Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nahost-Konflikt

Israel und Gaza: Das Dilemma eines Waffenstillstands

  • Inge Günther
    VonInge Günther
    schließen

Israelis und Palästinenser könnten schon bald eine Waffenruhe beschließen. Doch was dann? Der Leitartikel.

Es ist eine Erfahrung, die man bereits in drei Gaza-Kriegen seit 2009 gemacht hat und die sich auch in Israels aktueller militärischer Konfrontation mit der Hamas bestätigt: Eine tödliche Eskalation ist schnell entfacht, wenn sich diverse Brennpunkte des Nahostkonflikts entzünden. Sie zu beenden ist ungleich komplizierter und ohne massive Einwirkung von außen nicht zu erzielen.

Reichlich lang hatte Washington zunächst der Regierung Netanjahu Leine gelassen. Der israelische Premier bestand auf Zeitgewinn, um die Terror-Infrastruktur weiter zu bombardieren und den Kampfwillen von Hamas und Dschihad zu brechen.

Nahost: Eine Waffenruhe ist längst überfällig

Vor allem lag ihm an einem „Sieger-Image“, etwa ein erfolgreicher Schlag gegen das Top-Personal der Militanten. Das ist (bislang) nicht geglückt. Israels jetziger Feind Nummer eins, Mohammed Deif, der fast schon legendäre Kopf des bewaffneten Hamas-Flügels, der bei früheren Attentaten ein Auge, zwei Beine und einen Arm verlor, scheint wieder entkommen zu sein.

Eine israelische Artillerie feuert von einer Position an der Grenze zwischen Israel und Gaza in der Nähe von Sderot in Richtung des Gazastreifens. Dennoch könnte es im Nahost-Konflikt bald zu einer Waffenruhe kommen.

Alles andere, wie das unterirdische Tunnelsystem der Hamas, ihre Waffendepots sowie Werkstätten zum Raketenbau, haben in konzertierter Offensive Luftwaffe, Artilleriefeuer und Marine in Schutt und Asche gelegt – zwar nicht gewollt, aber vielfach auf Kosten der Zivilbevölkerung in dem palästinensischen Elendsstreifen. Was im Gaza-Krieg 2014 in 50 Tagen zerstört worden sei, so General Aharon Haliva, habe man diesmal in 50 Stunden geschafft.

Eine Waffenruhe ist längst überfällig. Auch US-Präsident Joe Biden drängt inzwischen unmissverständlich dazu. Er hat von Netanjahu eine sofortige „signifikante Deeskalation“ gefordert. Ein Energieschub auch für die internationale Diplomatie, die endlich in die Gänge gekommen ist.

Was geschieht nach einer Waffenruhe im Nahost-Konflikt?

Dass Außenminister Heiko Maas Sondierungsgespräche in Jerusalem und Ramallah führte, dient zwar eher der moralischen Verstärkung ihrer Bemühungen. Die eigentliche Vermittlerrolle spielen die Ägypter, die einzigen in diesem Konflikt, die direkte Kontakte zur Hamas-Führung und Israel unterhalten. Die Hoffnungen sind groß, dass von Freitag an, spätestens am Wochenende, die Waffen schweigen.

Doch was dann? Vieles deutet darauf hin, dass am Ende der Kampfhandlungen alles auf Anfang zurückgestellt wird. Nur, ohne eine Zukunftsperspektive für die in Gaza eingesperrten 2,2 Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser, wo es ein Arbeitslosenheer gibt, aber nicht mal genug sauberes Trinkwasser, ist ein weiterer Gewaltausbruch früher oder später programmiert. Die Schlagkraft der Hamas mag enorm geschwächt sein, das Reservoir an arbeitslosen jungen Männern, die sich oft gegen Bezahlung von ihr rekrutieren lassen, ist es nicht.

Darin liegt das Dilemma eines Waffenstillstands, über dessen Modalitäten erst gesprochen werden soll, wenn Ruhe eingekehrt ist. Denn auch das weiß man aus früheren Gaza-Kriegen: Grundsätzlich verbessert hat sich danach nichts. Israel hat mehr humanitäre Güter in den abgeriegelten Küstenstreifen gelassen und die palästinensischen Fischereizonen erweitert. Auf internationalen Gebergipfeln wurden milliardenschwere Aufbauprogramme versprochen. Ansonsten blieb alles beim Alten. Hamas und Netanjahu konnten sich damit ganz gut arrangieren.

In Israel hat das nationalrechte Lager um Netanjahu das Heft wieder fest in der Hand

Wer den radikalislamischen Einfluss zurückdrängen will, muss die moderate palästinensische Führung stärken. Das Problem dabei: die alte PLO-Garde um Präsident Mahmud Abbas ist abgetakelt und unpopulär.

Umso mehr nach ihrer Absage der von vielen Menschen in Gaza, Westbank und Ost-Jerusalem ersehnten Wahlen. Daran ändert noch nichts, wenn sich nun Heiko Maas und andere Spitzendiplomaten bei Abbas die Klinke in die Hand geben, um zu versuchen, die PLO als die international anerkannte Vertreterin des palästinensischen Volkes als Gegengewicht zur Hamas aufzuwerten.

Politisch jedenfalls sind die militanten Islamisten noch nicht geschlagen. Und in Israel hat das nationalrechte Lager um Netanjahu wieder das Heft fest in der Hand. Mit jedem weiteren Kriegstag schwinden die Chancen der Anti-Bibi-Allianz, eine alternative Mitte-Links-Rechts-Regierung auf die Beine zu stellen. Böse Zungen behaupten, mit ihrem Raketenbeschuss habe die Hamas Netanjahus politisches Überleben gerettet. (Inge Günther)

Rubriklistenbild: © Ilia Yefimovich/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare