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Ein Einreiseverbot für russische Reisende käme einer Kollektivstrafe gleich

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Von: Thomas Borchert

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An der finnisch-russischen Grenze reisen vermehrt Menschen aus Russland ein.
An der finnisch-russischen Grenze reisen vermehrt Menschen aus Russland ein. © Alessandro Rampazzo/afp

Ein Einreiseverbot für russische Europa-Reisende führt zu mehr Isolierung. So sehr das in Kriegszeiten richtig erscheint, gerade mit Blick auf Russlands Opposition wäre es der falsche Weg. Der Kommentar.

Mit Finnlands Regierung hat Wolodymyr Selenskyj einen Verbündeten gefunden für seine Forderung nach einem Einreiseverbot für alle Russen in die EU. Wer wollte dem Präsidenten und seinen Landsleuten die dahintersteckende Wut verdenken, wenn die Ukraine in Schutt und Asche gelegt wird und zugleich russische Steuerzahler für diese Aggression entspannt den Louvre bestaunen oder an der Riviera baden.

Genauso ernst aber müssen die EU-Länder die einhellige und eindringliche Warnung der in Russland für Humanität, Menschenrechte und Frieden kämpfenden Oppositionellen nehmen. Sie sehen sich durch Isolierung als Kollektivstrafe mit ihren ohnehin bescheidenen Möglichkeiten auf dem Weg zu nordkoreanischen Verhältnissen. Das kann niemand wollen.

Es war und bleibt richtig, Sanktionen gezielt und hart gegen die Verantwortlichen aus dem Putin-Regime zu richten, die in der Konsequenz auch den russischen Alltag treffen müssen. Der Schritt zur Abstrafung allein wegen nationaler Zugehörigkeit wäre sicher vielerorts populär, aber ohne Aussicht auf positive Wirkung die falsche Richtung.

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