Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dritte Corona-Welle

Dritte Corona-Welle: Jetzt geht es um Lockdown, Testen und Impfen

  • Michael Bayer
    VonMichael Bayer
    schließen

Die Corona-Krise kehrt mit großen Schritten zurück. Es wird Zeit für die angekündigte Notbremse. Der Leitartikel.

  • Das Robert-Koch-Institut sagt eine dramatische Steigerung der Sieben-Tage-Inzidenz voraus.
  • Der Ernst der Lage scheint sich nicht überall herumgesprochen zu haben.
  • Fachleute fordern einen sofortigen Lockdown, um eine starke dritte Welle in der Corona-Krise noch zu verhindern.

Frankfurt am Main - Es war ein etwas bürokratisch formulierter Satz unter einer Grafik: „Die Extrapolation der Trends zeigt, dass mit Fallzahlen über dem Niveau von Weihnachten ab Kalenderwoche 14 zu rechnen ist.“ Was der Bericht des Robert-Koch-Instituts (PDF-Datei) zur Corona-Lage beschreibt, ist nichts anderes als der voraussichtliche Verlauf der dritten Welle in Deutschland. Er hat es in sich.

Die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante verdoppelt alle zwölf Tage ihre Verbreitung. Das bedeutet: Die Sieben-Tage-Inzidenz wird bald nahezu im Wochenturnus immer neue Hunderterschwellen reißen. Nach Ostern kommen wir auf 200 Fälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner – ein Wert, der an Weihnachten mit täglich mehr als 30.000 Neuinfektionen im Land einherging.

RKI-Prognose: Corona-Mutante wird Wettlauf gewinnen

Die Prognose vom Sonntag lautet also: Die Corona-Mutante wird den Wettlauf gegen Impfkampagne und Schnelltests gewinnen. Wenn die Rahmenbedingungen bleiben, wie sie sind. Und den Montag prägt die Botschaft: Bis auf Weiteres fällt mit dem Astrazeneca-Stopp einer der drei Impfstoffe aus. Weniger glücklich hätte die Kombination kaum ausfallen können.

Die Hochrechnung des Robert-Koch-Instituts ist mehr als ein Warnschuss. Sie zeigt, dass wir alle Kraft darauf verwenden müssen, das Schlimmste zu verhindern. Doch der Ernst der Lage scheint sich nicht überall herumgesprochen zu haben.

Ausgerechnet in dieser kritischen Situation bremst der Astrazeneca-Stopp die Impf-Kampagne.

Corona: Notbremse wird ignoriert

Bund und Länder hatten mit den jüngsten Lockerungen eine Notbremse beschlossen: Klettert die Sieben-Tage-Inzidenz drei Tage lang über 100, treten jene Regeln in Kraft, die bis zum 7. März galten – etwa für Einzelhandel und Friseursalons. Doch inzwischen will das Land Brandenburg erst bei einer Inzidenz von 200 bremsen, und auch Kommunen in andern Ländern weichen von der Absprache ab. Trotz gegenteiliger Appelle der Bundesregierung.

Es sind weitere Pläne dringend zu überdenken. Die Hessische Landesregierung etwa will in den zehn Tagen vor Ostern den Präsenzunterricht ausweiten. Schülerinnen und Schüler der siebten bis elften Klassen sollen mindestens einen Tag pro Woche vor Ort erscheinen, zum Wiedergewöhnen an die Schule, wie es heißt. So schön das klingen mag, nach der Prognose des Robert-Koch-Instituts wird die Umgewöhnung nicht nötig sein; bei den angekündigten Inzidenzen werden die Jugendlichen nach den Ferien sicher wieder zu Hause lernen.

Manche Fachleute fordern weiter zu gehen. Der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Christian Karagiannidis, tritt dafür ein, sofort wieder in den Lockdown zu gehen, um eine starke dritte Welle der Pandemie zu verhindern.

Corona: Wir müssen nicht auf eine Inzidenz von 100 warten

Die Logik besticht: Wenn die Mutante weiter so schnell wächst, zählt jeder Tag, an dem wir gegenhalten. Wenn die Richtung der Inzidenzgrafik so klar ist wie vom Robert-Koch-Institut beschrieben, müssen wir nicht auf die Hundert warten.

Jeder Tag zählt, das gilt natürlich auch für die Impfungen. Weit sind wir mit 3,5 Prozent der Bevölkerung bisher nicht gekommen. Selbst die erste Gruppe der besonders Alten ist noch lange nicht durch. Die Impfzentren stehen bereit – doch die Vakzine fehlen.

Illustration auf der Titelseite der FR vom 17. März 2021.

Ausgerechnet in dieser kritischen Situation bremst nun der Astrazeneca-Stopp die Kampagne. Zu vermeiden war das nicht nach den ungeklärten Todesfällen – insbesondere auch, weil der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns von Anfang an Anlass zu kritischer Betrachtung gab. Hätte sich bei nicht pausierter Verbreitung herausgestellt, dass es tatsächlich gefährliche Nebenwirkungen gibt – das Vertrauen wäre komplett dahin. Anders herum gilt aber auch: Selbst wenn die Europäische Arzneimittelagentur keine besonderen Risiken sehen wird, dürfte das Vakzin bei vielen mit einem Makel behaftet bleiben.

Darauf müssen Bund und Länder reagieren. Das Konzept, dass die Bürgerinnen und Bürger jeden angebotenen Impfstoff annehmen müssen, ist nach dem Debakel mit Astrazeneca nicht mehr tragbar. Zu groß wäre die Gefahr, dass manche lieber auf eine Impfung verzichten als einen Stoff zu akzeptieren, dem sie nicht trauen. Das brächte weitere Verzögerungen, für die keine Zeit mehr ist.

CSU-Chef Markus Söder fordert, Astrazeneca nach einer wissenschaftlichen Überprüfung für alle Impfwilligen freizugeben. Natürlich würde das den kompletten Impfplan durcheinanderwirbeln. Aber es könnte etwas von jenem Tempo bringen, das wir im Wettlauf gegen die Corona-Mutante B.1.1.7 dringend benötigen.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare