Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Grüne

Rassismus-Eklat: Boris Palmer, der Märtyrer der Grünen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
    schließen

Boris Palmer sorgt mit rassistischen Klischees für Empörung. Jetzt wollen die Grünen ihn ausschließen. Ein Kommentar.

Frankfurt am Main - Boris Palmer ist von Beruf nicht Satiriker, sondern Oberbürgermeister im gediegenen Universitätsstädtchen Tübingen. Aber ein gewisses Talent für gehobene Formen des ironischen Umgangs mit der Welt ist ihm einfach nicht abzusprechen. Nicht etwa, weil das, was Palmer selbst nachträglich als Satire verkauft, irgendetwas mit Satire zu tun hätte. Nein, seine Äußerungen über „Anti-Anti-Rassismus“ und über das Geschlechtsteil eines Schwarzen Menschen sind Rassismus, gezielt eingesetzt zur Provokation.

Da soll, wie bei der extremen Rechten üblich, der unreflektierte Gebrauch rassistischer Stereotypen als angebliche Denkweise der „normalen Leute“ gegen den antirassistischen Gesellschaftsvertrag in Stellung gebracht werden, bei dem es sich ja doch nur um ein Hobby der „politisch Korrekten“ handele.

Boris Palmer bedient rassistische Stereotypen

Das hat, wie gesagt, mit Satire nichts zu tun. Wenn Boris Palmer etwas anderes behauptet, ist das nur die übliche Masche des rechten Diskurses, die rassistischen Klischees erst in die Welt zu setzen (und sei es im Tarnanzug einer angeblichen Satire) und sich dann, wenn die Botschaft bei der Gefolgschaft angekommen ist, bei den anderen irgendwie halb davon zu distanzieren („War doch nur Satire“).

Boris Palmer hat den Zorn der Grünen auf sich gezogen. Mal wieder (Archivbild).

Um wahrhaft gelungene Realsatire handelt es sich allerdings dort, wo Boris Palmer das Lied von der Unterdrückung abweichender Meinungen singt: Der Antrag, ihn aus der Partei auszuschließen, habe „kein anderes Ziel, als eine abweichende Meinung zum Verstummen zu bringen“, sagt er.

Grüne reagieren mit Ausschlussverfahren: Boris Palmer tritt politische Grundwerte mit Füßen

Nur um das kurz klarzustellen: Boris Palmer muss nicht verstummen. Niemand hat gefordert, Dummheit zu verbieten. Aber sie zu benennen – auch das gehört zur Meinungsfreiheit. Und Palmer wird auch, wenn er sich nicht mehr „grün“ nennen darf, genügend Möglichkeiten haben, laut zu werden. Die rechten Netzwerke haben ihre Medien, mehr als genug.

Zur Person
NameBoris Palmer
Alter48 Jahre (geboren am 28. Mai 1972)
ParteiGrüne
AmtOberbürgermeister der Stadt Tübingen (seit 2007)

Zu den Rechten einer Partei wie der Grünen gehört es übrigens, darauf zu achten, dass ihre politischen Grundwerte nicht öffentlich von den eigenen Mitgliedern mit Füßen getreten werden. Auch das nur kurz zur Erinnerung: Parteien sind dazu da, bestimmte politische Positionen zu organisieren, sonst bräuchten wir sie nämlich nicht. Das Ausschlussverfahren hat deshalb mit „zum Verstummen bringen“ nichts, mit der politischen Identität einer Partei sehr viel zu tun.

Ausschluss Palmers wäre absolut gerechtfertigt

Ein Ausschluss Palmers wäre also absolut gerechtfertigt. Aber problematisch ist er leider auch. Angesichts einer Atmosphäre, in der schon Kritik an einer Äußerung in bestimmten Kreisen sofort als Angriff auf die Meinungsfreiheit diffamiert wird, lässt sich ein Ausschluss leicht in eine autoritäre Attacke der „Lifestyle-Linken“ (Palmer) auf einen tapferen Volkstribun umdeuten. Aber die Grünen sollten das aushalten. Denn eins steht fest: Boris Palmer als Märtyrer, das wäre dann wirklich Satire. (Stephan Hebel)

Rubriklistenbild: © Dirk Borm/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare