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Ein Mann macht sich daran, eine Toilette zu säubern.
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Eigentlich Frauenarbeit? Ein Mann macht sich daran, eine Toilette zu säubern. So geht männliches Empowerment!

Leitartikel

Care-Gap in der Corona-Krise: Männer, kämpft um eure Rechte!

  • Bascha Mika
    vonBascha Mika
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Die Corona-Krise verstärkt, was vorher da war: die Ausgrenzung von Männern bei der Sorge- und Hausarbeit. Der Leitartikel.

  • Rund ein Drittel der Familien teilt sich Kinderbetreuung und Hausarbeit in der Corona-Krise gleichberechtigt auf.
  • Frauen übernehmen noch immer einen Löwenanteil der Care-Arbeit, durch die Pandemie hat sich das verstärkt.
  • Der Internationale Weltfrauentag (8. März) soll auf die Ungleichbehandlung von Frauen aufmerksam machen

Was ist das hier wieder für ein Saustall! In den Müslischalen trocknen die Haferflocken, die Frühstücksteller sind von Marmelade verklebt und was schwimmt da im Kakaobecher der Kleinen? Tobias Müller seufzt leise, bevor er beherzt die Gummihandschuhe überstreift, den Tisch abräumt, die Spülmaschine einräumt und das Mittagessen vorbereitet.

Zwischendrin saugt er noch Diele und Wohnzimmer, wirft eine Ladung Wäsche in die Maschine und vergisst auch nicht, immer mal einen fröhlich-aufmunternden Blick ins Kinderzimmer zu werfen, wo seine Töchter im Homeschooling sitzen. Am Vormittag hat er seine eigenen, dringenden Homeoffice-Aufträge erledigt. Nach der Mittagspause, wenn er seine Frau aus ihrem Arbeitszimmer geholt und die Kinder zum Essen gerufen hat, wird er noch schnell die Küche aufräumen und das Nötigste einkaufen, bevor er mit den Mädchen die Schulaufgaben durchgeht.

Väter auch in Corona-Zeit außen vor: Kinderbetreuung und Hausarbeit obliegt den Müttern

So ein Tobias Müller ist Ihnen nie begegnet? Sie wissen von keinem Mann, der sich fast völlig alleine um die Familie kümmert? Keine Sorge, das liegt nicht an Ihrer Unkenntnis. Tobias Müller gehört zu einer raren Spezies. Zu den Männern, die es gegen alle Widerstände ihrer Frauen geschafft haben, sich die Vorherrschaft bei der Sorgearbeit zu erobern. Das haben hierzulande nicht einmal drei Prozent der Familienväter geschafft. Wieso prangern Lobbyvereine für Männerrechte diese Diskriminierung nicht lautstark an und fordern vollen männlichen Zugang zu allen häuslichen Arbeitsbereichen?

Egal ob bei der Hans-Böckler-Stiftung während der ersten Welle der Pandemie oder beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung während der zweiten – die Sozialwissenschaft ist besorgt. Denn die Corona-Krise hätte alle unterprivilegierten Männer der Gleichstellung ein Stück näher bringen können.

Historische Chance zur Umverteilung der Hausarbeit in der Corona-Pandemie vertan

Doch die historische Chance wurde vertan. Statt lautem Aufbegehren gegen die traditionelle Arbeitsteilung stellen repräsentative Untersuchungen das Gegenteil fest: Mütter haben ihre Vormachtstellung im Haus weiter ausgebaut, Väter haben das Nachsehen.

Wie konnte es so weit kommen? Wo Väter massenhaft im Homeoffice arbeiten, wäre ihnen doch der unmittelbare Zugriff auf Windeln und Wischmop nicht mehr zu nehmen gewesen? Doch offenbar, so die ernüchternde Erkenntnis, sind die allermeisten Männer noch nicht bereit, für ihre Rechte zu kämpfen. Im Gegenteil. In der Pandemie haben sie sich familiär noch weiter entmündigen lassen und vor allem die Kinder ihren Frauen fast vollständig allein überantwortet.

Männer verzichten leichtfertig auf Gleichberechtigung bei Kinderbetreuung und Hausarbeit

Na gut, immerhin stellt das DIW fest, dass es da doch ein knappes Drittel an Familien gibt, in denen sich Eltern die Arbeit halbe-halbe aufteilen. Gut dreißig Prozent der Männer haben bereits durchgesetzt, dass sie trotz Mangel an weiblichen Genen die Hälfte der häuslichen Verantwortung übernehmen dürfen. Mutige Vorkämpfer, an denen sich andere ein Beispiel nehmen sollten. Schaut mal, geht doch!

Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie es bei den meisten Familien zugeht. Und welch perfide Strategien Frauen nutzen, um Männer kleinzuhalten. Pandemie heißt: keine Kita, keine Schule, die Kinder hocken daheim. Doch während die Mütter ihre Erwerbsarbeit reduziert haben und sich ihrem Kümmergen widmen, verzichten die Väter leichtfertig auf derartige Machtdemonstrationen. Wie wollen sie je auf Augenhöhe mit ihren Frauen kommen, wenn sie sich nicht im Familienbetrieb empowern?

Vätern fehlt das Bewusstsein für ihre Unterdrückung in Sachen Hausarbeit

So hat sich die Zahl der Familien, in denen Frauen die Kinder fast völlig allein betreuen, im vergangenen Jahr verdoppelt. Auf 16 Prozent, so das DIW. Eine weitere Horrorzahl: Bei über der Hälfte der Paare haben Mütter ihren bisherigen Vorteil verbissen verteidigen können und übernehmen nach wie vor den größten Teil dessen, was zu Hause an Arbeit anfällt. Dabei ist besonders bedenklich, dass vielen Vätern das Bewusstsein für ihre Unterdrückung fehlt. Sie wiegen sich in dem Wahn, sehr viel mehr zu tun, als der Fall ist.

Von „Retraditionalisierung“ spricht die Sozialwissenschaft angesichts solcher Beharrungskräfte. Ein Irrtum. Hier geht es keineswegs um einen Rückschritt. Die Corona-Krise zeigt die Verhältnisse in hellem Licht, sie verstärkt und verfestigt, was vorher da war: ein skandalöses Care-Gap. Die Marginalisierung und Ausgrenzung von Männern bei der Sorgearbeit, waschen, kochen, putzen inbegriffen.

Internationaler Frauentag ist ein Sorge-Aktionstag für Männer

Männer, empört euch! Kämpft für euren gleichberechtigten Anteil bei Hausarbeit und Kinderbetreuung. Das alte Rollenmodell, das euch zu lächerlichen Figuren in der eigenen Familie macht, gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Seid selbstbestimmt! Wie sonst soll sich die Welt zum Besseren ändern? Hier geht es um euer Menschenrecht. Macht den Internationalen Frauentag zu eurem Sorge-Aktionstag! (Bascha Mika)

Einen weit weniger bekannten Aktionstag als den Internationalen Frauentag stellt der Equal Care Day am 29. Februar dar, der auf die Ungleichverteilung zwischen Männern und Frauen bei der Sorge- und Hausarbeit aufmerksam machen soll.

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