Pflege

Ausbeutung mit System

  • Tanja Kokoska
    vonTanja Kokoska
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Osteuropäerinnen pflegen unsere Angehörigen teils für Stundenlöhne von gut zwei Euro. Ist das gemeint, wenn wir sie „systemrelevant“ nennen? Ein Kommentar.

Es ist eine winzige Meldung in den Nachrichtenagenturen: „Am Freitag hat die Bundespolizei eine ukrainische Staatsangehörige auf dem Luftweg in ihr Heimatland zurückgewiesen. Die Frau hatte sich bereits seit Längerem ohne erforderliches Visum in Deutschland aufgehalten und war einer unerlaubten Beschäftigung in der Altenpflege nachgegangen.“ Sicher – „erlaubt“ mag ihre Beschäftigung nicht gewesen sein. Aber insgeheim geduldet schon.

Solche Frauen sind ein bewusst in Kauf genommener Teil unseres Systems. 100 000 illegal Beschäftigte, schätzt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, gibt es im deutschen Pflegedienst. Für eine 24-Stunden-Betreuung zahlt man ihnen oft kaum mehr als 800 Euro im Monat. Aber auch, wer als Osteuropäerin hierzulande legal arbeitet, erhält teils erbärmliche Stundenlöhne von 2,08 Euro. „Zustände wie in der Fleischindustrie“ beklagt der Bundesverband der Betreuungsdienste. Zu Recht.

„Systemrelevant“ seien diese Menschen, hieß in der Hochphase der Corona-Krise. Zu Recht. Die Konsequenz? Ein Lächeln von Gesundheitsminister Jens Spahn und ein lächerlicher „Pflegebonus“. Das System läuft weiter, wie es ist: ausbeuterisch. Die Ukrainerin wird nun nicht mehr einreisen dürfen. Wen sie wohl unversorgt zurücklässt?

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