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Chaos inSri Lanka

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Von: Martin Benninghoff

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Zahlreiche Menschen haben sich am Wochenende Zugang zum Präsidentenpalast von Sri Lanka in Colombo verschafft. Zahllose Fotos sind dabei entstanden. Bürger auf Betten, im Pool, vor Familienfotos, am Klavier oder auf dem Stuhl von Präsident Gotabaya Rajapaks. Der war kurz vor der Erstürmung geflohen. Sri Lankas Präsidentenpalast aus der Kolonialzeit verkörpert seit mehr als 200 Jahren die Staatsgewalt, doch am 10. Juli wurde er nun zum neuen Symbol der „Volksmacht“ der Insel
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Zahlreiche Menschen haben sich am Wochenende Zugang zum Präsidentenpalast von Sri Lanka in Colombo verschafft. Zahllose Fotos sind dabei entstanden. Bürger posieren auf Betten, im Pool, vor Familienfotos, am Klavier oder auf dem Stuhl von Präsident Gotabaya Rajapaks. Der war kurz vor der Erstürmung geflohen. Sri Lankas Präsidentenpalast aus der Kolonialzeit verkörpert seit mehr als 200 Jahren die Staatsgewalt, doch am 10. Juli wurde er nun zum neuen Symbol der „Volksmacht“ der Insel. © Arun Sankar/afp

Der Inselstaat liegt am Boden. Dass sich Protestierende in den Luxuspools der Oligarchen eine Abkühlung holen, ist nur allzu verständlich. Eine Lösung der Krise ist aber leider nicht in Sicht. Der Kommentar.

Die Wut der Menschen in Sri Lanka ist verständlich. Denn die frühere britische Kronkolonie ist eigentlich wohlhabender als das angrenzende Indien und dessen Bundestaat Tamil Nadu. Doch Sri Lanka, das in Deutschland als Hochglanzziel für sonnenhungrige und teeverwöhnte Tourist:innen bekannt ist, ist kaum wiederzuerkennen. Lebensmittel, Treibstoff, Medikamente fehlen, die Geschäfte sind leer.

Der Tourismus liegt nicht erst seit Corona am Boden: Der islamistisch motivierte Terroranschlag am Ostersonntag 2019, bei dem Hunderte Menschen getötet wurden, hat das nach dem Bürgerkrieg mühsam wiedergewonnene Image als Reiseland erschüttert. Für viele Beschäftigte im Tourismus ist das eine Katastrophe. Zudem hat sich Sri Lanka chinesischen Investitionen ausgeliefert und kräftig überschuldet.

Damit kommt die politische Elite ins Spiel, die den Inselstaat nach Gutdünken missregiert. Dass sich Protestierende in den Luxuspools der Oligarchen eine Abkühlung holen, ist nur allzu verständlich. Eine Lösung der Krise ist aber leider nicht in Sicht.

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