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Leitartikel

Corona-Impfungen: Es gibt noch immer viele Fragezeichen

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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In Europa und den USA soll das große Impfen beginnen. Eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Der Leitartikel.

  • Großbritannien macht den Anfang: Bereits in der nächsten Wochen sollen die ersten Massenimpfungen erfolgen.
  • Aber steht weltweit genug Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung?
  • Noch ist außerdem nicht sicher, dass die Impfung die Pandemie tatsächlich stoppen kann.

Nächstes Jahr um diese Zeit ist alles vorbei – spätestens. Diese Hoffnung nähren viele Berichte und Statements zu den lange herbeigesehnten Impfstoffen, von denen die ersten verfügbar sind und deren millionenfache Verabreichung unmittelbar bevorsteht – in Großbritannien bereits von nächster Woche an, in anderen europäischen Ländern und den USA vermutlich um den Jahreswechsel herum.

Bald soll das Impfen gegen Corona in Europa und den USA möglich sein.

Corona-Impfungen: Eine Gleichung mit vielen Unbekannten

Doch ist dem wirklich so? Die Impfung, ihr Erfolg und auch ihre potenziellen Grenzen sind immer noch eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Das Positive zuerst: Es ist bemerkenswert, wie schnell Forscherinnen und Forscher Vakzine gegen Covid-19 entwickeln konnten und welche enormen Summen Geld die Politik investiert hat, um das zu ermöglichen. Bei vielen anderen Infektionskrankheiten ist das bisher nicht gelungen. Es zeigt, was geht, wenn der Leidensdruck groß genug ist.

Hunderte Millionen Impfstoffdosen haben sich die Regierungen in Europa und den USA bereits bei jenen Herstellern gesichert, die es geschafft haben, ihre Vakzine als Erste bereitzustellen und die Zulassung zu beantragen. Der britische Premier Boris Johnson machte den Anfang und verkündete diese Woche die im Eilverfahren erteilte Genehmigung für den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Ein lautes Vorpreschen, das unangenehm berührt.

Corona-Impfstoffe müssen überall verfügbar sein

Es mag zwar ein verständlicher Reflex sein, dass in einer Notlage jeder zuerst an sich denkt. Aber wenn nationale Egoismen weiter Oberhand gewinnen – wie es sich abzeichnet -, ist das nicht nur unsolidarisch gegenüber den Menschen in finanziell weniger potenten Ländern, sondern auch nicht zielführend: Eine Pandemie lässt sich nur beenden, wenn die Krankheit überall zurückgedrängt wird.

Um auch nur die Hälfte der Weltbevölkerung zu impfen, müssten knapp acht Milliarden Dosen hergestellt werden, denn die vorliegenden Vakzine erfordern eine zweimalige Gabe. Es ist fraglich, ob es gelingen kann, diese Menge in den nächsten Monaten zu produzieren und zu verteilen; Letzteres auch vor dem Hintergrund, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer bei minus 70 Grad und der von Moderna immerhin noch bei minus 20 Grad gelagert werden muss.

Corona-Impfung: Sinkende Impfbereitschaft

In Deutschland hat man derweil angefangen, bundesweit Impfzentren einzurichten. Dort sollen je nach Kapazität mehrere Tausend Menschen am Tag geimpft werden. Noch fällt es schwer, sich vorzustellen, wo das ganze Personal herkommen soll, das den Weg durch die Anlage weist, fachkundig aufklärt, spritzt und sich um jene kümmert, denen es vielleicht unmittelbar nach der Injektion kurzzeitig nicht gut geht.

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt: Die Bilder anonymer Hallen, durch die man in Massen geschleust wird, wo man nicht von einem Arzt, einer Ärztin des Vertrauens, sondern einem unbekannten Menschen einen neuartigen Impfstoff verabreicht bekommt, können auch abschrecken. Umfragen zeigen kein einheitliches Bild, tendenziell weisen sie aber in mehreren Ländern eher auf eine sinkende Impfbereitschaft hin.

Corona-Impfung: Keine Pflicht in Deutschland

Ob in Deutschland der Andrang groß sein wird oder aber viele einer Einladung zum Termin (ohne sie ist keine Impfung möglich) nicht nachkommen, lässt sich noch nicht einschätzen. Eine Impfpflicht wird es nicht geben. Vorstellbar wäre aber, dass mit der Zeit ein gewisser Druck entsteht, wenn etwa ohne Impfnachweis nicht mehr geflogen werden dürfte. Und wie geht man mit älteren Menschen in Pflegeheimen um, denen es schwerfällt, eine eigene Entscheidung zu treffen oder die sich nicht trauen, Nein zu sagen, wenn die Heimleitung zur Impfung nötigt und eine Form von Gruppenzwang herrscht?

60 bis 70 Prozent der Bevölkerung müssten immun sein, damit sich das Virus nicht mehr großflächig verbreiten kann. Zieht man jene ab, die eine Infektion durchgemacht haben und eine natürliche Immunität besitzen, müsste sich dafür immer noch weit mehr als die Hälfte impfen lassen. Noch ist allerdings gar nicht sicher, dass die Impfung die Pandemie tatsächlich stoppen kann.

Die Corona-Impfung ist unverzichtbar für den Weg aus der Pandemie

Bislang gibt es keinen Beweis, dass die Impfung nicht nur vor der Krankheit Covid-19 schützt, sondern auch vor einer Infektion mit dem Virus – und damit davor, andere anzustecken. Noch weiß man nicht, ob die ersten Impfstoffe auch die besten sind und sich für alle Menschen gleich gut eignen. Ältere reagieren oft schwächer auf Impfungen. Was ist mit jenen, die bereits – vielleicht auch unbemerkt – eine Infektion durchgemacht haben, was mit jenen, die sich nach der ersten Spritze anstecken? Dürfen, sollen sie geimpft werden?

Und so wenig, wie klar ist, wie lange eine Immunität nach überstandener Infektion anhält, steht auch fest, wie lange die Schutzwirkung einer Impfung bleibt. Nicht auszuschließen, dass sie bei den ersten Geimpften nicht mehr besteht, wenn die Letzten mit den Impfungen dran sind. Insgesamt muss noch viel geforscht und aufgeklärt werden.

Letztlich ist das Impfen aber unverzichtbar, damit der Weg aus der Pandemie gelingt. Anders als sein Vorgänger Sars wird das Sars-Coronavirus-2 sonst kaum verschwinden.

Rubriklistenbild: © Ralf Hirschberger/dpa

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