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Leitartikel

Corona in Deutschland: Durch die Pandemie kommen wir nur mit langem Atem

  • Michael Bayer
    vonMichael Bayer
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Bund und Länder tun so, als wäre das Coronavirus am 10. Januar besiegt – ein Weihnachtsmärchen. Nötig sind jetzt langfristige Pläne. Der Leitartikel.

  • Die Politik versucht mit härteren Maßnahmen wie einem harten Lockdown, die ausufernde Corona-Krise zu lösen.
  • Um das Coronavirus in Deutschland zu stoppen, braucht es viel: Bereitschaft zu Verzicht, Geduld, aber auch mehr Geld.
  • Krankenhäuser, Schulen, Impfungen: Im Leitartikel blickt Michael Bayer auf die Herausforderungen der kommenden Monate.

Ein alltäglicher Notfall in einem kleinen Stadtteil in Südhessen: Eine ältere Frau stürzt am Wochenende in ihrer Wohnung. Sie kann sich kaum bewegen vor Schmerzen. Helfende Hände aus der Nachbarschaft wählen die Hotline des Ärztlichen Notdienstes. „Tippen Sie die Eins wenn..., die Zwei wenn...“ – und am Ende folgt die Ansage, derzeit sei leider niemand erreichbar. Man möge es später wieder versuchen. Doch auch später gelingt es nicht, einen der beiden Ärzte zu rufen, die in einem ganzen Landkreis unterwegs sind.

Corona in Deutschland: Auswirkungen bekommen alle zu spüren

Die Nachbarn wählen nach einer halben Stunde verzweifelt die 112. Der Rettungswagen fährt vor, mit einer Trage kommt die Verletzte nach draußen. Alles geschafft? Nicht ganz. Gut 20 Minuten versucht die Sanitäterin ein Krankenhaus zu finden, das die Patientin aufnimmt. Ihr Kollege berichtet in der Zwischenzeit von zahlreichen Überstunden und Fahrten von Coronakranken quer durch das Bundesland. Am Ende startet der Wagen auf gut Glück - und tatsächlich findet sich ein Bett.

Die Auswirkungen von Corona – sie bekommen nicht nur jene zu spüren, die sich mit dem Virus angesteckt haben. Das Gesundheitssystem wird selbst zum Patienten. Weil Personal und Material umgeschichtet werden. Und es am Ende für die Corona-Leidenden trotzdem knapp wird. In Sachsen stellen Ende vergangener Woche 23 Kliniken fest: „Unsere Belastungsgrenze ist schon erreicht, unsere Intensivstationen sind überbelegt.“

In Sachsen war Ende vergangener Woche bereits in 23 Kliniken die Belastungsgrenze erreicht.

Corona-Lockdown in Deutschland: Erfolg wenn, dann mit zeitlicher Verzögerung

Der harte Lockdown ist die späte Konsequenz. Der 10. Januar ist der Tag, auf den derzeit viele erwartungsvoll blicken. Doch die Hoffnungen auf ein Ende der Beschränkungen nach dreieinhalb Wochen – sie könnten platzen. Denn wer von den zuletzt bis zu 30.000 Menschen, die sich heute an einem Tag infizieren, ins Krankenhaus muss, entscheidet sich erst in zwei bis drei Wochen. Wir werden also bis zum Jahresende dabei zusehen müssen, wie immer mehr besonders Betroffene Hilfe suchen. Erst dann kann hier der harte Lockdown wirken.

Dazu kommt: Weil zunehmend Menschen in den Risikogruppen der über 60-jährigen erkranken, dürfte die Belastung auf den Intensivstationen noch deutlicher steigen als bisher. Nötig sind dann nicht nur viele Betten und Beatmungsgeräte. Es braucht auch das Personal, das sie bedient. Doch das fällt öfter quarantäne-bedingt selbst aus.

Corona wird Anfang 2021 kaum minder gefährlich

Und die Impfungen gegen das Coronavirus? Sie sollten noch Ende dieses Jahres losgehen. Aber sie werden dauern. Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts sind bis November 2021 alte Menschen und bestimmte Berufsgruppen dran. Alle anderen, die jünger als 60 Jahre sind, sind vom kommenden Dezember an vorgesehen. Das sind 45 Millionen Menschen. Was zeigt: Bis die Impfungen – eine breite Akzeptanz vorausgesetzt – einen Effekt haben, wird noch viel Zeit vergehen.

Da Anfang Januar keine sommerlichen Temperaturen zu erwarten sind, die die Bürgerinnen und Bürger ins weniger gefährliche Freie lockt, ist es kaum wahrscheinlich, dass sich die Lage grundsätzlich ändern wird. Umso wichtiger ist es, dass Bund und Länder überlegen und öffentlich diskutieren, wie es im neuen Jahr weiter gehen soll. Denn wertvolle Zeit verloren hat die Politik in der Corona-Pandemie bereits einmal zu viel – im Sommer.

Corona in den Schulen: Viel Zeit ungenutzt verstrichen

Nehmen wir als Beispiel die Schulen. Seit April ist bekannt, dass sich das Coronavirus in der Form von Aerosolen in geschlossenen, unbelüfteten Räumen über große Entfernungen verteilt. Es gibt Luftfilter, die die Viren aussortieren. Doch die Länder stellen sie meist nur dort zur Verfügung, wo sich keinerlei Fenster öffnen lassen. Eine Milliarde Euro hätte es geschätzt gekostet, alle Klassenzimmer in Deutschland auszustatten – das ist ein Bruchteil der Wirtschaftshilfen.

Stattdessen sitzt der Nachwuchs frierend im Unterricht – noch. Denn nun sieht die Virologie ein erhebliches Infektionsgeschehen in weiterführenden Schulen. Sie fordert einen Wechselunterricht mit zwei Wochen Präsens-, zwei Wochen Distanzunterricht. Eine Mini-Quarantäne. In den politischen Diskussionen ist davon nichts zu hören.

Wirtschaft während Corona: Weitere Hilfen wären belastend

Die Schulen seien so wichtig, dass sie erst am Schluss schließen, sagen Bund und Länder. Und sie unterlassen zugleich erneut und wider besseres Wissen, schützende Beschlüsse zu fassen.

Nicht zuletzt ist zu klären, wie es mit den Wirtschaftshilfen weitergeht. Ein Thema, das offenbar vor Weihnachten nicht gerne aufgerufen wird. Sie in ihrer Form bis zum Ende des kommenden Jahres fortzuführen, würde die kommenden Generationen unvertretbar belasten. Zumal auf die Jungen mit der Klimakatastrophe genügend eigene, teure Aufgaben zukommen dürften.

Corona ist vielleicht am 10. Januar 2022 vorbei. Und nötig sind jetzt Pläne, die sich an diesem Zeithorizont orientieren. (Michael Bayer)

Rubriklistenbild: © Frank Molter/dpa

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