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Kommentar

Donald Trump stürzt Washington ins Chaos: Mob in Washington liefert den Beweis

  • Daniel Dillmann
    vonDaniel Dillmann
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Donald Trump hat die USA endgültig ins Chaos gestürzt. Der Mob, der das Kapitol in Washington stürmt, ist dafür ein eindrucksvoller Beweis. Ein Kommentar.

  • Donald Trump weigert sich, seine Niederlage gegen Joe Biden anzuerkennen.
  • Der abgewählte US-Präsident hält eine Rede in Washington D.C. Im Anschluss stürmen Trump-Fans das Kapitol. Mike Pence muss evakuiert werden.
  • Damit hat Donald Trump die USA endgültig in eine Regierungskrise gestürzt. Ein Kommentar zu den Ereignissen in Washington D.C.

Washington D.C.: Tausende wütende Menschen auf den Treppen des Kapitols. Die Auszählung der Stimmen der Wahlleute, die Joe Biden eigentlich zum nächsten US-Präsidenten machen sollten, muss unterbrochen werden. Polizist:innen mit schussbereiten Waffen, Tränengas wird vorbereitet, um den Mob von den Türen des Regierungsgebäudes fernzuhalten. Das gelingt nicht. Demonstranten dringen in das Gebäude ein, es fallen Schüsse. Szenen, wie sie kaum jemand aus den USA erwartet hätte.

Donald Trump hat sein Ziel erreicht. Nein, er wird nicht US-Präsident bleiben. Selbst sein Vize Mike Pence hat ihm bereits die Gefolgschaft verweigert und erklärt, den gesetzlich geregelten Prozess, der Joe Biden zum 46. Präsident der USA machen wird, nicht zu unterbrechen. Pence hätte gar nicht die Macht dazu, egal wie oft, eindringlich und öffentlich ihn Trump dazu auffordert. Genau das hat der amtierende Machthaber immer wieder getan, zuletzt nur wenige Minuten vor diesen beschämenden Szenen auf den Stufen des Kapitols in Washington D.C.

Ein rechtsradikaler Mob, angefeuert von Donald Trump, rennt durch die Gänge des Kapitols in Washington D.C.

Donald Trump hat die USA in vier Jahren in die schwerste Krise seit Jahrhunderten gestürzt

In nur vier Jahren hat Donald Trump es fertiggebracht, aus der ältesten Demokratie der Welt ein erbärmliches Schauspiel zu machen. Er war es, der den Konflikt angeheizt hat, der die Legitimität der US-Wahl immer wieder infrage gestellt hat. Selbst an diesem Tag, als Trump die Massen aufforderte, friedlich zu bleiben, musste er betonen, dass die Wahl aus seiner Sicht ein Betrug war. Anscheinend kann er nicht anders, der größte und gefährlichste Narzisst unserer Zeit.

Der Schaden, den die USA an dem heutigen Tag nehmen, ist groß. Fotos von rechtsradikalen, grinsenden Demonstranten, die es sich im Büro der Mehrheitsführerin der Demokraten, Nancy Pelosi, gemütlich machen, gehen um die Welt. Abgeordnete, die sich hinter ihren Bänken vor einem Mob verstecken, der mit Baseballschlägern die Scheiben des Kapitols einschlägt. Secret Service Agenten mit gezogenen Handfeuerwaffen. Machtlose Vertreter:innen des Volkes, die in ihrem eigenen Haus - wenn auch nur für ein paar Stunden - die Kontrolle verlieren.

Donald Trump schadet den USA - Wladimir Putin wird es freuen

Für Autokraten auf der ganzen Welt sind diese Bilder eine wahre Freude und Munition im Kampf gegen demokratische Kräfte in ihrem eigenen Land. Ob sie Wladimir Putin heißen, Xi Jinping oder Kim Jong Un, sie alle werden ihren Landsleuten anhand dieser Bilder zeigen, dass die Verteidiger:innen der freien Welt noch nicht mal ihr eigenes Regierungsgebäude beschützen können. Sollten Putin oder sonstige ausländische, antidemokratische Kräfte etwas mit der Wahl Donald Trumps zu tun gehabt haben, dann dürften sie allerspätestens heute der Meinung sein, ihr Ziel erreicht zu haben.

Die Polizei der Hauptstadt der USA war nach eigenen Angaben „zu ausgedünnt“, um dem Mob Einhalt zu gebieten. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass Donald Trump seit Tagen die halbe Nation auffordert, nach Washington D.C. zu kommen und dort für Unruhe zu sorgen. Viele sind seinem Aufruf gefolgt. Am selben Tag, als Kriminelle ins Kapitol eindringen, hat sein ältester Sohn, Donald Trump Junior, faktisch den Bürgerkrieg erklärt. Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass weder er noch sein Vater bereit sein werden, irgendwelche Verantwortung zu übernehmen.

Abgeordnete des US-Kongresses verstecken sich vor den Fans von Donald Trump, die sich Zugang zum Gebäude verschafft haben.

Kaum Polizei in Washington D.C. - auch das liegt an Donald Trump

Es erstaunt aber trotz allem, dass im Sommer letzten Jahres tausende Einsatzkräfte innerhalb kurzer Zeit vor Ort waren. Damals wurden friedliche Demonstrant:innen der „Black Lives Matter“-Bewegung mit Tränengas und Gummigeschossen von der Straße gefegt, um Donald Trump sein legendäres Foto vor der St. John Kirche mit Bibel in der Hand zu ermöglichen. Heute aber waren - bis auf den Wachschutz des Kapitols - zunächst nur einige hundert Polizist:innen mit Fahrradhelmen vor dem Kapitol postiert.

Es dauerte mehrere Stunden, bis Donald Trump die Nationalgarde gegen seine Fans entsandte. Noch länger dauerte es, bis der abgewählte Präsident das Wort ergriff. Er forderte den kriminellen Mob auf, nach Hause zu gehen. Nur um, wie einst den Neonazis in Charlottesville, auch an diesem Tag den rechtsradikalen Antidemokrat:innen seine Zustimmung zu geben. „Wir lieben Euch“, sagte der US-Präsident in Richtung der Kriminellen, die zu diesem Moment von der Nationalgarde zurückgedrängt wurden. Gleichzeitig schreien Rechtsradikale in die Kameras von CNN: „Das ist erst der Anfang.“ (Von Daniel Dillmann)

Rubriklistenbild: © Andrew Harnik / dpa

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