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COP27: Warum der quälende Klimagipfel nicht ganz umsonst war

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Von: Joachim Wille

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Der Klimagipfel bringt mit dem „Loss and Damage“-Fonds immerhin einen wichtigen Fortschritt: Die Industrieländer ihre Verantwortung an. Der Leitartikel.

Scharm asch-Schaich – Annalena Baerbock (Grüne), die deutsche Außenministerin, hat am Sonntag um sechs Uhr früh nach einer Nachtsitzung ein wahres Wort gelassen ausgesprochen: „Dass diese COP nicht einfach wird, war immer klar.“ Man kann es auch deutlicher sagen: Der 27. UN-Klimagipfel im ägyptischen Scharm el-Scheich war eine Quälerei, mit einem drohenden Durchmarsch der fossilen Lobby, mit Maulkörben für NGOs. Die Veranstaltung mit der Abkürzung COP (Conference of the Parties) stand mehrfach kurz vor dem Scheitern.

Umso erstaunlicher, dass am Ende dann doch ein „Loss and Damage“-Fonds auf den Weg gebracht wurde. Damit können die bereits heute am stärksten von der Klimakrise betroffenen Menschen in armen Ländern künftig auf eine finanzielle Unterstützung zur Bewältigung von Klimafolgeschäden hoffen.

COP27: Industrieländer stimmen Finanztopf gegen Klimakatastrophen zu

Das ist ein echter Fortschritt, der mit der COP in Sharm el-Scheich verbunden bleiben wird. Über einen solchen Fonds ist im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen seit über zehn Jahren gesprochen worden, ohne dass es die geringste Bewegung gab. In diesem Jahr nun tut sich endlich etwas, da Ereignisse wie die Megaflut in Pakistan und Megadürren in Ostafrika das Problem unübersehbar gemacht haben und die Wissenschaft den Zusammenhang in sogenannten Attributionsstudien glasklar nachgewiesen hat. Die Industrieländer bekennen sich mit diesem Beschluss zu ihrer historischen Mitverantwortung für diese Katastrophen und gestehen, zumindest grundsätzlich, zu, dass sie dafür zahlen müssen.

Teilnehmer sprechen miteinander während einer Unterbrechung der Abschlusszeremonie beim UN-Klimagipfel COP27.
Teilnehmer sprechen miteinander während einer Unterbrechung der Abschlusszeremonie beim UN-Klimagipfel COP27. (Archivfoto) © Christophe Gateau/dpa

Für übergroßen Jubel ist es noch zu früh. Erst mal ist es nur ein Konto ohne Einlage. Bis der Fonds steht, dauert es noch bis 2024. Und wer wie viel einzahlen wird, ist auch offen. Es ist also unklar, ob er ein wirkungsvolles Instrument sein wird. Die „Loss and Damage“-Schäden werden schon jetzt auf im Schnitt 200 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt, mit steigender Tendenz. Und man muss wissen: Die Industriestaaten haben ihr Versprechen, von 2020 an jährlich 100 Milliarden Euro für Klimaschutz und Klimaanpassung in Entwicklungsländern aufzubringen, bis heute nicht voll erfüllt, vor allem, weil die USA als historischer Obereinheizer zuletzt kaum etwas eingezahlt haben.

US-Präsident Joe Biden trat diesbezüglich mit leeren Händen vor die COP, und das war fatal. Denn hätte Washington seine Verantwortung hier erfüllt, der Druck in den Verhandlungen auf finanziell potente Schwellenländer wie China und Saudi-Arabien wäre größer gewesen, sich ebenfalls zur Einzahlung in den neuen Fonds zu verpflichten. Das ist eigentlich überfällig, diese Staaten haben inzwischen ebenfalls eine riesigen CO2-Fußabdruck.

UN-Klimakonferenz: Kaum Fortschirtte bei Emissionszielen

Umso misslicher, dass beim präventiven Klimaschutz, also der konkreten Einsparung von Kohlendioxid (CO2), wieder ein Jahr verloren wurde. Das 1,5-Grad-Ziel findet sich zwar irgendwo in der Abschlusserklärung, zeitweise war es in Entwürfen sogar herausgefallen. Doch um dieses wichtige Sicherheitslimit einzuhalten, müssten die Emissionen ab sofort jährlich um sieben Prozent sinken, so wie während der Corona-Pandemie, nur intelligent geplant. Ein konkreter Fahrplan allerdings, wie das durch einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas und einen Umstieg auf Ökoenergien erreicht werden soll – Fehlanzeige.

Hier trafen zwei fatale Entwicklungen zusammen: Die durch den Putin-Krieg ausgelöste Energiekrise hat den beim vorigen Klimagipfel in Glasgow noch möglichen Aufbruch atomisiert: Alle Länder hatten damals zugesagt, ihre CO2-Reduktionspläne bis zu dieser COP im Sinne des 1,5-Grad-Limits nachzuschärfen. Nur eine kleine Minderheit kam dem nach, der große Rest kümmerte sich wohl eher darum, seine fossile Versorgung sicherzustellen. Hinzu kam: Die ägyptische COP-Präsidentschaft hat auf Druck der Ölstaaten wie Saudi-Arabien ambitioniertere Konzepte erst gar nicht in die Verhandlungen eingebracht. Die Petromilliarden, mit denen die Saudis Ägyptens Regime in der aktuellen Wirtschaftskrise unterstützt, haben sich für sie ausgezahlt. Und den globalen Klimaschutz torpediert.

COP27: Ist Klimagipfel bedeutungslos?

Aber es gilt ja ohnehin: Man darf die Bedeutung solcher COP-Erklärungen nicht überschätzen. Die COP-Geschichte lehrt das. Seit 1995 hat es 27 Klimagipfel gegeben, die globalen Emissionen aber sind trotz teils ambitionierter Abkommen, Verträge und Protokolle fast durchgängig weiter angestiegen.

Das heißt, der konkrete globale Klimaschutz muss vor allem außerhalb der Klimagipfel vorangetrieben werden. Vorreiter wie die EU müssen zeigen, dass das CO2-Sparen funktioniert, Vorteile auf dem Weltmarkt bringt und den Bürger:innen ein besseres Leben ermöglicht. Es braucht mehr Kooperationen zur Energiewende, wie Deutschland sie etwa mit Südafrika begonnen hat. Und es braucht die Einführung eines globalen CO2-Preises. Die Zeit drängt. (Joachim Wille)

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