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Ein Osterei, das eine stilisierte Darstellung des Coronavirus ist, steht im Museum der Alltagskultur auf einem Tisch.
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Ein Osterei, das eine stilisierte Darstellung des Coronavirus ist, steht im Museum der Alltagskultur auf einem Tisch.

Kommentar

Bitte mehr Ehrlichkeit

  • Jan Sternberg
    VonJan Sternberg
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Werden wir im nächsten Jahr wieder unbeschwert Ostern feiern können? Niemand sollte auf diese Frage antworten. Ein Kommentar.

Das Coronavirus bestraft alle Prognosen. Niemand weiß, wie lange es uns noch begleitet, bevor besonders die Gefährdeten unter uns ausreichend geschützt sind.

Corona bestraft Sätze wie diese: „Mit dem Wissen heute, das kann ich Ihnen sagen, müssen keine Friseure mehr schließen und kein Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren.“ Gesundheitsminister Jens Spahn hat sie gesagt, am 1. September. Nun einigten sich Kanzlerin Angela Merkel und die Chefinnen und Chefs der Bundesländer: Einzelhandel und Friseure schließen ab Mittwoch, mindestens bis zum 10. Januar.

Corona bestraft Ausreden wie diese: „Wir haben das Virus unterschätzt – alle miteinander.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sie formuliert, um davon abzulenken, dass sein Bundesland durch Zaudern, Zögern und Verharmlosen zum Treiber der zweiten Welle wurde. Kretschmer hatte versucht, sich den Corona-Verharmlosern anzubiedern. Die Sachsen hatten gehofft, nach glimpflich überstandener erster Welle auch das zweite Mal ungeschoren davonzukommen. Die Mischung aus Unterschätzen und Laufenlassen war besonders toxisch.

Am 3. Advent handelten die Verantwortlichen. Voraus ging eine flehende Rede der Kanzlerin im Bundestag – und ein Umdenken in einer ganzen Reihe von Staatskanzleien. Kurz vor knapp geht nun das Land in die Weihnachts-Zwangsruhe, schließt Läden und Schulen im letzten Moment, um ein Superspreader-Jahresende zu verhindern. Es war eine späte, aber notwendige Entscheidung.

Seit sechs Wochen befindet sich die Republik im Teil-Lockdown. Kultur und Freizeit wurden geopfert, doch kaum jemand glaubte am Ende noch ernsthaft daran, dass der „Lockdown light“ im November zum Wellenbrecher werden würde. Die Zahlen verharrten auf hohem Niveau, die Mobilität in Deutschland befindet sich an Wochentagen im Dezember auf dem Niveau des Vorjahres. Doch die Regierenden vor allem in den Ländern waren allzu lange nicht bereit sich einzugestehen, dass sie die zweite Welle unterschätzt hatten.

Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder meinte nun, die Maßnahmen würden aufrechterhalten, „solange es dauert“. Das ist ein kleiner, aber zu kleiner Fortschritt beim ehrlichen Überbringen schlechter Nachrichten. Gewerbetreibende, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern können deshalb trotzdem nicht planen, wie der Januar aussehen wird. Aber immerhin wissen sie es.

Das Jahresende wird still und sorgenvoll. Das war nicht zu verhindern. Aber wenn wir uns von 2021 etwas wünschen könnten, wäre es etwas mehr Vorausschau und Ehrlichkeit.

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