Leitartikel

Der Geschwächte: Donald Trump nicht nur körperlich vom Coronavirus angeschlagen

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
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US-Präsident Donald Trump wird sich politisch nicht so schnell von seiner Krankheit erholen wie physisch. Seine Corona-Infektion wird erhebliche Folgen auf den Wahlkampf haben.

An Corona zu erkranken, kann niemand ernsthaft einem anderen wünschen. Im Gegenteil. Deshalb vorweg: Donald Trump möge möglichst bald gesund werden und Covid-19 schnell und unbeschadet überstehen. Das wird nicht lange dauern.

Der Politiker und US-Präsident Trump hingegen wird sich nicht so schnell von dieser Krankheit erholen. Denn das Virus hat den mächtigsten Mann der Welt nicht nur physisch geschwächt. Der winzige Krankheitserreger lässt jenen Mann verletzbar und schwach erscheinen, zu dessen Markenkern es gehört, stark zu sein. Er selbst scheint sich für so unverwundbar gehalten zu haben, dass er es nicht für nötig befand, vorsorglich etwa eine Maske zu tragen.

Eine Trump-Unterstützerin betet für die Genesung von Donald Trump, nach dessen Infektion mit dem Coronavirus.

Donald Trump mit Corona infiziert: Die Folgen werden den US-Präsidenten noch lange beschäfitgen

Aber vor allem hat das Virus Trumps Pandemie-Politik für jeden sichtbar ad absurdum geführt. Trump kann nicht mehr glaubhaft behaupten, die Pandemie sei harmlos, wenn er sich selbst erkrankte. Er kann auch wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr anzweifeln. Und es wird für ihn nahezu unmöglich sein zu ignorieren, dass seit Februar rund sieben Millionen US-Amerikanerinnen und -Amerikaner positiv auf das Coronavirus getestet wurden und mehr als 200.000 starben. Außerdem kann er sich nicht mehr über Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus hinwegsetzen.

Mit anderen Worten: Trump und sein Stab werden sich eine andere Strategie zur Bekämpfung der Pandemie einfallen lassen müssen. Selbst einige seiner Anhängerinnen und Anhänger fingen an zu zweifeln, ob dessen Krisenmanagement wirklich angemessen ist.

Die weiteren Folgen seiner Erkrankung werden Trump zudem mehr beschäftigen als ihm lieb sein dürfte. Davon künden etwa der Rückgang der Kurse an vielen Börsen weltweit. Wenn der mächtigste Mann der Welt krank ist, dann verunsichert es die Anlegerinnen und Anleger. Es kommt aber auf die wirtschaftliche Entwicklung an.

Donald Trump mit Corona infiziert: US-Präsident braucht Erfolge im Wahlkampf

Das weiß auch Trump. Nicht umsonst hatte er bis zum Ausbruch der Pandemie alles versucht, damit die US-Ökonomie floriert. Deshalb braucht er für seinen Wahlkampf zwingend einige positive Entwicklungen. Dazu zählt, die leichte Erholung des US-Arbeitsmarkts. Doch die ist nun stark gefährdet.

Trump ist sich dessen bewusst. Deshalb hat er auch möglichst schnell alle wissen lassen, dass es ihm gut gehe. Mit der Demonstration der Stärke verfehlte er aber sein Ziel, weil er seinen Sprecher widerlegte und obendrein für eine desaströse Informationspolitik des Weißen Hauses sorgte.

Ähnlich holprig dürfte die Besetzung des Obersten Gerichts verlaufen. Trumps Kandidatin Amy Coney Barrett soll zwar möglichst schnell auf den freien Platz befördert werden. Doch zu dem zu erwarteten Widerstand der Demokraten kommt nun die steigende Zahl von Corona-Infizierten im politischen Washington. Neben Trump sind weitere Entscheidungsträger positiv. Das dürfte den ohnehin ehrgeizigen Zeitplan weiter gefährden.

Donald Trump mit Corona infiziert: Erkrankung könnte Joe Biden in der Wahl helfen

Trumps Erkrankung wird wohl seinem Herausforderer Joe Biden Rückenwind geben. Er hat sich zwar mit politischen Forderungen bislang zurückgehalten. Doch dessen ersten Statements lassen keinen Zweifel, dass Biden und sein demokratisches Team eine andere Corona-Politik fordern werden.

Biden hat auch gut daran getan, auf öffentliche Häme zu verzichten. Er hat Trumps Schwäche nicht so schäbig ausgenutzt wie Trump, als er sich über seine Herausforderin Hillary Clinton 2016 im Wahlkampf wegen eines kleinen Schwächeanfalls - ausgelöst durch ihre Lungenentzündung - lustig gemacht hat und den Vorfall rücksichtslos ausschlachtete.

Fraglich ist freilich, ob Biden dies in zusätzliche Stimmen ummünzen kann. All jene, die bereits frohlocken, sei daran erinnert, dass die Zahl von Trumps Fans sich seit seinem Amtsantritt nicht wesentlich vergrößert hat. Sie liegt stabil bei rund 40 Prozent. Das reicht eher nicht für die Wiederwahl.

Donald Trump mit Corona infiziert: Mitleid wird dem US-Präsidenten nicht helfen

Den großen Vorsprung Bidens kann Trump kaum aufholen. Es wäre ein fulminanter Schlussspurt in den wenigen Wochen vor der Wahl am 3. November nötig gewesen, um näher an seinen Herausforderer heranrücken können. Doch nun fällt Trump krankheitsbedingt eine Zeit lang aus. Vize-Präsident Mike Pence soll für ihn zwar in die Bresche springen. Er ist aber kein mitreißender Wahlkämpfer.

Trump wird auch der Mitleidseffekt nicht helfen. Das lehrt der Fall des britischen Premiers Boris Johnson. Der hatte nach der Rückkehr von der Intensivstation zumindest zeitweise auf gestiegene Sympathiewerte blicken können. Doch sobald die politische Routine begann, verflog dieser Effekt sehr schnell.

Rubriklistenbild: © ANDREW KELLY / AFP

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