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Die Pandemie spaltet die Gesellschaft.
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Corona: Die Pandemie spaltet die Gesellschaft.

Leitartikel

Corona: Die Spaltung der Gesellschaft verhindert einen rationalen Diskurs

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die Angst entzweit in der Corona-Pandemie die Gesellschaft. Doch es ist wichtig, alles in Frage stellen zu dürfen, auch die 2G-Regel.

Frankfurt - Fast schon wie aus einer anderen Zeit wirken die Bilder aus der Anfangsphase der Pandemie. Als die Menschen klatschten für das Pflegepersonal und alle zwar nicht physisch, aber doch im Geiste dicht beieinander zu sein schienen im „Kampf gegen das Virus“. „Flatten the curve“, lautete die Losung und „Zusammen gegen Corona“. 20 Monate ist das her. Im Rückblick kann man die seither vergangene Zeit auch wie die Chronologie einer Spaltung lesen. Man wusste anfangs nicht viel über das „neuartige Coronavirus“.

Mittlerweile wurden kaum zählbare Studien publiziert, in nie dagewesener Geschwindigkeit Impfstoffe entwickelt und Millionen Menschen verabreicht. Ein großer Erfolg, zweifellos. Das Wissen über Sars-CoV-2 ist enorm gewachsen. Für mehr Klarheit sorgt das allerdings nicht automatisch. Nicht immer fällt es leicht, zwischen angenommenen Wahrheiten und gesicherten Erkenntnissen zu unterscheiden.

Angst in der Corona-Pandemie: Am Anfang schweißte sie zusammen

In der Anfangszeit schweißte die Angst die Menschen zusammen, heute wirkt sie trennend. Erste Risse taten sich bereits im Frühjahr 2020 auf, als einige die Gefährlichkeit oder gar die Existenz des Corona-Erregers infrage stellten, die Bewegung der „Querdenker“ kam auf. Es war der Beginn von Spaltungsprozessen, die wenig später nicht mehr nur entlang extremer Positionen verliefen. Vielmehr standen sich bald breite Teile der Gesellschaft immer unversöhnlicher gegenüber. Auch die Wissenschaft blieb nicht frei von Friktionen.

Da gab es jene, die für starke Einschränkungen plädierten, um die Corona-Infektionszahlen so weit wie möglich zu drücken. Und es gab jene, die eher den Schutz der besonders Gefährdeten in den Vordergrund stellen wollten. Vertreter:innen beider Sichtweisen wurden von der anderen „Seite“ als Scharfmacher oder Verharmloser tituliert oder in schlimmsten Auswüchsen mit Morddrohungen konfrontiert.

Corona-Pandemie: Zwischentöne scheinen kaum mehr möglich

In ihrem Ausmaß neu war die starke moralische Bewertung wissenschaftlicher Positionen (und später auch persönlicher Gesundheitsentscheidungen). Ein Schwarz-Weiß-Denken manifestierte sich, in dem Grautöne zunehmend verschwinden. Heute vollzieht sich die Spaltung in erster Linie zwischen Geimpften und Ungeimpften. Getrieben wird sie von Angst. Die einen haben Angst, dass die Pandemie nicht endet und sie schier ewig mit Maßnahmen leben müssen, weil sich eine Minderheit nicht impfen lässt. Fürchten sich womöglich auch vor Ansteckung und einer Überlastung der Intensivstationen. Andere haben Angst vor der Impfung, vor der Neuartigkeit der Corona-Vakzine, fürchten sich vor Langzeitfolgen.

Das verhindert einen Diskurs mit rationalen Argumenten. Zwischentöne scheinen kaum mehr möglich. Impfleugner, Alarmsirene, Heulboje, Covidiot, Verschwörungstheoretikerin, Corona-Diktatur – auch die Sprache wird platter und schriller. Der ekligste Begriff scheint gerade gut genug, um Andersdenkende abzuwerten und verächtlich zu machen.

Corona-Pandemie: Auch Geimpfte können das Virus verbreiten

Leider trägt die Politik wenig dazu bei, die Stimmung zu entgiften. Im Gegenteil befördert sie die Polarisierung mit Sprüchen wie dem von der „Pandemie der Ungeimpften“. Zumal die knackige Aussage in ihrer Verkürzung so nicht stimmt. Zwar schützt die Corona-Impfung vor schwerem Verlauf, aber auch Geimpfte können sich infizieren und andere anstecken.

Deshalb, nebenbei, ist es auch unwahrscheinlich, dass je Herdenimmunität erreicht werden kann. Um Missverständnissen vorzubeugen: Gewiss ist es wichtig, dass sich möglichst viele impfen lassen. Über Ausgrenzung und Diffamierung wird das aber kaum zu erreichen sein. Jedes Heilmittel gegen die Corona-Pandemie hat gesellschaftliche Nebenwirkungen – die gilt es im Auge zu behalten.

Corona-Politik: Alles sollte in Frage gestellt werden dürfen

Wichtig ist, alles in Frage stellen zu dürfen und die Folgen gemeinsam zu besprechen, auch 2G. Zwar lässt sich das Argument, auf diese Weise schütze man Ungeimpfte vor Ansteckung, nicht von der Hand weisen. Doch sie werden damit eben auch von Teilhabe in vielen Bereichen ausgeschlossen. Darf man das, will man das?

Auch können ungetestete Geimpfte so das Corona-Virus untereinander unbemerkt verbreiten und es später womöglich an Menschen weitergeben, die nicht ausreichend geschützt sind – und dazu gehören nicht nur Ungeimpfte. Ganz sicher ein Fehler war das Ende kostenloser Tests und auch der weitgehende Verzicht auf das Testen von Geimpften.

Corona und Gesellschaft: Es muss ein Umgang gefunden werden

In vielen Pflegeheimen hat geimpfter Besuch ohne jede Kontrolle Zutritt; auch davon geht eine Ansteckungsgefahr aus, nicht nur von ungeimpftem (engmaschig getesteten) Pflegepersonal. Es ist zu befürchten, dass sich das Corona-Virus nicht ausrotten lässt und eine Impfung möglicherweise immer nur begrenzte Zeit schützt.

Nicht nur damit muss ein angemessener Umgang gefunden werden, sondern auch untereinander, in unserer Gesellschaft. Die Suche nach Sündenböcken war jedenfalls noch nie eine Lösung. (Pamela Dörhöfer)

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