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Nordirland: Protestantischer Brexit-Wahn in Orange

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Von: Peter Rutkowski

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Wenn Corona normal wird, bleibt doch das Unnormale des Brexit. 
Wenn Corona normal wird, bleibt doch das Unnormale des Brexit.  © Kirsty O'Connor/dpa

Es ist beunruhigend, wenn die Märsche der protestantischen Oranierorden durch den Brexit wieder bedeutsam werden. Der FR-Kommentar.

Nordirland - Vielleicht war es den Versuch wert: die Märsche der protestantischen Oranierorden in Nordirland als Folklore ohne festen Bezug zur Gegenwart nach und nach aus Desinteresse verenden zu lassen. Bis nur noch ein paar verbohrte Rentner in Bowlerhut und Schärpe am Rollator mitleidiges Lächeln bei europäisch empfindenden Umstehenden hervorgerufen hätten.

Es wäre trotz allen Zynismus’ dieses Bildes das Beste für Nordirland gewesen.

Brexit in Nordirland - die Insel wird brutal getrennt

Aber da steht der Brexit davor. Der trennt brutal, was kaum ansatzweise zusammenwuchs – die irische Insel. Und er (nicht die EU!) trennt die kolonialistische Tradition in Ulster von der englischen „Heimat“. Wenn den Märschen der Orangeisten 2021 keine – oder nur wenige – Brandbomben folgen, dann liegt das an Corona. Was der Mensch nicht trennen konnte und der (strubbelige) Unmensch namens Boris Johnson nicht trennen wollte, das Virus hätte es dann geschafft. Vielleicht mit etwas Hilfe durch die nordirische Polizei, die auf hygienischen Abständen bestand.

Aber wenn Corona normal wird, bleibt doch das Unnormale des Brexit. Und das wird die nordirische Unnormalität weiter am Unleben halten – einen imaginierten Protestantismus, belagert von Feinden jeder Nation, jeder Hautfarbe, jeder sexuellen Natur und jeden Geschlechts. Ein Trauerspiel auf ewig. (Peter Rutkowski)

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