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Alexander Gauland und Alice Weidel (beide AfD) bei einer Sitzung des Bundestags
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Alexander Gauland und Alice Weidel freuen sich – womöglich über die AfD.

Bundestagswahl 2021

AfD-Leitfaden für den Wahlkampf: „Fettige Haare“ und „Lügenpresse“-Vorwurf unbedingt vermeiden

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Der Wahlkampf zur Bundestagswahl ist in vollem Gange und die Parteien verteilen ihre Leitfäden. So auch die AfD, die ganz besondere Tipps parat hat. Ein Kommentar.

Es ist nicht das erste Mal, dass AfD-Politiker:innen bezüglich ihrer Verhaltens- und Sprechmodi Tipps von Fachleuten bekommen hätten. Im November 2018 hatten die Blau-Braunen ein Gutachten in Auftrag gegeben, wonach die Partei bestimmte Begriffe vermeiden solle – und dies, um der Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu entgehen.

So wurde vor Begriffen wie „Umvolkung“ oder „Überfremdung“ gewarnt, auch sollten neben „Volkstod“ und „Umerziehung“ Pauschalurteile bezüglich bestimmter Gruppen vermieden werden.

AfD gibt Handreichungen an Bundestagskandidat:innen

Zur Bundestagswahl 2021 hat die AfD nun einen eigenen Leitfaden konzipiert. „Der Bundesverband möchte Ihnen mit dem vorliegenden Handbuch eine Handreichung geben, um in Ihrer Heimat, vor Ort, nachhaltig für unsere Partei, unsere Ideen und Ziele zu werben sowie als Kandidat der AfD zu überzeugen und Wähler zu gewinnen“, heißt es in dem 76 Seiten starken Papier, das sämtliche Hinweise unter anderem zur Optik, Pressearbeit, Wahlanalysen und Straßenwahlkampf umfasst.

Zunächst jedoch wichtig ist die Integrität: „Bitte prüfen Sie rechtzeitig vor einer Kandidatenaufstellung, ob es in der Vergangenheit Probleme gegeben hat, die Medien und politische Konkurrenten gegen unsere Kandidaten ‚aus dem Hut zaubern‘ können.“ Das ist ein kluger Hinweis vor der Bundestagswahl, der bislang bei so vielen prominenten AfD-Protagonist:innen nicht beachtet wurde. Könnte aber eventuell einem anderen Punkt im Wege stehen, der die „einzigartigen Unterscheidungspunkte“ zu anderen Parteien hervorheben will. Diesbezüglich recherchiere die geneigte Leserin auf die Schnelle die Namen Andreas Kalbitz und Björn Höcke.

Make-up- und Frisur-Tipps gibt es im AfD-Leitfaden ausschließlich für Männer

Doch was ist am allerwichtigsten für den gelungenen Bundestagswahlkampf? Richtig, das perfekte Foto, und hier sollte nicht am falschen Ende gespart werden: „Ein guter Fotograf lässt sich Zeit für Sie. Er berät Sie vor dem Shooting hinsichtlich Ihrer persönlichen Farbpalette.“ Diesbezüglich entscheidend sind Kleidung und Frisur. „Bitte tragen Sie zum Fotoshooting keine schwarzen Jacketts, sondern eher Anthrazit, Grau, klassisches Mittel- bis Dunkelblau“ - wie schade, dass die AfD ausschließlich von männlichen Kandidaten ausgeht. Was sollen aber die Kandidatinnen tragen?

Beim Make-up und den Haaren sieht es nicht besser aus. Auch Männer benötigten für das Bild ein dezentes Make-up, heißt es. Glatte Frisuren seien von Vorteil, Bärte sollten „sorgfältig gestutzt“, sich sowieso „vorsichtig und gründlich“ rasiert werden. Und die Frauen? Werden nicht einmal auf ein entsprechendes Frauenmagazin verwiesen.

Vertrauen aufbauen bei der „Lügenpresse“ - Im AfD-Leitfaden steht, wie

Ein ganz wichtiger Punkt, dem alle AfD-Kandidatinnen vor der Bundestagswahl große Beachtung schenken sollten: „Pressearbeit bedeutet vor allem, gegenseitig Vertrauen aufzubauen. Der Vorwurf der Lücken- oder Lügenpresse ist für den Aufbau von Vertrauen nicht zielführend.“ Hm, ich sags mal so. Dieser Tipp kommt gefühlte sieben Jahre zu spät.

Im Wahlkampf besonders wichtig ist natürlich der Umgang mit den sozialen Medien, und die Ratschläge „Erst Denken, dann tippen – Niemals mit Alkohol soziale Netzwerke bedienen“ sind durchaus vernünftig, denn eine „unbedachte Äußerung“ ist „Meist nie mehr zu beseitigen“. So wahr. Im Straßenwahlkampf herrschen hingegen andere Regeln. So ist es immer besser, „sich zu rasieren“ (siehe Fotoshooting-Tipps) und „nicht mit fettigen Haaren zu erscheinen“. Das macht keinen guten Eindruck auf diejenigen, die eigentlich nach einem netten AfD-Lächeln und einem herzlichen „Guten Morgen“ die Partei um Alice Weidel, Björn Höcke und Alexander Gauland wählen sollen.

Bundestagswahlkampf 2021: Leitfaden hat AfD nicht exklusiv

So weit, so skurril. Natürlich haben alle Parteien im Bundestagswahlkampf ihre Leitfäden, das besondere an jenem der AfD ist aber der Versuch, den extrem rechten Charakter der Partei einigermaßen unverblümt zu kaschieren. Wenn also in der Fußgängerzone eine auf sie zurauscht und säuselt „Wir würden Ihnen gerne Ihre Bauchschmerzen bei der kommenden Bundestagswahl nehmen! Rezeptfrei und ohne Nebenwirkungen. Hätten Sie Interesse?“, dann seien sie auf der Hut. Könnte sich um den AfD-Nachwuchs bei der Öffentlichkeitsarbeit handeln. (Katja Thorwarth)

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