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Analyse

Bundestagswahl 2021: Armin Laschet ist als Politiker-Typ völlig out

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Ein Verlierer der Bundestagswahl 2021 ist der Unionskandidat Armin Laschet. Warum er seine Partei um knapp 9 Prozent dezimierte, lesen Sie in unserer Analyse.

Frankfurt - Als Armin Laschet im Konrad-Adenauer-Haus am Abend der Bundestagswahl 2021 vor die Kameras trat, klang es wie eine trotzige Durchhalteparole: „Wir haben einen klaren Auftrag erhalten“, sagte Laschet, der alles dafür tun werde, um die Regierung zu bilden. „Eine Stimme für die Union ist eine Stimme gegen eine linksgeführte Bundesregierung“, führte er vollen Ernstes weiter aus.

Das könnte angesichts einer schwachen Linken und einer erstarkten FDP, die ihre Präferenz in Richtung Union nie verleugnet hat, durchaus gelingen. Sollte die FDP mit ihren 11,5 Prozent auf Positionen bestehen, die - so sie denn Rückgrat beweisen - weder mit der SPD noch mit den Grünen zu machen sind, könnte Laschet die Tapeten fürs Kanzleramt anfangen auszusuchen.

Armin Laschet (CDU) freut sich nach der Stimmenabgabe.

Armin Laschet könnte trotz Verluste bei der Bundestagswahl Kanzler werden

Aber was hätte er für eine Ausgangsposition? Schließlich dürfte der Aachener in die Geschichte als derjenige eingehen, der die Union von 32,9 Prozent auf 24,1 heruntergeschraubt hat. Und das wohlgemerkt in einer Situation, in der kaum jemand der SPD unter Olaf Scholz das Überwinden der 20-Prozent-Hürde zugetraut hätte. Die Grünen hatten sie bei der Union als ernsthafte Konkurrenz ohnehin nie auf dem Zettel.

Natürlich scheiterte Laschet in erster Linie an sich selbst. Sein Wahlkampf ist durchzogen mit einer schier unzähligen Aneinanderreihung von Pleiten, Unzulänglichkeiten und Blamagen, sodass man im Nachgang nur hoffen kann, sein Wahlkampfteam wird jetzt psychologisch betreut. Dass der Mann auch am Wahltag seinen Stimmzettel nicht fehlerfrei in die Urne zu befördern in der Lage war, ist bei jenem Akt der politischen Selbstdemontage nur folgerichtig.

Armin Laschet ist als Politiker-Typ out

Als Erklärung reicht das aber nicht aus. Vielmehr steht Armin Laschet im Sinne des Wortes für Stillstand und für eine reaktionäre Lobby-Politik, die immer nur die eigenen Vorteile und die des meistbietenden Kapitalunternehmens im Blick hat. Laschet ist als Politiker-Typ völlig out, in seiner Außendarstellung als auch in seiner Themensetzung. Klimawandel lässt sich schwerlich mit seinem RWE-Gekuschel in Einklang bringen, und wer Hartz-IV für die beste Erfindung seit Gerhard Schröder hält, hat in Bezug auf Kinderarmut ebensowenig Konstruktives beizutragen.

Was Laschets Sympathiekurve auch kein exponentielles Wachstum beschert hat, ist der Battle um die Kanzlerkandidatur mit Markus Söder. Allem Basiswillen zum Trotz hatte sich der CDU-Mann an der Kandidatur festgebissen, bis sie ihm schließlich von Söders Gnaden gewährt wurde. Davon hat er sich bis zum 26. September nicht erholt, eben weil ihm die Unterstützung vom christsozialen Bruder weitestgehend verwehrt geblieben ist. Söders Wahlkampf kreiste vielmehr um die eigene Person und Partei, ergo um sein Bayern, in dem Milch und Honig aus den Regenrinnen tropft. Am Schluss war Markus Söder mit einem hilflosen Rote-Socken-Revival dann doch in die Bresche gesprungen, auch wenn dies eher der Angst geschuldet sein könnte, mit seiner CSU in den Strudel der Erfolglosigkeit gerissen zu werden.

Hilfloses Rote-Socken-Revival von Laschet und Söder

Apropos Rote-Socken-Revival. Was ist das für ein Land, indem diese billige Masche im Hinblick auf die Linke tatsächlich verfängt? Indem das Gespenst eines drohenden Kommunismus zum eigenen Machtanspruch herbeiphantasiert wird und die Leute darauf hereinfallen? Laschet drehte diese Nummer am Wahlabend noch weiter, als er von einer „linksgeführten Regierung“ warnte und damit die SPD unter Scholz in Koalition mit einer Grünen meinte, die einem Kuschelkurs mit der Union nie abgeneigt war. Von der FDP müssen wir an dieser Stelle gar nicht reden.

Fazit: Angstmache vor der bösen Linken scheint nach wie vor eigene Defizite zu verschleiern und den eigentlich verdienten völligen Absturz zu verhindern. Außerdem muss man kein Fan von Angela Merkel sein, um die Noch-Bundeskanzlerin im Angesicht des Laschet-Wahlkampfes zu vermissen. Das hat nichts mit ihrer politischen Ausrichtung zu tun, sondern mit der fehlenden Souveränität des Kanzler-Anwärters. Entsprechend umwehte den Slogan „Laschet kann Kanzler“ immer ein Hauch von Satire, und nicht wenige hatten zwischenzeitlich die Vermutung, der Mann sei von der Titanic in die Union eingeschleust worden. Bleibt nur zu hoffen, dass Laschet seine Bestimmung in einem anderen Tätigkeitsfeld sucht, anstatt das Kanzleramt zu parodieren. (Katja Thorwarth)

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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