Donald Trump und Joe Biden nehmen an der abschließenden TV-Debatte an der Belmont University in Nashville, Tennessee, teil. Moderatorin ist Kristen Welker.
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Joe Biden schnitt im TV-Duell besser ab als Donald Trump.

Kommentar

TV-Duell in den USA: In einem Punkt unterscheidet sich Joe Biden kaum von Donald Trump

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
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Joe Biden geht aus dem letzten TV-Duell vor der Wahl in den USA als Sieger hervor. Für Europa ergibt sich aus dem Streitgespräch eine wichtige Erkenntnis. Der FR-Kommentar.

Kein Geschrei. Kein Durcheinander. Debatte statt Spektakel. Das letzte TV-Duell unterschied sich dramatisch und wohltuend von der ersten Auseinandersetzung, die viele entsetzte. Trotz der freundlichen Art attackierten sich US-Präsident Donald Trump und der demokratische Herausforderer Joe Biden teils heftig.

Die gesittete Debatte kam vor allem dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zu Gute, der sich als Gewinner des zweiten TV-Duells mit Amtsinhaber Donald Trump fühlen darf. Dafür musste Biden allerdings nicht brillieren. Es reichte ihm, seine weitgehend aus dem Wahlkampf bekannten Positionen zu wiederholen und Patzer zu vermeiden, was ihm weitgehend gelang. Er wählte diese eher zurückhaltende Strategie nicht nur, um weiter als anständiger, berechenbarer und rationaler Politiker zu erscheinen, sondern auch, um seinen deutlichen Vorsprung in Umfragen nicht zu gefährden.

Donald Trump setzt vor allem auf dubiose Vorwürfe gegen Joe und Hunter Biden

Donald Trump hingegen benötigt einen neuen Impuls für seine Kampagne, um noch aufholen zu können. Er verzichtete deshalb darauf, seinen Kontrahenten aggressiv und oft zu unterbrechen, um unentschlossene Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen. Statt dessen setzte er vor allem auf dubiose Vorwürfe gegen die Familie Biden, die angeblich in umstrittene Geschäfte verwickelt sein soll. Doch weder im Rededuell noch medial hat Trump mit dieser Strategie bisher wirklich punkten können.

Joe Biden dürfte auch helfen, dass Donald Trump erneut keine konkreten Vorschläge zur Bekämpfung der Corona-Krise machte oder erklärte, wie er die Wirtschaft wieder ankurbeln will. Stattdessen verwies er lediglich auf das rund 1,5 Billionen Dollar schwere Hilfspaket, das derzeit vorbereitet wird oder behauptete erneut, bis Ende des Jahres werde es einen Impfstoff gegen Corona geben, ohne dafür Belege vorzulegen. Ansonsten lobte er sich selbst und seine angeblichen Erfolge. Damit mag Trump seine Anhängerinnen und Anhänger begeistern, wird aber nicht die dringend benötigten zusätzlichen Stimmen gewinnen.

Donald Trump gegen Joe Biden: Wie die Spaltung der USA überwunden werden soll, bleibt unklar 

Donald Trump konnte sich dann aber doch noch freuen, als am Ende des Gesprächs sein Herausforderer Biden ankündigte, die USA klimaneutral machen zu wollen und dafür die Öl-Industrie weniger fördern wolle. Das könnte Biden in den Öl fördernden Staaten Stimmen kosten, worauf Trump genüsslich hinwies.

Doch an dieser Stelle wurde sehr deutlich, wie wenig Lösungsvorschläge die beiden Kandidaten zu den Herausforderungen des Landes wie etwa Klimawandel haben. Biden lieferte wenigstens Ansätze. So will er Obamacare nicht wie Trump abschaffen, sondern weiterentwickeln, um damit den sozialen Frieden zu sichern. Doch wie die extreme Spaltung des Landes überwunden werden solle, bleibt weiter unklar. 

Joe Biden lässt keinen Zweifel daran, China als Konkurrenten zu sehen

Für die Europäer brachte das TV-Duell allerdings auch eine Erkenntnis. Auch Joe Biden ließ keinen Zweifel daran, weiter China als Konkurrenten zu sehen. Er mag freundlicher im Ton mit Peking verhandeln, in der Sache wird er sich aber von der Trump-Administration kaum unterscheiden. Für Deutschland und die EU folgt daraus, dass sie weiter eine Antwort darauf finden müssen, wie sie sich in diesem politischen und ökonomischen Konflikt positionieren. So oder so wird die USA also zumindest bei diesem Thema ein schwieriger Partner für Europa bleiben. (Andreas Schwarzkopf)

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