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Bataclan-Prozess: Der schwache Punkt

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Von: Stefan Brändle

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In einem speziell angefertigten Gerichtssaal werden in Frankreich 20 Männer angeklagt, die an den Terroranschlägen des Islamischen Staates vom 13. November 2015 in Paris beteiligt waren.
In einem speziell angefertigten Gerichtssaal werden in Frankreich 20 Männer angeklagt, die an den Terroranschlägen des Islamischen Staates vom 13. November 2015 in Paris beteiligt waren. © dpa

Die Bürgerinnen und Bürger Frankreichs haben sich durch die Anschläge im Bataclan nicht ihren Alltag vergällen lassen. Zugleich verdrängen sie weiter ihr wohl größtes Problem. Der Kommentar.

Es ist ein Monsterprozess, der im Pariser Justizpalast sechs Jahre nach den Bataclan-Anschlägen beginnt: 20 Angeklagte werden sich acht Monate lang gegen 1800 – anwesende! – Zivilkläger:innen verteidigen müssen. Viele in Frankreich stellen den Sinn des Unterfangens infrage: Es fehlten die drei (toten) Haupttäter, die Komplizen seien uneinsichtig. Und die 130 Todesopfer würden auch nicht mehr zum Leben erweckt. Trotzdem ist die schmerzvolle Aufarbeitung notwendig.

Allein schon, um klarzumachen, dass das französische Rechtssystem nicht mit den Instinkten der Rache und Gewalt antwortet, sondern nüchtern, überlegt und entschlossen. Frankreich hat seit dem 13. November 2015 bewiesen, dass es möglich ist, sich von den Attentaten nicht unterkriegen zu lassen. Polizei und Terrorabwehr wurde verstärkt, ohne dass sich die Bürger:innen ihren Alltag vergällen lassen. Darin zeigen sie sich stark. Zugleich verdrängen sie weiter ihr wohl größtes Problem: die Banlieue-Zonen, aus denen die meisten Attentäter stammen. Das ist der schwache Punkt Frankreichs – und ihn behebt keine Gerichtsverhandlung.

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