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Essen im Müll: Ein Skandal auf vielen Ebenen

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Von: Joachim Wille

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Die Menge des in der EU weggeworfenen Weizens entspricht etwa der Hälfte der ukrainischen Weizenexporte.
Die Menge des in der EU weggeworfenen Weizens entspricht etwa der Hälfte der ukrainischen Weizenexporte. © Julian Stratenschulte/dpa

Zwölf bis 18 Millionen Tonnen gute Lebensmittel landen allein in Deutschland jährlich in der Biotonne oder gar im Müll. Die Ampel muss mit einem Gesetz aktiv werden. Der Kommentar.

Zu gut für die Tonne.“ So heißt eine Kampagne des Bundeslandwirtschaftsministeriums gegen Lebensmittelverschwendung. Gut gemeint, aber nicht durchschlagend. Ob Brot, Gemüse, Joghurt – noch immer landet hierzulande viel Essbares direkt in der Biotonne oder gar im Müll, um dann verbrannt zu werden. Zwölf bis 18 Millionen Tonnen jährlich, so wird geschätzt. Ein Skandal.

Die Folgen sind weitreichend: unnötiger Agrarflächen- und Energieverbrauch, Überdüngung, Versauerung von Böden, Verlust der Artenvielfalt. Zudem wird die Klimakrise verschärft. Noch dramatischer erscheint das, wenn man folgende Rechnung aufmacht: Die Menge des in der EU weggeworfenen Weizens entspricht etwa der Hälfte der ukrainischen Weizenexporte. Sogar Putins perfide Strategie, Weizen als Waffe zu nutzen, könnte also stumpf gemacht werden, wenn weltweit gegen Lebensmittelverschwendung angegangen würde.

Jede:r Einzelne hat hier seine Verantwortung, denn 60 Prozent der Verluste gehen hierzulande auf das Konto der Privathaushalte. Doch auch die Ampel-Regierung muss endlich mit einem Gesetz aktiv werden, das etwa Supermärkten das Wegwerfen von brauchbarem Essen verbietet. Das gibt es in Frankreich bereits seit 2016. Tafeln können dort seitdem auf wesentlich mehr Lebensmittel zurückgreifen.

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