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Sozialer, offener, weiblicher

CDU-Vorsitz: Der bisher unbekannte Friedrich Merz

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Friedrich Merz fährt bei der Mitgliederbefragung zum CDU-Vorsitz einen triumphalen Erfolg ein. Hat er sein Ziel trotz oder wegen der Selbstinszenierung als Mann der Mitte erreicht? Ein Kommentar.

Die Veranstaltung war als Pressekonferenz angekündigt, aber das muss ein Irrtum gewesen sein. Die CDU wollte bekanntgeben, wie die Urabstimmung über den Vorsitz ausgegangen war. Das tat sie nebenbei auch, aber eigentlich fand im Konrad-Adenauer-Haus eine Inszenierung mit dem Titel „Die Partei lebt“ statt. So drückte es der Triumphator des Tages, Friedrich Merz, aus, und offenbar fanden alle auf der Bühne, dass das mal erwähnt werden müsse.

A propos Inszenierung: Die Krönungsmesse, der freundlicherweise einige wenige Fragen von Journalistinnen und Journalisten nachgeschaltet wurden, galt in Wahrheit einem bisher Unbekannten. Er sah zwar aus wie Friedrich Merz und hörte sich rein stimmlich auch so an. Aber seine Worte hatten mit der ideologischen Mischung aus hartem Neoliberalismus und gesellschaftlichem Konservatismus, die alle Welt von dem Sauerländer kennt, nichts zu tun.

Friedrich Merz (CDU) nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der CDU-Mitgliederbefragung.

CDU-Vorsitz: Was ist mit Friedrich Merz geschehen?

Alles plötzlich sozialer, offener, weiblicher: Was ist geschehen mit dem Mann, der sich die Zeit zwischen zwei politischen Karrieren im Aufsichtsrat eines Finanzinvestors vertrieben hat? Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder er hat seine Überzeugungen zum guten Teil über Bord geworfen, oder er hat nur so getan.

Oder, aus der Perspektive der CDU-Mitglieder betrachtet: Entweder sie haben ihm die Kehrtwende abgenommen, dann hätte ausgerechnet Merz davon profitiert, dass er sich im innerparteilichen Wahlkampf seiner Erzfeindin Angela Merkel so ähnlich gemacht hat wie nie zuvor. Oder die Mehrheit der Abstimmenden hat sich darauf verlassen, dass der aus ihrer Sicht „gute“ alte Merz schon wieder zum Vorschein kommen wird, wenn ihn der Parteitag im Januar endgültig an die Spitze gewählt hat.

CDU-Vorsitz: Oder entpuppt sich der neue Friedrich Merz als der alte?

Genau das ist die Frage, die auch über die CDU hinaus Interesse finden sollte: Schafft es die Partei, so etwas wie Merkelismus auf die Beine zu stellen, allerdings mit klarer Ansage? Einen sowohl kapitalfreundlichen als auch – zumindest in engen Grenzen – sozialen Konservatismus also? Hat Merz gar verstanden, dass er den von Klima- und anderen Krisen bedrängten Kapitalismus der marktliberalen Ära nur verteidigen kann, wenn er den Leuten vormacht, dass nicht nur Grüne und mehr oder weniger Linke versprechen können, die Leute vor den Bedrohungen der Gegenwart zu schützen? Das wirtschaftsliberale Gegenmodell also zum intervenierenden Staat, ergänzt allerdings durch das Versprechen der Geborgenheit in den Routinen des fossilen Zeitalters?

Wenn das so wäre, könnte es tatsächlich passieren, dass die CDU wieder zur gefährlichen Gegnerin einer intervenierenden, staatlich steuernden Klima-, Wirtschafts- und Sozialpolitik wird, wie sie zumindest Teile der Ampelregierung in Ansätzen verfolgen wollen. Entpuppt sich allerdings der neue Merz doch wieder als der alte, werden sich manche in der Union freuen, die Konkurrenz aber auch: Mit der plumpen Variante des Neoliberalismus hätten sie in unsicheren Zeiten wahrscheinlich leichtes Spiel. (Stephan Hebel)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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