht ohne politische Regeln. Industrieländer und generell Menschen mit hohem Einkommen sind überproportional für die Klimakrise verantwortlich. Der neue Bericht des Club of Rome sagt: Ohne Umverteilung des Reichtums ist die Klimakrise nicht lösbar. Im Bericht des Weltklimarats ist erstmals von Degrowth die Rede, also von Wirtschaftsformen, die das Wohlergehen aller zum Ziel haben und die Grenzen des Planeten achten. Es braucht auch in Deutschland politische Regeln, um aus der Kohle auszusteigen, um den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und Erneuerbare Energien zu fördern.

Der Weltklimarat schreibt: Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Verhaltensänderungen möglich seien. Gerade zu Beginn der Corona-Krise war klar: Alle sprechen darüber, was sie machen, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen. Es gab zumindest in großen Teilen der Gesellschaft das Gefühl: Wir ziehen an einem Strang.

So sollte es auch beim Kampf gegen den Klimawandel sein. Es gibt etwas, was jede und jeder Einzelne tun kann, um den Klimawandel aufzuhalten: Aufmerksam sein für die Herausforderung, darüber im Privaten wie im Beruf sprechen, politisch Druck machen.

Dazu tragen Bürgerinitiativen enorm viel bei, wenn sie sich für bessere Radwege, den Ausstieg ihrer Stadt aus der Kohle oder klimafreundliches Essen einsetzen. Ebenso Aktivistinnen und Aktivisten, die von der Bundesregierung fordern, ihr Handeln endlich am Ziel des Pariser Klimaabkommens auszurichten.

Darüber reden kann andere Menschen motivieren mitzumachen. Auch über unsere Ängste sollten wir sprechen: Angst vor der ungewissen Zukunft, vor Dürre, Ernteausfällen, Überschwemmungen. Eine Frage lautet: Bedenkst Du das Klima bei Lebensentscheidungen? Wir können sie uns selbst stellen und anderen – gerade den Verantwortlichen in der Politik.

Oder, positiv gewendet: Wie können wir klimafreundlich leben und welche Vorteile hat das noch? Es geht um Ideen über den Tag hinaus, um Utopien.

Denn: Die Normalität ist das Problem. Wir müssen uns klar machen: Unser Alltag wird sich durch den Klimawandel ohnehin noch viel stärker verändern, als wir uns das jetzt vorstellen können. Deswegen müssen wir jetzt alles daran setzen, seine schlimmsten Folgen abzuwen den. Es geht schließlich um unsere Lebensgrundlage.

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