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Besucher des Evangelischen Gottesdienst zum Ostersonntag sitzen mit Maske im Berliner Dom.
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Trotz der hohen Corona-Zahlen in Berlin und Brandenburg finden zu Ostern Präsenzgottesdienste statt.

Corona-Pandemie

Hoffen und handeln in Corona-Zeiten: Die Politik muss endlich Konsequenzen ziehen

  • Bascha Mika
    VonBascha Mika
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Auch in Krisenzeiten wie der jetzigen ist begründete Zuversicht möglich. Sie muss aber einhergehen mit entschlossenerem Handeln. Der Leitartikel.

Es gibt Leute, deren Motto heißt: ,Iss, trink und sei glücklich, denn morgen sind wir tot.‘ Und die anderen, die eher meiner Wesensart entsprechen und deren Philosophie schlicht lautet: ,Morgen sind wir tot.‘ “

Mit diesem Bekenntnis zum Fatalismus und einem guten Schuss schwarzem Humor beginnt der britische Literaturwissenschaftler Terry Eagleton sein Nachdenken über Hoffnung und Optimismus. Er kommt zum Schluss, dass die eine mit dem anderen wenig zu tun hat – was bestens zu Ostern passt, dem hoffnungsvollsten aller kirchlichen Feste. Denn wo Hoffnung neben Glaube und Liebe ins christliche Stammbuch gehört und zu den religiösen Tugenden zählt, ist von Optimismus so gar nicht die Rede.

Corona-Pandemie: Bundesregierung verfährt verantwortungslos optimistisch

Zum Optimismus, dieser leichtfertigen Spielart der Zuversicht, besteht derzeit auch keinerlei Anlass. Wo soll er wohl herkommen angesichts der fast 80.000 Corona-Toten allein hierzulande? Der Unfähigkeit, sie kollektiv zu betrauern. Der verstörten Kinder, misshandelten Frauen, sozial Abgehängten ohne Lobby ... Nur ein Narr kann optimistisch sein, während uns die Seuche in Geiselhaft hält und wir zusehen, wie sie politisch und gesellschaftlich Metastasen streut.

Der Frust im Land wächst aufgrund der Corona-Krise. Doch wir müssen zuversichtlich bleiben.

Für die, die dem Optimismus frönen, ist immer Sonntag, das Hier und Jetzt erscheint ihnen gut genug, es drängt sie nicht, es zu verändern. Diese gemeingefährliche Haltung zeigte sich exemplarisch beim britischen Premier Boris Johnson. Zu Beginn der Corona-Pandemie verbreitete er tödliche, unbegründete Zuversicht und stürzte sein Land ins Elend der ersten Welle. Als eingefleischter Konservativer, der seinen Zukunftsglauben aus der Gegenwart zieht, sah er keinen Bedarf, umwälzende Maßnahmen zu ergreifen.

Ähnlich verantwortungslos optimistisch verfährt die Bundesregierung, die sich seit Beginn der Krise auf lächerliche Selbstverpflichtungen der Wirtschaft verlässt. Wieso darf ein Unternehmenschef im Interview prahlen, dass nicht nur seine Fachkräfte an den Maschinen im Werk zu erscheinen hätten, sondern auch die Angestellten im Büro? Was helfen Schnelltests am Firmentor, wenn sich Beschäftigte auf dem erzwungenen Weg zur Arbeit in Verkehrsmitteln anstecken? Derweil optimistelt die Politik und bettelt um Einsicht, statt zu handeln.

Corona: Vertrauen in die Politik geht verloren

Für optimistisch Gesinnte ist das Glas immer halb voll, egal welch stinkende Brühe sich darin befindet. Und zur Zeit stinkt es gewaltig. Die Republik ist in einer kollektiven Stimmung, die nichts Gutes verheißt. Aktuelle Umfragen bescheinigen einen massiven Vertrauensverlust in die Politik. Die Menschen sind „mütend“, so wird das Phänomen in den sozialen Medien genannt. Eine Wortschöpfung, die Müdigkeit, Resignation, hilfloses Aufbegehren und Wut auf einen Nenner bringen will – um sich zugleich von jenen abzusetzen, die quergewaschen und aggressiv demonstrieren.

Wer mütend ist, braucht keine optimistisch geschönten Versprechen, sondern Hoffnung. Und Hoffnung steht mit Optimismus auf Kriegsfuß, sagt Terry Eagleton. „Hoffnung ist ein aktives Bekenntnis zur Wünschbarkeit und Realisierbarkeit eines bestimmten Ziels.“ Daran ist der Verstand in hohem Maße beteiligt, denn anders als Optimisten brauchen Hoffende erkennbare Gründe, um zuversichtlich zu sein.

Wo soll die Hoffnung in hoffnungsarmen Corona-Zeiten herkommen?

Begründete Zuversicht ist in Krisenzeiten absolut nötig. Hoffnung, weil uns das Wasser bis zum Hals steht. Denn Hoffnung kann politische Triebfeder sein und ist auch medizinisch im Blick auf die Abwehrkräfte des Körpers relevant. Doch wo soll sie herkommen in hoffnungsarmen Zeiten?

Aus der Erkenntnis der Lage. Indem wir ändern, was wir durch die Pandemie einmal mehr als falsch identifiziert haben. Durch Arbeit an der Zukunft. Und die muss sofort beginnen. Bei Themen wie globale Verantwortung und der Verteilung von Reichtum, den Gesundheits- und Bildungssystemen, Nahrungsmittelversorgung und Lieferketten, Ausbeutung weiblicher Arbeit, Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Coronavirus

Alle Informationen zu Sars-CoV-2 finden Sie auf unserer Themenseite Corona-News.

Corona-Pandemie rückt soziale und politische Großbaustellen ins Bewusstsein

Zwar reden wir schon lange über schreckliche, ungerechte Verhältnisse. Doch die weltweite Betroffenheit durch das Virus zeigt sie in neuem Kontext, unter extrem aufgeheizten Bedingungen. Die Pandemie rückt die sozialen und politischen Großbaustellen ins Bewusstsein. Geschärfte Erkenntnis muss zu neuen Bewertungen führen und Veränderungen erzwingen. Hoffnung braucht den Willen, sich anzustrengen, für eine bessere Zukunft.

Doch Hoffnung braucht auch das Lachen – womit wir wieder bei Ostern sind. Wer christlich feiert und zur Kirche geht, erlebt vielleicht das Osterlachen. Eine jahrhundertealte Tradition, die lange verschüttet war und inzwischen wieder auflebt: Zu Beginn der Predigt muss der Pfarrer einen Witz erzählen und seine Gemeinde zum Lachen bringen. Auch darin steckt Hoffnung. (Bascha Mika)

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