Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Vorstellung der Corona-Warn-App im Juni.
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Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Vorstellung der Corona-Warn-App im Juni.

Kommentar

Corona-Warn-App: Endlich die grundsätzlichen Fehler beheben!

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
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Die Corona-Warn-App funktioniert nicht wie gewünscht, weil Gesundheitsminister Jens Spahn erst das Vertrauen in die App zerstört und dann jede Nutzung erschwert hat. Der Kommentar.

  • Deutschlands Corona-Warn-App bringt nicht den gewünschten Erfolg.
  • Daran hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine gehörige Mitschuld.
  • Mit einigen einfachen Schritten könnte die App noch zum Erfolgsmodell werden.

In kaum einem Bereich können Daten so heilsam eingesetzt werden wie in der Medizin. Längst erkennen maschinenunterstützte Diagnoseprogramme frühzeitig Krebs. Apple stellt neuerdings einen ganzen Baukasten für die Programmierung von Gesundheits-Apps zur Verfügung. An deutschen Universitäten wie in Frankfurt und Darmstadt sitzen Fachleute dazu. Man muss nur diejenigen, die es können, einbeziehen, und darf sie nicht durch Raumschiffentscheidungen behindern.

Corona-Warn-App: Jens Spahn hat viel Vertrauen zerstört

Wenn jetzt der Bundesärztepräsident beklagt, dass die vielen Millionen für die Corona-Warn-App den Gesundheitsämtern nichts bringen, kann man nur sagen: Bedankt euch bei der Regierung, die das sehenden Auges in den Abgrund gesteuert hat. Jens Spahn hat mit seiner Schlangenlinienpolitik schrittweise jedes Vertrauen in die App zerstört und die Nutzungsmöglichkeiten systematisch erschwert. Weder hat er einen gesetzlichen Rahmen für die Nutzung der Daten geschaffen, noch in die Weiterentwicklung der App investiert oder die Prozesse vor Ort unterstützt. Als er die Schlagzeile hatte, erlosch für den Gesundheitsminister offensichtlich das Interesse.

16 Millionen Menschen nutzen die App aktiv, doch sie bleiben im Blindflug über die bedenkliche Begegnungen und in der Kette vom Erhalt des Testbefundes bis zum Eintrag in die App funktioniert vieles einfach nicht. Die Gesundheitsämter haben am Ende mehr Arbeit damit als weniger.

Corona-Warn-App: Digitalisierung bietet große Chancen

Dabei ist es wirklich einfach: Digitalisierung bietet die große Chance, Menschen bei Routine-Prozessen zu unterstützen und Zeit für das Wesentliche zu schaffen. Richtig eingesetzt liefert die App nicht nur genaue Daten ohne bei der Nutzung deren Schutz zu verletzen, sie könnte auch einen sprunghaften Wissenszuwachs über die Pandemie freisetzen. Seit dem gestrigen Update der Warn-App wäre ein länderübergreifender Austausch möglich, Tagebucheinträge könnten Historien aufbauen. Doch da die App schon grundsätzlich falsch aufgesetzt ist und im rechtsfreien Raum Daten sammelt, werden dies nur wenige nutzen.

Um das endlich zu ändern und die absurd hohen Entwicklungskosten zu rechtfertigen, wären zwei Schritte nötig, um den Webfehler der App grundsätzlich zu beseitigen: Eine Kommission mit klugen Köpfen entlang der gesamten Erfassungskette, die Nutzungsfälle durchdenkt und laufend optimiert. Dabei sollten immer auch die Anwenderinnen und Anwender befragt und einbezogen werden. Einfachheit ist der Schlüssel für Akzeptanz und Nutzung.

Corona-Warn-App: Ein Gesetz schafft Klarheit für die Nutzung

Im zweiten Schritt müssen endlich Leitplanken für die Technik durch Recht aufgestellt werden. Dann muss nicht der Schulleiter überlegen, ob es unzulässig ist, den Klassen zu erlauben, ihr Handy mitzubringen, wenn sie die Warn-App installiert haben. Oder es gibt jedem Veranstalter und jeder Restaurantbesitzerin Klarheit und zusätzliche Möglichkeiten. Durch die Hintertür ist nämlich derzeit eine Grauzone entstanden. Viele Restaurants bieten einen QR-Code an, den Gäste scannen können, um ihre Aufenthaltsdaten einzutragen. Was mit diesen Daten passiert, wie sie aufbewahrt werden und wann sie gelöscht werden, ist noch unklarer, als dass die Corona-Warn-App in der jetzigen Form nutzlos ist. Es ist höchste Zeit diese Fälle klar zu regeln und im Bundestag nach ausführlicher Debatte ein Gesetz zu beschließen.

Corona-Warn-App: Innovation und Datenschutz passen zusammen

Der dritte Schritt wäre der entscheidende: Eine digitale Vision zu haben. Ein Alleinstellungsmerkmal weltweit wäre, wenn Deutschland seine Liebe zur Innovation mit einem Datenschutz verbindet, der unserer besonderen Geschichte geschuldet ist. „Innovation made in Germany ist immer datensicher“ – das wäre mal ein Exportschlager. (Thomas Kaspar)

Die Corona-Warn-App wurde im Juni als „ganz zentraler Baustein“ zur Bekämpfung der Pandemie angekündigt. Nach 100 Tagen heißt es oft, sie sei „kein Allheilmittel“. Klar ist: Die App funktioniert. Die Wirkung könnte aber viel höher sein.

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