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Boris Palmer: Warum der „Anti-Anti-Rassist“ wohl doch ein Rassist ist

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Von: Katja Thorwarth

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Boris Palmer
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen. © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Boris Palmer: Der grüne „Anti-Anti-Rassist“ will Oberbürgermeister bleiben – gerne auf Kosten Geflüchteter. Applaus von der AfD ist ihm sicher.

Der „Sarrazin der Grünen“ (Original-Zitat unbekannt) hat wieder zugeschlagen. Eine Woche vor den Oberbürgermeisterwahlen in Tübingen zeigt der Amtsinhaber Boris Palmer erneut, warum ihn seine grünen Kolleg:innen am liebsten aus dem Klan kegeln würden - und zwar lieber vorgestern als heute.

Diese negative Haltung hat der prominente Talkshow-Gast unter anderem Aussagen wie Folgenden zu verdanken: „Anti-Rassist werde ich bestimmt nicht“, sagte er 2017, um dies damit zu unterlegen, dass „Demokraten ... keine Anti-Rassisten [seien]. Es geht auch nicht um den Begriff, sondern die Ideologie, mit der er konkret gefüllt wurde ...“. Das ist so ein typischer Palmerscher Move, mit dem er linken Antirassismus zu diskreditieren gedenkt – einfach, indem er ihn als unbrauchbar, weil ideologisch, abkanzelt. Doch warum macht Palmer das? Damit er seinen eigenen Rassismus irgendwie legitim jenseits „linker Ideologie“ durchmogeln kann.

Nun sollen am 23. Oktober die Tübinger:innen einen neuen Oberbürgermeister wählen, und, das muss man ihm ja lassen: Boris Palmer macht keinen Hehl daraus, wo er bezüglich Migration und Rassismus im Jahre 2022 so steht.

Boris Palmer jammert vor der OB-Wahl in Tübingen vor sich hin

In einem Podcast „Tübingen“ mit dem deutsch-äthiopischen Journalisten und Unternehmensberater Asfa-Wossen Asserate und der Grünen Uschi Eid zieht der Aktuell-OB tatsächlich alle Register, um seine quasi Selbstinszenierung als „Anti-Anti-Rassist“ (K.T.) zu unterstreichen. „Immer, wenn ich mich zu Rassismus-Fragen äußere, habe ich sowieso schlechte Karten“, jammert Palmer dort vor sich hin, um zu betonen, dass die Ablehnung seiner Aussagen an der „Hautfarbe“ (B.P.) liege. Nachdem die dieser Tragik geschuldeten Tränchen getrocknet sind, lohnt das Zuhören der Palmer-Offenbarung durchaus.

Da erzählt er nämlich von dem zu Unrecht abgeschobenen Mann aus Gambia, der sich seinen Aufenthalt in Tübingen längst durch „Anstrengung und Leistung“ verdient habe, um ihn anschließend mit „fünf schwarzen Männern“ ins Verhältnis zu setzen. Die nämlich hätten sich in Unterführungsnähe „abends um 18 Uhr erkennbar mit Alkohol befasst“, was als wohl erstes Indiz zu werten sei, dass „die ganz bestimmt nicht“ arbeiten. Das Zweite sind nach Palmer aber tatsächlich die „Turnschuhklamotten“, an denen man scheint’s den sozialen Status erkenne. Ergo: Wer als Schwarzer um 18 Uhr mit der „Flasche am Straßenrand“ steht, der kann natürlich nur ein Drogendealer - „empirisch belegt“ - sein. Solche Leute gehörten nach Palmer abgeschoben, und das sei kein „Rassismus, sondern Pragmatismus“.

Warum Boris Palmer als Rassist einzuordnen ist

Dem OB sei an dieser Stelle auf ein Neues erklärt, was ein Rassist ist und warum er wieder einmal entsprechend eingeordnet wird. Schlicht, weil Palmer am frühen Abend in Tübingen Leute aufgrund ihrer Hautfarbe und eines eigentlich unverdächtigen Habitus der Kriminalität zuordnet. Das hätte er bei Nicht-Schwarzen niemals getan. Die in Turnschuhen und Bier in der Hand könnten einfach irgendwer sein, aber Palmer triggern die Schwarzen. Das ist sein Auftrag, denn Hänger darf es im sauberen Tübingen nur in Weiß geben. Und jetzt, Herr Palmer, verrate ich Ihnen mal was. Genau das nennt man Rassismus.

Dass seine Grünen-Kollegin Uschi Eid dann von „Dauererregung“ schwadroniert, die auch von den „Universitäten“ komme, macht das grüne Bild im Gesamten nicht besser. Aber groß zu Wort kommt sie eh nicht, wobei Palmer ihren Gedanken mit dem „Ende der Demokratie“ weiterdenkt. Und diesbezüglich letztlich Kritiker:innen rassistischer, sogenannter Kulturgüter – „Buchverbote“, das ist faktisch falsch - verantwortlich macht.

Boris Palmer quakt dazwischen

Wollte er nicht Oberbürgermeister einer Universitätsstadt bleiben, wären die Gedankengänge eines reaktionären Provinzpolitikers einigermaßen egal. So aber sollten die Wähler:innen noch einmal daran erinnert werden, wer da mit Fahrradhelm durchs Städtle fährt und sich über Schwarze Menschen aufregt. Kleine Anmerkung am Rande: Asfa-Wossen Asserate hatte in dem 36,17-minütigen Podcast 6 Minuten Redezeit.

Selbst als Asserate direkt adressiert wird, quakt Palmer dazwischen „wenn ich das noch sagen darf“. Zufällig geht es da um Rechtsextremismus, und der sei „eine völlig andere Art der Bedrohung“ – die nach Palmer „keinerlei Breitenressonanz in der Gesellschaft“ hätte.

Palmer ist der Applaus von der AfD sicher

Eigentlich nicht lustig, sieht man gerade an Boris Palmer, wie sehr rassistische Stereotype verfangen - und natürlich an der Anzahl gewalttätiger Angriffe auf Geflüchtete. Aber Hauptsache, Palmer hat seinen populistischen Text untergebracht, der jeglichen Rassismus legitimiert. Applaus von der AfD ist ihm sicher. (Katja Thorwarth)

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