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Pandemie

„Realistisch bleiben“ - Mit den Impfstoffen ist der Corona-Albtraum noch nicht vorbei

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Die Zulassung von Corona-Impfstoffen bedeutet nicht, dass alles sofort wieder gut wird. Das ist zumindest die Meinung unserer FR-Autorin Pamela Dörhöfer. Viele Fragen sind offen. Der Leitartikel.

  • Wird das Leben nach Corona so sein wie zuvor?
  • Mit der Zulassung von Impfstoffen wird nicht alles mit einem Fingerschnippen wieder gut.
  • Bei der Pandemie muss man mit Höhen und Tiefen rechnen.

Frankfurt - Mal angenommen, es würden tatsächlich noch in diesem Jahr die ersten Menschen in Deutschland gegen Covid-19 geimpft. Angenommen, es gelingt, bis dahin bundesweit Impfzentren aufzubauen und Personal dafür zu finden, obwohl es Gesundheitsämtern und Kliniken schon jetzt daran fehlt. Angenommen also, dieses optimistische Szenario tritt ein. Was bedeutet das? Dass „das Leben, wie wir es kannten“, zurückkehren wird, wie die Bundeskanzlerin es versprach, mit dem Zusatz: „Was für eine Freude wird das sein.“

Man würde es sich so wünschen, dass die Pandemie bald nur noch wie ein böser Traum hinter der Menschheit liegt. Aber, auch wenn es abgedroschen klingen mag: Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Mit der Zulassung von Impfstoffen wird nicht mit einem Fingerschnippen alles wieder gut. Es ist wichtig, realistisch zu bleiben, auf weitere Hochs und Tiefs vorbereitet zu sein.

Impfstoffe gegen Corona weisen eine hohe Wirksamkeit auf

Schlag auf Schlag ging es in den letzten Wochen mit den positiven Meldungen über gleich mehrere Impfstoffe. Sie wurden so schnell entwickelt wie nie zuvor, sollen eine sehr hohe Wirksamkeit aufweisen, viel höher als die von der Weltgesundheitsorganisation als erforderlich angesehene Mindesteffektivität von 50 Prozent – und das ohne schwere Nebenwirkungen.

Das klingt gut, fast zu gut, könnten notorisch skeptische Menschen anmerken. Bei aller Euphorie darf in der Tat nicht ausgeblendet werden, dass man manche sehr seltene Nebenwirkungen möglicherweise erst dann kennen wird, wenn Millionen die Impfung bekommen haben. Das wird dauern. Dafür wäre es wichtig, auf eine mit Datenschutz und Persönlichkeitsrechten verträgliche Weise zu dokumentieren, wie es den Geimpften hinterher ergeht. Vor allem aber ist noch nicht geklärt, ob eine Impfung nicht nur vor der Erkrankung, sondern auch vor der Infektion und damit der Weitergabe des Virus schützt. Ersteres wäre schon ein großer Gewinn, aber Letzteres die Voraussetzung für das Ende der Corona-Pandemie.

Corona: Wer soll als Erstes geimpft werden? Viele Fragen offen

Auch bei der Frage, in welcher Reihenfolge geimpft werden soll, stellen sich noch Fragen. Es zeichnet sich ab, dass ältere Menschen zu den Ersten gehören. Doch was heißt „älter“? Diese Gruppe ist sehr heterogen, selbst die der Hochbetagten. Was ist mit jenen, die alleine leben, aber nicht mehr in der Lage sind, ein Impfzentrum aufzusuchen? Das alles zu organisieren, ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, es wäre sinnvoll, dabei auch die Hausärzt:innen einzubinden.

Und ist es wirklich richtig, mit den Älteren anzufangen? Es lässt sich zumindest nicht ausschließen, dass die mRNA-Impfstoffe, die mit großer Wahrscheinlichkeit als Erstes zur Verfügung stehen werden, für sie weniger gut geeignet sein könnten als herkömmliche Impfstoffe.

mRNA-Impfstoffe sind neuartig - Ängste in sozialen Medien könnten geschürt werden

Bei mRNA-Vakzinen handelt es sich um völlig neuartige Impfstoffe. Das löst ebenso wie das Tempo ihrer Entwicklung und die Tatsache, dass sie auf Ebene der Gene agieren, bei manchen Menschen Unsicherheit, ja Unbehagen aus. Man kann sich jetzt schon ausmalen, dass solche Ängste in den sozialen Medien noch geschürt werden und vermutlich kurz nach Beginn der Impfungen erste Horrorgeschichten viral gehen. Das alles kann sich auf die Impfbereitschaft auswirken, die laut Umfragen ohnehin schwankt.

Dem kann nur mit ehrlicher Kommunikation und Transparenz entgegengetreten werden. Beides ist auch gefordert, wenn es um die weltweite faire Verteilung der Impfstoffe geht – die zumindest am Anfang knapp sein werden. Einen globalen, gerechten Zugang zu gewähren, ist eine gewaltige ethische, logistische und finanzielle Herausforderung, wie man sie sich vermutlich gar nicht bis ins letzte Detail vorstellen kann.

Im Ulmer Messezentrum probt das Deutsche Rote Kreuz den Ablauf der Massenimpfungen gegen Corona.

Impfung gegen Corona muss überall gelingen

So muss sichergestellt werden, dass sich auch die Menschen in abgelegenen Dörfern in Afrika oder Indien impfen lassen können – in Regionen, wo es heiß ist und nötige Kühlketten nur schwer einzuhalten sind. Aber die viel beschworene Rückkehr zur Normalität ist nur möglich, wenn überall die Bevölkerung geimpft ist. Die anderen, sie müssen mitgedacht werden. Es wäre pervers, würden Geimpfte aus reichen Ländern zu exotischen Zielen reisen, selbst gut geschützt, während die Einheimischen dem Virus hilflos ausgeliefert wären.

Und wenn einmal alles überstanden ist: Wie lange wird es dauern, bis man sich wieder eng gedrängt in stickigen Kneipen vergnügt, ohne im Hinterkopf zu haben, welche Krankheitserreger der Nachbar womöglich verbreitet? Andererseits: Menschen vergessen schnell. Aber es hätte auch sein Gutes, würde die Pandemie nicht völlig spurlos vorbeigehen – und unter anderem im Gedächtnis bleiben, wie verletzlich die Menschheit auch im hochtechnisierten Zeitalter ist. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

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