US-Präsident hält Reden in Washington und South Dakota

Independence Day: Donald Trump im Diktatoren-Modus

  • Daniel Dillmann
    vonDaniel Dillmann
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US-Präsident Donald Trump nutzt den Independence Day, um den tiefen Riss in der amerikanischen Gesellschaft noch zu vertiefen. Ein Kommentar.

  • Independence Day: Donald Trump holt zum Rundumschlag aus
  • US-Präsident erklärt Corona-Krise für beendet und widmet sich dem politischen Gegner
  • Donald Trump sieht in sich die Verkörperung der Nation USA

Washington - Es war ein Auftritt ganz nach Donald Trumps Geschmack. Er, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vor Mount Rushmore, im Angesicht mit seinen in Stein gemeißelten Vorgängern George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln (v.l.n.r.). Über ihm Kampfjets des US-Militärs und zum Abschluss ein Feuerwerk über den Black Hills in South Dakota.

Von South Dakota nach Washington DC - Teil Zwei der Donald Trump Show am 04. Juli

Nur einen Tag später stieg der zweite Teil der Trump-Show zum Independence Day. Diesmal in Washington DC. Wieder begleitet von Kampfjets und Feuerwerk. Und wie schon in South Dakota holte Trump auch an der Ostküste zum Rundumschlag aus.

Die Corona-Krise sei überwunden, sagte Trump auf dem Rasen des Weißen Hauses, während seine Fans sich dort auf engstem Raum und eigentlich alle ohne Mundschutz tummelten. Wohl deshalb wollte sich der US-Präsident auch nicht mit steigenden Infektionszahlen oder überlasteten Krankenhäusern beschäftigen.

Donald Trump warnt am Independence Day vor „Anarchisten, Marxisten, Plünderern“

Stattdessen nahm Donald Trump die politischen Gegner ins Visier. In South Dakota hatte er sie „linke Faschisten“ genannt, beim zweiten Durchgang griff er auf altbewährte Begriffe zurück. „Anarchisten, Marxisten, Plünderer“ seien die Menschen, die seit Wochen in Seattle, Minneapolis, Washington DC, New York, Georgia und vielen weiteren Städten der USA auf die Straße gehen und gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren. Sie würden „die Geschichte der USA zerstören“ wollen, sagte der US-Präsident.

Das aber werde er nicht zulassen. Donald Trump versprach stattdessen seinem Land, „der größten Struktur der Welt“, einen Heldenpark, voll Statuen aufrechter Patrioten der Vergangenheit. Ob eine Trump-Statue dazu gehören werde, ließ Donald offen.

Populismus à la Donald Trump - mit einer Prise Totalitarismus

Das ist soweit erstmal alles Standard-Populismus à la Donald Trump. Doch der US-Präsident nutzte die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag, dem mit Abstand wichtigsten Feiertag der USA, auch noch dazu, ein weiteres Feindbild in den Köpfen seiner Anhängerschaft zu etablieren: die Medien.

Sie würden „die Einheit der USA“ bedrohen und falsche Anschuldigungen gegen seine Person erheben, sagte Donald Trump. Was dann kam, ist bemerkenswert: „Wenn sie mich verleumden, verleumden sie Generationen von Helden Amerikas. Sie verleumden Menschen, die viel mutiger sind als Sie. […] Sie entehren ihre Erinnerung.“

Donald Trump am Unabhängigkeitstag: Mehr als das übliche Wahlkampfgerede

Diese Worte am Nationalfeiertag der USA sind mehr als das übliche Wahlkampf-Gerede vor johlenden Fans eines Egozentrikers wie Donald Trump. Es ist der Duktus von Diktatoren, die in sich die Verkörperung der Nation sehen. Ein Angriff auf den Führer wird so zu einem Angriff auf alle. Was Trump hier sagt, ist das: Alle sind bedroht, wenn die Medien nach den anstehenden Wahlen nicht ihn, sondern beispielsweise Joe Biden zum Sieger erklären sollten. Wenn die Feinde des Volkes mit ihrer Kampagne bei den US-Wahlen 2020 erfolgreich sind, ist die ganze Nation in Gefahr.

Das alles sagt Donald Trump im Juli 2020, während die eine Hälfte der Bevölkerung gegen systematische Unterdrückung im eigenen Land protestiert und die andere vor ihren Anwesen stehen und mit Sturmgewehren auf ebenjene Demonstranten zieht. Wer in dieser ohnehin gereizten Atmosphäre am Unabhängigkeitstag der USA soviel Benzin verschüttet, der muss sich nicht wundern und ist auch mitverantwortlich, wenn es nach Trumps Niederlage im November 2020 zum großen Knall kommt. (Von Daniel Dillmann)

Unterdessen plagt sich Donald Trump mit einem neuen Enthüllungsbuch herum. Seine Nichte Mary will in ihrem Buch erklären, wie der US-Präsidenten wurde, was er heute ist. Ihr Urteil über ihren Onkel fällt denkbar schlecht aus.

Sicherlich ganz „großartig“ sind die Goya-Bohnen für die Donald Trump uns seine Tochter Ivanka die Werbetrommel rühren. Experten sind von der Werbekampagne weniger begeistert.

Rubriklistenbild: © SAUL LOEB/AFP

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