Wer sie als „Polizisten“ bezeichnet, vermittelt ein verzerrtes Bild – und macht Frauen unsichtbar.
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Wer sie als „Polizisten“ bezeichnet, vermittelt ein verzerrtes Bild – und macht Frauen unsichtbar.

Kommentar

Endlich im Bilde

  • Tanja Kokoska
    vonTanja Kokoska
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Insgesamt leben in Deutschland rund 41 Millionen Frauen, rund zwei Millionen mehr als Männer – es ist allerhöchste Zeit, sie auch in unsere Köpfe zu bringen. Der Kommentar.

Zum Einstieg ein kleines Experiment: Was haben Sie spontan vor Augen, wenn Sie das Wort „Insolvenzverwalter“ lesen? Sehen Sie einen Mann? Oder, oh Wunder, doch eine Frau? Herzlichen Glückwunsch, dann sind Sie überaus fantasiebegabt. Und damit ziemlich allein. Studien über Studien haben gezeigt, dass sich Menschen – ob Mann oder Frau – Männer vorstellen, wenn von „Verwaltern“, „Richtern“ oder „Geschäftsführern“ die Rede ist. Sprache hat also massiven Einfluss auf das Bild, das wir uns jeden Tag von der Welt machen.

Würden Frauen beim generischen Maskulinum wirklich mit-gemeint, müsste sich das auch im Kopf widerspiegeln. Das geschieht aber nachweislich nicht. Insgesamt leben in Deutschland rund 41 Millionen Frauen, rund zwei Millionen mehr als Männer – es ist allerhöchste Zeit, sie auch in unsere Köpfe zu bringen.

Juristische Texte mögen die Vorstellungskraft nicht übermäßig anregen. Aber die Initiative des Bundesjustizministeriums, einen Gesetzestext erstmals nahezu vollständig in der weiblichen Form zu verfassen, ist dennoch ein sinnvoller, ja geradezu sinnlicher Schritt, die Fantasie anzuregen. Denn davon, liebe Leserinnen, kann es auf dem holprigen Weg zur Gleichstellung aller Menschen gar nicht genug geben.

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